Die Türkei sieht die Zusagen, die Schweden im Zusammenhang mit dem angestrebten Nato-Beitritt gemacht hat, nicht ausreichend umgesetzt.
Ankara in der Türkei - Der türkische Justizminister Bekir Bozdag nannte die bisherigen, von Ankara geforderten Auslieferungen "unzureichend". "Wenn sie denken, sie können uns durch die Auslieferung gewöhnlicher Krimineller an die Türkei glauben machen, dass sie ihre Versprechen erfüllt haben, liegen sie falsch", sagte Bozdag am Donnerstag der türkischen Tageszeitung "Milliyet". Schweden müsse "viel mehr tun", um Ankaras Vertrauen zu gewinnen. "Niemand sollte die Türkei auf die Probe stellen", fügte er hinzu.
Die Türkei hatte mit einer Blockade des angestrebten Nato-Beitritts von Schweden und Finnland gedroht. Ankara begründete dies mit der angeblichen schwedischen und finnischen Unterstützung von "Terrororganisationen" - gemeint sind damit vor allem Anhänger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, den Erdogan für den Putschversuch von 2016 in der Türkei verantwortlich macht. In einem Abkommen einigten sich die drei Seiten dann unter anderem auf die Auslieferung von türkischen Staatsangehörigen an die Türkei.
Schweden hatte vergangene Woche die erste Abschiebung eines türkischen Staatsbürgers seit dem Streit mit der Türkei angekündigt. Der Mann heißt laut schwedischen Gerichtsdokumenten Okan Kale und wurde in der Türkei 2013 und 2016 wegen Kreditkartenbetrugs verurteilt. Schwedens Ministerpräsidentin Magdalena Andersson hatte während des Besuchs von Bundeskanzler Olaf Scholz am Dienstag in Stockholm angekündigt, ihr Land werde die von der Türkei geforderten Auslieferungen fortsetzen.
Schweden und Finnland wollen am 26. August ihre ersten offiziellen Konsultationen mit der Türkei über den Streit abhalten. Eine offizielle Ankündigung gibt es aber bislang nicht. kh/cp