Nachfolger für Franziskus: Kardinal aus Guinea ist der Wunsch-Papst der Rechten
VonTadhg Nagel
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Papst Franziskus ist tot. Konservative Katholiken sehen nun ihre Chance: Hardliner Kardinal Sarah soll kirchliche Reformen stoppen.
Rom – Als erster Papst aus Lateinamerika hatte Franziskus deutliche Akzente gesetzt. Seine Amtszeit war von Reformwillen und einem neuen Stil der Nähe geprägt – mit einem Schwerpunkt auf soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und mehr Teilhabe innerhalb der Kirche. Nach seinem Dahinscheiden wittern konservative Katholiken jetzt eine Chance. Ihr Favorit, der aus Guinea stammende Kardinal Robert Sarah, gilt als Hardliner. Sollte er vom Kardinalskollegium zum neuen Oberhaupt der katholischen Kirche bestimmt werden, wäre die Zeit der Reformen vorüber.
Im Gegensatz zu Papst Franziskus, der oft progressive Positionen zu sozialer Gerechtigkeit und Inklusion vertrat, steht Sarah für eine völlig andere Vision, die in dogmatischer Rigidität und kulturellem Konservatismus verwurzelt ist. Er ist bekannt für seine entschiedene Ablehnung der liberalen Theologie, der Gleichstellungspolitik und des seiner Meinung nach durch den westlichen Säkularismus hervorgerufenen moralischen Verfalls. Ähnliche Positionen vertritt auch Trump-Vize JD Vance, der erst 2019 zum Katholizismus konvertierte. Auch das Trump-Lager hoff nach dem Tod von Papst Franziskus auf mehr Einfluss im Vatikan.
Nach Franziskus’ Tod: Konservative Katholiken hoffen auf Kehrtwende bei Papst-Nachfolger
Robert Sarah zufolge untergraben Abtreibungen, Pornografie und eine Gleichstellung der Geschlechter die christlichen Grundlagen der westlichen Zivilisation. Insbesondere die Einschränkung der traditionellen lateinischen Messe und die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare lehnt er ab, wie die Hinduistan Times schreibt.
Zuletzt erlangte er durch seine Ablehnung der vatikanischen Erklärung „Fiducia supplicans“ zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare im Jahr 2024 die öffentliche Aufmerksamkeit. Damit stelle er sich nicht gegen Papst Franziskus, sondern „entschieden und radikal gegen eine Häresie“, also einer von der Kirchenmeinung abweichende Lehre, betonte Robert Sarah laut dem Portal Katholisch.de in einem Aufsatz.
Treuen Christen sei es unmöglich, solche „unmenschliche Ideologien zu akzeptieren, die von einem entchristlichten und dekadenten Westen gefördert werden“. Die Erklärung behaupte, dass ein Segen für gute, wahre und menschliche Elemente in Beziehungen gespendet werden könne. Gelebte Homosexualität sei aber „intrinsisch gestört“ und kein Ausdruck „echter emotionaler und sexueller Komplementarität“.
Konservative US-Katholiken wollen Kardinal aus Guinea als Nachfolger von Papst Franziskus
Doch Sarah warnt nicht nur vor einem „moralischen Verfall“ des Westens, sondern auch vor dem islamischen Fundamentalismus. Diesen bezeichnete er im Jahr 2015 laut der Catholic News Agency als eines von zwei „apokalyptischen Ungeheuern“. Es sei seine „Pflicht, den Westen zu warnen! Die Barbaren sind bereits in der Stadt. Die Barbaren sind all diejenigen, die die menschliche Natur hassen, all diejenigen, die das Gefühl für das Heilige mit Füßen treten, all diejenigen, die das Leben nicht wertschätzen, all diejenigen, die gegen Gott, den Schöpfer des Menschen und der Natur, rebellieren“, so der Kardinal damals. Der Westen sei unfähig zu handeln, da er von „Wissenschaft, Technologie und der Gier nach Reichtum“ geblendet sei.
Diese Einstellungen machen den Geistlichen aus Guinea zum Wunschkandidaten konservativer Katholiken, allen voran den US-amerikanischen. Bereits im Jahr 2020 sprach sich der Schriftsteller Michael Warren Davis laut dem US-Portal Newsweek dafür aus, dass der Kardinal aus Guinea wegen seiner tiefen Verehrung für Tradition und Liturgie der ideale Nachfolger für Papst Franziskus sei.
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Rechte US-Katholiken pushen Kardinal Sarah als Nachfolger von Papst Franziskus
Jetzt, nach Franziskus‘ Ableben, ist dieser Wunsch in den sozialen Medien erneut aufgeflammt. Joey Mannarino, ein konservativer politischer Kommentator und Unterstützer von US-Präsident Donald Trump, schrieb am Montag (21. April) auf X: „‚Diejenigen, die die Bibel benutzen, um Masseneinwanderung zu rechtfertigen, sind verzaubert.‘ ‚Die Gender-Ideologie ist eine luziferische Weigerung, die sexuelle Natur von Gott anzunehmen.‘ Beide Zitate stammen von Kardinal Robert Sarah aus Guinea. Machen Sie ihn zum nächsten Papst!“.
Der rechtsgerichtete Journalist Nick Sortor schrieb ebenfalls auf X: „WOW! Einer der Spitzenkandidaten für das Papstamt, Kardinal Robert Sarah, ist ein Hardliner gegen Masseneinwanderung. Das ist bedeutend!“
Trotz dieser Unterstützung aus rechten US-Kreisen scheint es aber unwahrscheinlich, dass Kardinal Robert Sarah der nächste Papst wird. Online-Wettmärkte, die in den USA als wichtige Stimmungs-Indikatoren gelten, zählen den Kardinal aus Guinea derzeit nicht zu den Favoriten. Polymarket gibt ihm nur eine Chance von zwei Prozent, während OLBG die implizite Wahrscheinlichkeit auf etwa 11,1 Prozent schätzt. Damit liegt er deutlich hinter anderen prominenten Kandidaten wie Kardinal Pietro Parolin und Kardinal Luis Antonio Tagle. (tpn)