Wahlergebnis

Nach SPD-Debakel bei Bundestagswahl: Klingbeil kündigt „Generationenwechsel“ an

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Die SPD fährt ihr schlechtestes Ergebnis der Parteigeschichte ein. Die Folge könnte eine umfassende personelle Neuaufstellung bedeuten.

Update, 00.03 Uhr: Langsam wird deutlich, was Lars Klingbeil mit dem „Generationenwechsel“ bei der SPD gemeint haben könnte. Der 47 Jahre alte Politiker dürfte nach der Übernahme des Fraktionsvorsitzes als der neue starke Mann aus der historischen Pleite der Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl gehen. Das einzige Opfer aus der Führungsriege der SPD heißt bislang - neben Olaf Scholz – Rolf Mützenich.

Nach dem von Klingbeil angekündigten Personalwechsel sieht die Parteispitze der SPD demnach wie folgt aus:

ParteivorsitzendeSaskia Esken, Lars Klingbeil
GeneralsekretärMatthias Miersch (kommissarisch)
FraktionsvorsitzenderLars Klingbeil
Vorsitzender Jugendorganisation (Jusos)Philipp Türmer

Lars Klingbeil übernimmt nach SPD-Debakel Fraktionsvorsitz

Update, 23.52 Uhr: Noch am Abend der Bundestagswahl überschlagen sich die Ereignisse. Lars Klingbeil wird neben dem Partei- auch den Fraktionsvorsitz der SPD übernehmen. Der bisherige Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich wird seinen Posten räumen. In den ARD-Tagesthemen sagte Klingbeil: „Da es gerade öffentlich wurde und Rolf Mützenich es kommuniziert hat, will ich hier sagen, dass das Präsidium gerade einstimmig vorgeschlagen hat, dass ich am Mittwoch als Fraktionsvorsitzender kandidiere.“ Laut Klingbeil soll auch seine Kollegin im Parteivorstand ihren Posten behalten. Er wolle „gemeinsam mit Saskia Esken an der Spitze“ der SPD stehen.

Update, 23.39 Uhr: Das historisch schlechte Ergebnis der SPD wird einen großen personellen Umbau zur Folge haben. Parteivorsitzender Lars Klingbeil sieht sich davon aber nicht zwangsläufig betroffen. Gegenüber dem Fernsersehnder Phoenix sagte Klingbeil: „Ich trage Verantwortung dafür, dass dieser Generationswechsel eingeleitet wird und diese Verantwortung würde ich gerne wahrnehmen.“

Klingbeil reagiert auf SPD-Niederlage bei Bundestagswahl

Erstmeldung vom 23. Februar 2025: Berlin – Nach dem erwartbar dramatisch schlechten Ergebnis für die SPD hat Parteichef Lars Klingbeil personelle Konsequenzen und einen „Generationenwechsel“ angekündigt. Auch der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius sprach von einem niederschmetternden, katastrophalen Ergebnis. Gleichzeitig bedeutet der Wahlausgang wohl dennoch, dass die Sozialdemokraten weiter Teil der Regierung bleiben könnten.

Bei seinem Auftritt in der Berliner Parteizentrale, dem Willy-Brandt-Haus, betonte Klingbeil, dass das Bundestagsergebnis, „Umbrüche erfordern“ würde. Das erfordert jedoch für Klingbeil nicht nur einen einfachen Personalwechsel. So zitierte die Deutsche-Presseagentur eine Aussage des SPD-Chefs: Nach der Bundestagswahl müsse „der Generationswechsel in der SPD“ eingeleitet werden.

Nach dem miserablen Abschneiden der SPD will Klingbeil eine Neuaufstellung: personell, organisatorisch und programmatisch.

SPD-Debakel gibt Klingbeil und Pistorius zu denken

Den ersten Hochrechnungen nach der Bundestagswahl zufolge liegt die SPD knapp zehn Prozent unter ihrem Ergebnis bei der Bundestagswahl 2021, insgesamt gerade einmal bei knapp über 16 Prozent. Damit landet die Partei kurz vor den Grünen, die ebenfalls etliche Prozentpunkte verloren haben.

