„Es war ein verlorenes Jahr“

„Binnen Tagen verbraucht“: Eklatanter Munitionsmangel in der Nato? Bestände werfen Fragen auf

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Um Deutschlands Munitionsbestände könnte es schlecht bestellt sein. Die Nato plane deshalb wohl eine Bestandsaufnahme der Mitgliedsstaaten.
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Die Munitionsbestände einiger Länder überstünden im Kriegsfall wohl nur wenige Tage, meinen Experten. Die Nato plane deshalb nun eine Bestandsaufnahme.

Brüssel – Käme es zum Kriegsfall, sähe es um die Munitionsbestände der Nato-Mitgliedsstaaten schlecht aus, so eine Experteneinschätzung. Angesichts des andauernden Ukraine-Kriegs wäre dies ein heikler Zustand.

Munitionsmangel in der Nato? Wie viel wo lagert, ist streng vertraulich

Wie viel Munition die einzelnen Mitgliedsstaaten jeweils genau besitzen, ist streng vertraulich. Experten schätzen jedoch, dass die Lager – sollte das Land in Kriegszustand kommen – nach wenigen Tagen leer sein würde, so ntv unter Berufung auf Sicherheitskreise. Das Thema wird wohl auch beim Treffer der Verteidigungsminister der Nato-Bündnisstaaten am 14. bis 15. Februar auf den Tisch kommen.

Jedes der Mitgliedsländer hätte ein individuell auferlegtes Ziel, was die eigenen Munitionsbestände angeht. Schon vor Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine sollen diese Ziele von den meisten Staaten nicht erfüllt gewesen sein. Gemessen an den Vorgaben der Nato hätte allein Deutschlands Munitionsbestand ein Defizit von 20 Milliarden Euro.

„Munition binnen Tagen verbraucht“ – Europas Munitionslager wirft Fragen auf

Das Bundesverteidigungsministerium äußerte sich bislang noch nicht in der Debatte. Ein europäischer Diplomat, erklärte jedoch: „Sollte Europa gegen Russland kämpfen müssen, würden einige Länder binnen Tagen ihre Munition verbraucht haben“, so ntv. Laut einem weiteren anonymen Hinweisgeber wolle die Nato daher eine Bestandsaufnahme vornehmen lassen.

„Es war ein verlorenes Jahr“, meinte die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, zuletzt im Bundestag. In ihren Augen hätte zeitgleich zum Beschluss, Waffen und Ausrüstung an die Ukraine zu liefern, Nachbestellungen vorgenommen werden müssen. „Es ist sehr, sehr, sehr ärgerlich, dass das nicht passiert ist und dass es erst jetzt gemacht wird, obwohl wir schon im Monat 12 sind“, so die FDP-Politikerin.

„Entscheidend ist, dass das Geld bereitgestellt wird.“ - FDP-Politikerin fordert mehr Geld für Munition

Die Bundeswehr bekam Ende letzten Jahres ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Die Kategorie „Munition“ ist darin jedoch nicht vorgesehen. Strack-Zimmermann forderte deshalb, dass Geld aus dem laufenden Haushalt zur Verfügung gestellt wird: „Entscheidend ist, dass das Geld bereitgestellt wird.“

Die Rüstungsindustrie beschwert sich aktuell über ausbleibende Aufträge aus dem Sondervermögenspaket. Die FDP-Politkerin forderte deshalb, zeitnah konkrete und verlässliche Aufträge an die Unternehmen zu stellen: „Nur so können die Unternehmen ihre Kapazität entsprechend hochfahren“, so Strack-Zimmermann. (mlh)

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