Bürgschaft für Flugtaxis abgelehnt

Nach Flugtaxi-Nein: Söder wettert gegen Grüne wegen „grober Benachteiligung Bayerns“

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Söder sieht Bayern schon länger als durch die Ampel und Grünen benachteiligt. Eine Entscheidung zu einem Flugtaxi-Startup macht ihn jetzt wütend.

München – „Den nächsten Fall von Bayern-Bashing“ beklagt CSU-Chef und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auf der Internetplattform X (vormals Twitter): Ein Projekt, die sich Söder selbst auf die Fahnen geschrieben hatte, droht am Widerstand von Grünen-Politikern der Ampel-Koalition zu scheitern. Söder sieht darin eine „krasse Fehlentscheidung“.

Worum gehts? Das bayerische Kabinett hatte im September einstimmig beschlossen, dem Flugtaxi-Unternehmen Lilium eine Bürgschaft von 50 Millionen Euro zu geben und damit Hightech in Bayern trotz aller Risiken zu fördern. Ein drohender Wegzug von Lilium aus Oberpfaffenhofen in Oberbayern schien damit abgewendet. Vorausgesetzt, der Bund zieht mit, wie Staatskanzleiminister Florian Herrmann (CSU) im September vor Journalisten erklärte.

Ampel lehnt Bürgschaft für Flugtaxi-Hersteller ab – Söder erkennt „Bayern-Bashing“

Jedoch: Der Bund zieht wohl nicht mit. Im Haushaltsausschuss des Bundestags wollten die Abgeordneten die Finanzspritze für den Erhalt des Unternehmens in Bayern nicht zusichern. Darüber berichteten mehrere Medien, die sich auf Insider der Sitzung berufen. Die Haushaltspolitiker der Ampel-Koalition hätten keine Mehrheit für eine 50-Millionen-Euro-Bürgschaft für den Flugtaxi-Hersteller gefunden, heißt es. Der Deal sollte über die Förderbank KfW laufen.

Dem Vernehmen waren vor allem die Grünen dagegen. Die SPD und zuletzt auch die FDP hätten wohl zugestimmt. SPD-Haushälter Dennis Rohde sagte zur Nachrichtenagentur dpa, die SPD hätte „dieser klimaneutralen Zukunftstechnologie gern staatlich unter die Arme gegriffen. Leider gab es für diese wirtschaftspolitische Überzeugung keine Mehrheit in der aktuellen Koalition.“

Söder spricht von „krasse Fehlentscheidung“ der Ampel nach Flugtaxi-Nein – „Typisch Grüne!“

Söder bringt das Nein zum Flugtaxi-Startup im Haushaltsausschuss auf die Palme. Auf der Internetplattform X schreibt er von einem „nächsten Fall von Bayern-Bashing“ und von einem „bitteren Rückschlag für den Technologie-Standort Deutschland.“ Während die Ampel-Regierung „alte Industrie im Norden wie Werften“ unterstütze, gebe es für „Zukunftsinvestitionen in den Süden“ keine Cent. „Das ist eine krasse Fehlentscheidung und weitere grobe Benachteiligung Bayerns“, wettert Söder.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht Bayern von der Ampel und den Grünen im Bund nach einem Beschluss zu Flugtaxis benachteiligt.

Söder schreibt weiter, die 50-Millionen-Bürgschaft für den Bund sei im Vorfeld mit Kanzler Olaf Scholz „so geplant und besprochen“ gewesen, doch jetzt würden Abgeordnete der Grünen die Unterstützung „torpedieren“. „Typisch Grüne!“, tobt Söder: „Sie sind und bleiben innovationsfeindlich“ und würden dem Wirtschaftsstandort Deutschland schaden. Jetzt drohe, dass „deutsche Kreativität in die USA, Frankreich oder nach China“ abwandere. „Es ist geradezu fahrlässig, wie mit Zukunftschancen unseres Landes hantiert wird.“

Söder sauer über Ampel-Beschluss – Flugtaxi-Projekt in Bayern bringt Arbeitsplätze

Riskant ist das Flugtaxi-Projekt in Bayern allemal, das geben auch Befürworter zu. Innerhalb der bayerischen Staatsregierung gab es darüber schon Streit, unter anderem zur Rolle von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Das Startup Lilium verschob den bemannten Erstflug seiner vollelektrischen Flugtaxis auf Anfang 2025, die ersten Maschinen sollten 2026 verkauft werden. Die Entwicklung kostet hunderte Millionen Euro, sollte aber auch über 1000 Arbeitsplätze schaffen.

Noch ist eine Unterstützung durch den Bund für das Flugtaxi-Startup in Bayern nicht komplett ausgeschlossen, schreibt das Handelsblatt. Bis zur Bereinigungssitzung des Haushaltes Mitte November sei ein Einlenken der Grünen theoretisch noch möglich.

Bayerns Ministerpräsidenten seit 1945

Bundeskanzler Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) und Fritz Schäffer (r, CSU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn.
28. Mai 1945 – 28. September 1945: Fritz Schäffer (r, CSU) mit Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn. © dpa
28. September 1945 – 21. Dezember 1946: Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA.
28. September 1945 – 21. Dezember 1946 (erste Amtszeit): Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA. © IMAGO/Rolf Poss
21. Dezember 1946 –
 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde.
21. Dezember 1946 – 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde. © IMAGO
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück.
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück. © IMAGO
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen.
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen. © IMAGO
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU).
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU). © IMAGO
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU).
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel, der aus Altersgründen zurücktrat, und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU). © IMAGO
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl.
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl. © Heinz Gebhardt/IMAGO
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück.
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück. © IMAGO
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück.
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück. © IMAGO/Astrid Schmidhuber
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste.
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste. © IMAGO
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand.
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand. © Sammy Minkoff/IMAGO
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch.
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch. © Charles Yunck/IMAGO
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender.
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender. © IMAGO

Welche Folgen die Entscheidung für Lilium und seine Pläne in Bayern haben wird, ist demnach unklar. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich auf Anfrage das Handelsblatt nicht äußern. Der Freistaat Bayern könnte womöglich allein einspringen und seine Bürgschaft ausweiten, oder der Einstieg von Investoren sei denkbar. (smu)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sepp Spiegl

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