Das schlechte Ergebnis seiner Partei kommentierte auch der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius, der betonte, dass gerade das Erstarken der rechtspopulistischen AfD, die in den Hochrechnungen zur Bundestagswahl bei knapp 20 Prozent landet, der SPD zu denken geben müsse. Im ZDF sagte Pistorius, die SPD müsse sich jetzt zusammensetzen und in diesem Rahmen auch entscheiden, wer mögliche Koalitionsverhandlungen mit der Union führen soll.

„Gesprächsbereit“: Klingbeil und Pistorius warten auf Gespräche mit der Union

Laut Pistorius liege liege es nun an Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz, den Regierungsauftrag umzusetzen. Dazu betonte der SPD-Politiker, dass seine Partei „immer gesprächsbereit“ gewesen sei und es weiterhin bleibe. Dennoch sei es nach dem Wahlergebnis nun nicht an der SPD, „jetzt irgendwelche Schritte nach vorne zu machen“.

Bundestagswahl 2025: Von „Tünkram“ bis zum „Tor zur Hölle“ – denkwürdige Zitate aus dem Wahlkampf

Bundestag - Vertrauensfrage
„Fritze Merz erzählt gern Tünkram“ – SPD-Kanzler Scholz am 16. Dezember zu Vorwürfen von Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU), der Amtsinhaber sei bei Debatten auf EU-Ebene passiv und melde sich nicht zu Wort. „Tünkram“ ist Plattdeutsch und bedeutet dummes Zeug oder Unsinn. © Michael Kappeler/dpa
Olaf Scholz, Wahlparteitag SPD
„Manch einer hat uns schon abgeschrieben. Das kann unsere sozialdemokratische Partei mit über 160 Jahren Kampferfahrung aber überhaupt nicht beeindrucken.“ – SPD-Ko-Chefin Saskia Esken (rechts) beim Parteitag am 11. Januar in Berlin zu den schwachen Umfragewerten für die Sozialdemokraten und der Hoffnung auf eine Aufholjagd bis zur Wahl. © Imago
Nach Todesfahrt auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg-Rechte Proteste
„Wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.“ – AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel beim Parteitag am 11. Januar in Riesa zur Aufnahme des umstrittenen Begriffs in das Wahlprogramm, der im rechten Spektrum für die massenhafte Ausweisung von Menschen mit Migrationshintergrund steht. © dpa
AfD-Bundesparteitag in Riesa
„Wenn wir am Ruder sind, wir reißen alle Windkraftwerke nieder. Nieder mit diesen Windmühlen der Schande!“ – AfD-Kanzlerkandidatin Weidel beim Parteitag am 11. Januar in Riesa. © Sebastian Kahnert/dpa
Habeck liest aus seinem neuen Buch
„Ich war nicht gut in Rechtschreibung früher und hatte einen leichten Schlag in Richtung Legasthenie.“ – Der Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck räumt am 12. Januar ein, als Schüler eine Rechtschreibschwäche gehabt zu haben. Habeck thematisierte bei der „Wahlarena“ des „Mannheimer Morgen“ in Mannheim seine Schulzeit und persönliche Schwächen. © Kay Nietfeld/dpa
Wahlplakate in Wiesbaden - SPD
„Es gibt, glaube ich, keinen Kanzler in der Bundesrepublik, der sich so im Detail in Gesetze eingemischt hat, damit sie pragmatisch werden.“ – Olaf Scholz zieht am 13. Januar eine positive Bilanz seines Wirkens als Regierungschef. „Es sind unglaublich viele Entscheidungen getroffen worden, die ohne meine Intervention gar nicht zustande gekommen wären“, sagte er den NRW-Lokalradios. © Arne Dedert/dpa
Nach tödlichem Angriff in einem Park in Aschaffenburg
„Das Maß ist endgültig voll.“ – Unions-Kanzlerkandidat Merz am 23. Januar nach dem Messerangriff von Aschaffenburg auf eine Kindergartengruppe mit zwei Toten, den ein Geflüchteter aus Afghanistan begangen haben soll. © Daniel Vogl/dpa
Demo gegen Rechts - Berlin
