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Ein trauriger Hochpunkt im Ukraine-Krieg stellten die Bilder aus dem Ort Butscha nahe Kiew dar. Vor einem Jahr gingen sie um die Welt. Die Ukraine erinnert.
Kiew - Ein kleiner Ort nahe Kiew, wurde rund einen Monat nach dem russischen Überfall auf die Ukraine zum Sinnbild für Kriegsverbrechen und Gräuel. In Butscha, einem Ort rund 25 Kilometer vor ukrainischen Hauptstadt lebten vor Kriegsbeginn rund 35.000 Menschen, während der Schlacht um Kiew wurde der Ort fast einen Monat lang von Russland besetzt.
Nach dem Abzug der moskautreuen Truppen wurden 1137 Leichen in dem Bezirk Butscha gefunden, wie die Regierung der Ukraine ein Jahr nach dem Massaker auf ihrer Internetseite schreibt. 461 Getötete wurden direkt im Ort Butscha gefunden. Die Bilder von den Getöteten sorgten in der ganzen Welt für Entsetzen.
„Russischer Frieden“: 9000 Kriegsverbrechen alleine im Bezirk Butscha
„Soldaten haben unbewaffnete Männer im wehrfähigen Alter befragt und exekutiert und sie haben Menschen getötet, die ihnen unabsichtlich in den Weg kamen - seien es Kinder, die mit ihren Familien flüchteten, Anwohner auf der Suche nach Lebensmitteln, oder Menschen, die einfach nur versuchten, auf ihren Fahrrädern nach Hause zu fahren“, schrieb die New York Times zu den Verbrechen von Butscha im Dezember 2022. Die US-Tageszeitung hatte zuvor monatelang zu den Geschehnissen recherchiert.
„Nach der Befreiung entdeckten wir Massenbestattungen mit verstümmelten Körpern von Männern, Frauen und Kindern. Folter, Mord, sexuelle Gewalt. Das ist das wahre Gesicht des „Russischen Friedens“ und des Regimes der Russischen Föderation, das auf völliger Missachtung der Grundsätze der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts beruht“, sagte der ukrainische Justizminister Andriy Kostin bei einem Besuch der Stadt im Februar (2023).
In der Zeit der russischen Besatzung soll es mehr als 9.000 Kriegsverbrechen im Bezirk Butscha gegeben haben, wie es in der zugehörigen Stellungnahme der ukrainischen Staatsanwaltschaft heißt. Bisher sollen 91 mutmaßliche Täter identifiziert worden sein, heißt es weiter.
Jahrestag von Butscha: „Schlimmstes Kriegserlebnis“ für Präsident Selenskyj
Zum Jahrestag des Massakers von Butscha reiste der ukrainische Staatschef, Wolodymyr Selenskyj, nach Butscha. Die Gräuel in dem Vorort von Kiew, bezeichnet der Präsident als sein persönlich „schlimmstes Kriegserlebnis“.
Ereignisse, die man sich im 21. Jahrhundert nicht vorstellen konnte, wurden in den Vororten von Kiew, Butscha und Irpin, zur Realität.
Die ukrainische Post hat zum Jahrestag eine Sonderbriefmarke unter dem Motto „Kein Vergeben! Kein Vergessen!“ herausgebracht. Darauf zu sehen ist ein zerstörter russischer Militärkonvoi in Butscha.
Russland im Ukraine-Krieg: Beweislast erdrückend
Die Beweise gegen Russland, sind erdrückend. Auch aus Sicht von Menschenrechtlern, wie die dpa schreibt. Zum Jahrestag von Butscha hat die russische Föderation einmal mehr, die Vorwürfe zurückgewiesen. Es habe sich um eine Inszenierung gehandelt, um eine diplomatische Lösung des Konflikts zu verhindern, schreibt die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, in einer Stellungnahme.
Für die Verbrechen in Butscha gibt es „viele Beweismittel“, so die Einschätzung des deutschen Oberstaatsanwaltes Klaus Hoffmann, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland RND. Hoffmann reiste als Mitglied einer internationalen Expertengruppe immer wieder selbst in die Ukraine. Zuletzt wurde wegen mutmaßlichen Kriegsverbrechen auch ein internationaler Haftbefehl gegen Wladimir Putin erlassen. (Lucas Maier)
Rubriklistenbild: © Hintergrund: Ukrainian Presidential Press Office/dpa; Vordergrund: Vadim Ghirda/Valeria Ferraro/dpa

