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Wladimir Putin solle sich um Finnland kümmern, heißt es im russischen Staats-TV. „Wir müssen das Brudervolk befreien“, fordern Gäste.
Moskau – Schon wieder hat das russische Staats-TV einen Eklat geliefert: Fernsehkommentatoren diskutierten im Programm „60 Minuten“, ob Moskaus Militär Finnland „befreien“ sollte. Hintergrund: Das skandinavische Land steht kurz vor einem Nato-Beitritt.
Gast Dimitri Absalow bezeichnete die Situation in Finnland als „chaotisch“ und „bereits außerhalb unserer Kontrolle“. Rossija-1-Moderatorin Olga Skabejewa sagte jedoch, dass Finnland „unser historisches Land“ sei und forderte Russland auf, gegen die drohende Nato-Mitgliedschaft Finnlands vorzugehen. „Wir müssen das Brudervolk der Finnen befreien“, sagte sie - kurz vor der Parlamentswahl in Finnland.
Russisches Staats-TV: Putin soll „Finnland befreien“
Die Idee stieß auf Widerstand bei Absalow. Er betonte, dass sich russische Streitkräfte auf die laufende Invasion konzentrieren sollten, die in den letzten Monaten ins Stocken geraten war. Russland muss in der Ukraine nach wie vor Verluste verzeichnen. „Lassen Sie uns zunächst alles andere befreien und dann uns mit dem Brudervolk der Finnen befassen“, sagte Absalow und zweifelte daran, dass eine „Befreiung“ Finnlands in unserer Zeit „zustande kommen“ würde.
Unterdessen kommt Finnland einer Nato-Mitgliedschaft immer näher. So hatte das türkische Parlament am vergangenen Donnerstag für Finnlands Nato-Mitgliedschaft gestimmt. Somit hat Helsinki die letzte Hürde überwunden, der neueste Staat im Bunde des Militärbündnisses zu werden. Das bedeutet gleichzeitig einen schweren Schlag für Russlands Präsident Wladimir Putin.
Finnland-Mitgliedschaft würde Nato näher an Russlands Grenzen bringen
Putins Bedenken hinsichtlich der Ost-Erweiterung des Militärbündnisses waren in den Monaten vor seinem Krieg gegen die Ukraine eines der wichtigsten Themen der internationalen Beziehungen. Finnlands Mitgliedschaft würde die Nato näher an Russlands Grenzen bringen. Beide Staaten teilen sich eine gemeinsame nördliche Grenze.
Jahrzehntelang hatten Finnland und Schweden auf eine Mitgliedschaft in der Nato verzichtet, sich aber nach Putins „militärischer Spezial-Operation“ in der Ukraine im Februar offiziell um einen Beitritt bemüht. Die Mitgliedschaft der beiden Länder verzögerte sich jedoch mehrere Monate, da die Türkei Einwände gegen ihre Beziehungen zu kurdischen Gruppen in Syrien hatte, die sie als terroristische Organisationen einstuft.
Während Finnland auf dem Weg zur Mitgliedschaft voranschreitet, hat sich der Beitritt Schwedens weiterhin verzögert. (mse)
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