„Ich gucke nicht rechts und nicht links. Ich gucke in diesen Fragen nur geradeaus.“ – Merz am 24. Januar bei der Ankündigung, für Anträge zur Verschärfung der Migrationspolitik im Bundestag auch eine Mehrheit mit AfD-Unterstützung zu tolerieren. Die Menschen sehen das kritisch und gehen auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demonstration zur Migrationspolitik - Berlin
„Die Brandmauer bröckelt.“ – Die AfD-Fraktion am 29. Januar im Online-Dienst X zur bisher geltenden Abgrenzung der CDU von der in Teilen als rechtsextremistisch eingestuften Partei, nachdem erstmals mit ihrer Hilfe ein Unionsantrag eine Mehrheit im Bundestag erhalten hat. © Sebastian Gollnow/dpa
209. Bundestagssitzung: Heidi Reichinnek, Linke
„Allen politischen Differenzen zum Trotz hätte ich mir niemals vorstellen können, dass eine christlich-demokratische Partei diesen Dammbruch vollzieht und mit Rechtsextremen paktiert.“ – Die Vorsitzende der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek, am 29. Januar im Bundestag in ihrer viral gegangenen Rede zum mit AfD-Stimmen verabschiedeten Unionsantrag. © Imago
Bundestag - Regierungserklärung
„Und deshalb, finde ich, kann ich ihm nicht mehr trauen.“ – Kanzler Olaf Scholz über das Verhalten von Friedrich Merz am 29. Januar 2025. Das sei „wahrscheinlich ein ganz bedeutender Tag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ gewesen, sagte Scholz in der ARD-Sendung „Maischberger“. Die Union habe einen Konsens aufgekündigt, den es die ganze Nachkriegsgeschichte über unter den Demokraten in Deutschland gegeben habe.  © Kay Nietfeld/dpa
Demonstration fuer die Brandmauer und gegen die CDU
„Für falsch halte ich es, (…) sehenden Auges erstmalig bei einer Abstimmung im Deutschen Bundestag eine Mehrheit mit den Stimmen der AfD zu ermöglichen.“ – Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert am 30. Januar das Vorgehen von Merz. © Matthias Gränzdörfer/Imago
Wahlkampf Grüne - Berlin
„Tun Sie es nicht, Herr Merz.“ – Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck appelliert am 28. Januar eindringlich an Unionsfraktionschef Friedrich Merz, keine gemeinsame Sache mit der AfD zu machen.  © Christoph Soeder/dpa
Sitzung, Bundestag, Plenum
„Das Tor zur Hölle können wir noch gemeinsam schließen.“ – SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich am 31. Januar in der Bundestagsdebatte über eine angekündigte Zustimmung der AfD auch zu einem Migrationsgesetz der Union. Dieses scheiterte aber letztlich auch an fehlender Unterstützung aus der Union. © Bernd Elmenthaler/Imago
Bundestag
„Ich bin mit mir persönlich sehr im Reinen, dass wir es wenigstens versucht haben.“ – Merz am 31. Januar nach dem Scheitern seines Gesetzentwurfs zur Verschärfung der Migrationspolitik im Bundestag, obwohl auch dieser von den AfD-Abgeordneten geschlossen unterstützt wurde. © Kay Nietfeld/dpa
Nach tödlichem Angriff in Aschaffenburg - Trauerfeier
„Diese Woche hat die Union klargemacht, dass es ihr ernst ist. Und damit ist die Glaubwürdigkeit auch eines neuen Bundeskanzlers Friedrich Merz enorm gestiegen.“ – CSU-Chef Markus Söder sieht am 2. Februar die Position der Union nach den umstrittenen Abstimmungen zur Migrationspolitik im Bundestag deutlich gestärkt.  © Daniel Vogl/dpa
Bundesparteitag der CDU - Friedrich Merz + Markus Söder
„Mit den Grünen ist kein Richtungswechsel und keine Koalition möglich.“ – CSU-Chef Markus Söder anlässlich des CDU-Parteitags am 3. Februar auf X. © Imago
Wahlkampf – ZDF-Livesendung "Schlagabtausch"
