Kurz vor dem Nato-Gipfel beginnt die Diskussion um die Nachfolge Stoltenbergs
VonMarie Ries
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Der Nato-Generalsekretär Stoltenberg will sein Amt im Herbst abgeben. Seine Nachfolge wird bereits viel debattiert.
Washington, D.C. – Fast neun Jahre steht Jens Stoltenberg schon als Generalsekretär an der Spitze der Nato. Die Amtszeit des norwegischen Politikers war zuletzt wegen des russischen Kriegs in der Ukraine verlängert worden, läuft aber im September 2023 aus. Wer seinen Posten übernehmen wird, ist noch unklar – aber über die Nachfolge wird schon längst gesprochen.
Nachfolge Stoltenbergs: Schon beim Nato-Gipfel in Vilnius könnte eine Entscheidung fallen
Eine mögliche Option ist die Ministerpräsidentin von Dänemark, Mette Frederiksen. Sie besuchte am 5. Juni das Weiße Haus in Washington D.C. „Krönt US-Präsident Biden Frederiksen zur Nato-Generalsekretärin?“, hieß es in den dänischen Medien. Nach dem Termin gilt Frederiksen nun als Top-Kandidatin.
Frederiksen ist 45 Jahre alt und gehört der sozialdemokratischen Partei Dänemarks an. Seit 2019 ist sie Regierungschefin des skandinavischen Landes. Mit der Zustimmung des US-Präsidenten könnte sie schon beim nahenden Nato-Gipfel am 11. und 12. Juli in der Hauptstadt Litauens zu Stoltenbergs Nachfolgerin bestimmt werden.
Schon lange wird über eine Frau im Amt nachgedacht, das bisher stets von Männern ausgefüllt wurde. Auch die estnische Premierministerin Kaja Kallas wird als aussichtsreiche Kandidatin gehandelt. Die britische Zeitung The Sun berichtete zudem über eine mögliche Kandidatur von Ursula von der Leyen. Die frühere deutsche Verteidigungsministerin widersprach diesen Berichten jedoch. Laut Insider-Angaben habe von der Leyen vermutlich ein größeres Interesse daran, an der Spitze der mächtigen EU-Kommission zu bleiben, wie die Presseagentur AFP schreibt.
Auch den Regierungschefs der Niederlande und Spaniens sowie dem Verteidigungsminister Großbritanniens, Ben Wallace, werden große Ambitionen nachgesagt.
Wallace hat bereits Mitte Mai seinen Hut für eine Nachfolge als Nato-Generalsekretär in den Ring geworfen. „Ich habe immer gesagt, dass dies eine gute Aufgabe ist. Das ist ein Job, den ich mögen würde“, sagte Wallace der Deutschen Presse-Agentur nach einem Treffen mit seinem Amtskollegen Boris Pistorius in Berlin. Wallace gilt jedoch als wenig chancenreich. Dessen Land dürfe nicht für den Brexit belohnt werden, heißt es aus EU-Staaten in der Nato.
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Diskussion um Amt des Generalsekretärs: Verständigung der europäischen Nato-Mitglieder gefragt
Für die Benennung von Stoltenbergs Nachfolge müssen sich die europäischen Mitglieder der Nato verständigen. Nach den ungeschriebenen Regeln des transatlantischen Bündnisses haben sie Anspruch auf das Amt. Die USA stellen traditionell den Oberbefehlshaber. Seit dem Sommer 2022 hat Vier-Sterne-General Christopher Cavoli diesen Posten inne.
Diplomaten schließen nicht aus, dass Stoltenberg um ein weiteres Jahr als Generalsekretär gebeten wird. Gerüchte um eine erneute Verlängerung seiner Amtszeit wies der 64-Norweger im Februar jedoch zurück. (mit AFP und dpa)