„Eigene Version geschildert“

Nach Wagner-Aufstand: Putin traf sich nur wenige Tage nach Meuterei mit Prigoschin

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Wladimir Putin (l.) gegen Jewgeni Prigoschin (r.): Russlands Präsident kann den Wagner-Chef nicht so einfach töten und diskreditiert ihn.
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Nur Tage nach dem Aufstand gegen Putin traf sich Wagner-Chef Prigoschin offenbar mit Russlands Staatschef. Mit dabei waren dutzende seiner Kommandeure.

Moskau – Der Chef der russischen Söldner-Truppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, versuchte am 24. Juni, in einem kurzlebigen Aufstand nach Moskau zu marschieren. Nach dem Ende der Meuterei hieß es, er werde nach Belarus ins Exil geschickt. Kreml-Chef Wladimir Putin sprach von „Verrat“. Nun stellte sich aber heraus: Trotz der Meuterei hat der russische Präsident den Söldner-Chef im Kreml empfangen.

Putin traf Prigoschin im Kreml: Peskow bestätigt Bericht aus Frankreich

Das Treffen zwischen Putin und Prigoschin fand nur wenige Tage nach dem Aufstand am 29. Juli statt, wie der Kreml-Sprecher Dmitry Peskow laut der staatlichen Agentur Tass auf einer Pressekonferenz mitteilte. Zuvor hatte die französische Zeitung Liberation unter Berufung auf westliche Geheimdienstquellen berichtet, es habe ein Treffen zwischen den beiden gegeben. Peskow bestätigte die Informationen der französischen Publikation.

„Der Präsident hatte ein derartiges Treffen und er hat 35 Menschen eingeladen“, zitierte Tass den Kreml-Sprecher. Neben Prigoschin seien auch weitere Wagner-Kommandeure der einzelnen Einheiten und die Geschäftsleitung von Wagner anwesend gewesen. Das Gespräch zwischen Putin und den Wagner-Vertretern hat Peskow zufolge etwa drei Stunden gedauert.

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Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

„Putin gab seine Einschätzung ab“: Wagner-Kommandeure seien „treu“ gegenüber Kreml-Chef

Über das Treffen wollte Peskow nicht allzu viele Details preisgeben. „Das Einzige, was wir aber sagen können ist, dass der Präsident eine Einschätzung über die Aktionen von Wagner an der Front während der militärischen Spezialoperation und der Ereignisse vom 24. Juni abgegeben hat“, betonte er.

Darüber hinaus habe Putin den Erklärungen der Wagner-Kommandeure zugehört und ihnen neue „Arbeitsmöglichkeiten sowie Möglichkeiten zum weiteren militärischen Dienst in der Schlacht“ angeboten. Dem Kreml-Sprecher zufolge haben die Vertreter von Wagner - offenbar auch Prigoschin - „ihre eigene Version vom 24. Juni geschildert“. Dabei hätten sie auch betont, dass sie „treue Unterstützer“ des russischen Militärs sowie des „Oberbefehlshabers“ Putin seien. „Sie haben außerdem unterstrichen, dass sie bereit sind, weiterhin für das Mutterland zu kämpfen“, erklärte Peskow.

Am 24. Juni hatte Wagner-Chef Prigoschin behauptet, das russische Militär habe ein Wagner-Lager beschossen und dutzende seiner Kämpfer getötet. Er sprach im Rahmen seiner Meuterei, die er daraufhin startete, von einem „Marsch der Gerechtigkeit“ und zielte darauf ab, die militärische Führung Russland abzusetzen. Nach einer Vermittlung des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko endete der Aufstand von Wagner, bei der russische Helikopter abgeschossen wurden, nach nur eineinhalb Tagen. (bb)

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