„Wie dumm kann man sein zu sagen, man macht Sanktionen, um Russland zu schaden. Am Ende schaden wir vor allem unserer Wirtschaft.“ – BSW-Chefin Sahra Wagenknecht am 6. Februar in einer ZDF-Wahlrunde zu ihrer Forderung nach einer Wiederaufnahme der Gaslieferungen aus Russland. © Christoph Soeder/dpa
Scholz und Merz im TV-Duell
„Wir können auf die FDP keine Rücksicht nehmen.“ – Merz am 7. Februar, nachdem er mögliche Wähler der in Umfragen weiterhin schwächelnden FDP aufgerufen hat, ihre Stimme der Union zu geben. © Kay Nietfeld/dpa
FDP Bundesparteitag
„33 oder 31 Prozent für die CDU machen keinen Unterschied, aber vier oder sechs Prozent für die FDP ändern maßgeblich das Gefüge in der Bundesrepublik.“ – FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner reagiert beim Sonderparteitag in Potsdam am 9. Februar auf die Aussage von Merz. © Michael Kappeler/dpa
Scholz und Merz im TV-Duell
„Was ist Bubatz?“ – Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz kann am 9. Februar mit dem Begriff „Bubatz“ nichts anfangen. Auf dem Live-Streaming-Portal Twitch antwortete Merz nach dem TV-Duell bei ARD und ZDF mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) auf die Frage, ob „Bubatz“ legal bleibe: „Bleibt was legal?“ Daraufhin entgegnete die Moderatorin: „Bubatz“. Merz’ Replik: „Was ist Bubatz?“ Die Moderatorin: „Gras.“ Merz sagte dann: „Also wenn Sie meinen, Cannabis, dann sage ich: Nein, wir wollen das wieder korrigieren.“ © Kay Nietfeld/dpa
Kundgebung "Brandmauer statt Brandstiftung"
„Friedrich Merz tritt an, Europa zu Grabe zu tragen“ – Kanzler Scholz am 11. Februar in der letzten Plenardebatte des Bundestags vor der Wahl mit Blick auf Merz’ Pläne, Geflüchtete an den Grenzen zu den EU-Nachbarn zurückzuweisen. © Fabian Sommer/dpa
TV-Runde im Bundestagswahlkampf
„Weil ich dieses animalische Grunzen der AfD-Fraktion voraussehen konnte, möchte ich einordnen, worüber wir reden, wenn wir Klimaschutz sagen.“ – Grünen-Spitzenkandidat Robert Habeck reagiert in einer Rede im Bundestag am 11. Februar auf Zwischenrufe der AfD, nachdem er den Klimaschutz als drängendste Aufgabe der Zukunft bezeichnet hat. © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag
„Wir werden möglicherweise miteinander reden müssen.“ – Unions-Kanzlerkandidat Merz wendet sich in seiner Plenarrede am 11. Februar im Bundestag an die SPD – und nimmt dabei eine mögliche Koalitionsoption für die Zeit nach der Wahl in den Blick. © Kay Nietfeld/dpa
ZDF-Sendung "Klartext"
„Wenn sich die Menschen zurückziehen, dann ist es vorbei mit Deutschland. (…) Demokratie ist kein Zuschauersport, es geht nur, wenn Menschen sich bei den Wahlen engagieren.“ – Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck am 13. Februar in der ZDF-Sendung „Klartext“ auf den Kommentar eines Zuschauers hin, der erklärt hatte, er wisse nicht mehr, was er wählen solle. © Michael Kappeler/dpa

Auch Klingbeil betonte, dass seine Partei angesichts der internationalen Herausforderungen bereit sein müsse, schnell Verantwortung zu übernehmen. Das könne man, wie Klingbeil betonte, jedoch nicht nur in einer Regierung, sondern auch in der Opposition. Da die SPD für die Union jedoch neben der AfD die größten Chancen auf eine Parlamentsmehrheit bringt, sollte die SPD durchaus Interesse an Gesprächen zeigen. Wie sich die von Klingbeil geplanten Neuaufstellungen – neben personeller auch organisatorischer und programmatischer Natur – auf diese Gespräche auswirken, könnte den Ausgang von Koalitionsverhandlungen jedoch ebenfalls beeinflussen. (saka mit dpa/AFP)

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