Tausende deutsche Soldaten involviert

Bundeswehr gefordert: Nato-Plan gegen mögliche Putin-Gefahr enthüllt - Was er für Deutschland bedeutet

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Teil der Nato Response Force (NRF): Die Bundeswehr-Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ (Foto) wird 2023 der Leitverband für die schnelle Eingreiftruppe der Nato.
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Die Nato will ihre schnelle Eingreiftruppe als Reaktion auf den Russland-Ukraine-Krieg auf über 300.000 Soldaten erhöhen. Auch die Bundeswehr stellt ein großes Kontingent. Doch damit nicht genug.

München/Berlin/Brüssel - Es ist eine spektakuläre Zahl: Das transatlantische Verteidigungsbündnis Nato will seine schnelle Eingreiftruppe als Antwort auf den russischen Überfall auf die Ukraine immens ausbauen – und zwar um fast das Achtfache der bisherigen Truppenstärke. Das kündigte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Montag (27. Juni) an.

Reaktion auf Russland-Ukraine-Krieg: Schnelle Eingreiftruppe der Nato wird drastisch ausgebaut

So soll die sogenannte Nato Response Force (NRF) künftig rund 300.000 Soldatinnen und Soldaten umfassen - statt bislang 40.000. „Unser neues Konzept wird uns in einer Ära des Wettbewerbs leiten. Ich erwarte, dass es klarmacht, dass das Bündnis Russland als die größte und direkteste Bedrohung unserer Sicherheit sieht“, erklärte Stoltenberg. Der Norweger kündigte „die größte Generalüberholung seit dem Ende des Kalten Krieges“ an.

Nachdem die Nato die skandinavischen Länder Schweden und Finnland als weitere Mitglieder aufnehmen will, ist dies die nächste Reaktion auf die internationale Aggression durch Moskau-Machthaber Wladimir Putin und dessen innersten Zirkel im Kreml. Der angedachte Ausbau der NRF hat freilich auch für die Bundeswehr und Deutschland erhebliche Auswirkungen. Merkur.de erklärt, was die Nato-Pläne für die Bundesrepublik und ihre Streitkräfte bedeuten:

Schnelle Eingreiftruppe der Nato: Bundeswehr stellt großes Kontingent

  • Kontingent der Bundeswehr in der Nato Response Force: Die NRF hat eine „Very High Readiness Joint Task Force“ (VJTF). Verschiedene Mitgliedstaaten stellen jährlich die sogenannte Speerspitze in Brigadestärke von bis zu 5000 Soldatinnen und Soldaten, die innerhalb weniger Tage überall hin ins Bündnisgebiet verlegt werden können.
  • Just im kommenden Jahr ist Deutschland verantwortlich für die VJTF. Heißt: Die Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ wird 2023 der Leitverband für die schnelle Eingreiftruppe. Insgesamt wird die Bundeswehr 15.000 der insgesamt 300.000 Soldaten der künftigen NRF-Truppenstärke stellen - so die Pläne.

Im Video: Kompakt - Die wichtigsten News zum Russland-Ukraine-Krieg

Nato Response Force (NRF): Deutsche Bundeswehr leitet in Litauen multinationalen Kampfverband

  • Nato-Battlegroup Litauen: Deutschland hat aktuell bereits die Führung über die sogenannte Battlegroup „Enhanced Forward Presence“ in Litauen. Konkret: Die Bundeswehr stellt etwa 1100 von insgesamt 1600 Soldatinnen und Soldaten in Rukla - unweit der Grenze zu Russlands Putin-Partner Belarus.
  • Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte Anfang Juni der Regierung in Vilnius zugesichert, das Bundeswehr-Kontingent in dem baltischen Land aufzustocken. Wie Nato-Generalsekretär Stoltenberg erklärte, wird Deutschland sein Kontingent verdoppeln. Die Bundeswehr soll hier letztlich einen multinationalen Gefechtsverband von bis zu 5000 Männern und Frauen leiten.
  • Bislang gibt es vier multinationale Battlegroups in Estland (Leitung Großbritannien), Lettland (Kanada), Litauen (Deutschland) sowie in Polen (USA). Künftig wird diese dauerhafte Truppenpräsenz auf die Slowakei, Rumänien und Ungarn sowie auf Bulgarien ausgedehnt.

Reaktion auf Russland-Ukraine-Krieg: Deutsche Bundeswehr organisiert Verbände neu

  • Große Kampfverbände der Bundeswehr: Der Inspekteur des Heeres, Alfons Mais, hatte seinen Soldatinnen und Soldaten bereits in einem internen Schreiben über eine Generalüberholung der Organisationsstruktur informiert. Aus dem Schreiben zitierte die Bild.
  • Mais‘ Ziel für das Heer sei eine sogenannte Kaltstartfähigkeit. Heißt: Großverbände mit Brigaden von circa 5000 Soldatinnen und Soldaten sollen binnen kurzer Zeit einsatzbereit sein. Das Heer soll ferner ab 2025 über eine voll ausgestattete Division unter Anleitung der 10. Panzerdivision verfügen. Bereits nach dem Beginn des Russland-Ukraine-Kriegs hatte die Ampel-Bundesregierung die Aufstellung einer dritten Panzerdivision angekündigt. Die beiden bisherigen Panzerdivisionen haben als Kampfverband jeweils eine Truppenstärke von bis zu 18.000 Mann.

Das wäre für 300.000 Mann eine steile Vorlage.

Militärexperte Gustav Gressel

Nato Response Force (NRF): Multinationale Truppen werden in Deutschland stationiert

  • Stationierung von Nato-Truppen in Deutschland: Die Logistik wird eine knifflige Aufgabe. „Da werden wir in der Bewertung nochmal abwarten müssen, wie man sich das vorstellt. Es hieß ja, die schnelle Eingreiftruppe müsse binnen 30 Tagen einsatzbereit sein. Das wäre für 300.000 Mann eine steile Vorlage“, meinte Militärexperte Gustav Gressel vom European Council of Foreign Relations im Gespräch mit dem „heute journal“ des ZDF. Ein Problem sei, „so schnell so viele Leute einsatzbereit zu machen“.
  • Als gesichert gilt: Teile der Nato-Truppen werden auch in Deutschland stationiert sein. Laut Welt wird zum Beispiel der Großteil der Battlegroup Litauen hierzulande üben. Nato-Diplomaten führen vorwiegend finanzielle Gründe auf. Die Stationierung einer vollen Brigade an der Ostflanke würde demnach immense Kosten verursachen. Dies erfordert in der Konsequenz Truppenübungsplätze auf deutschem Boden. Auch die Akzeptanz der Bürger wird gefragt sein. Ein Beispiel: Im württembergischen Zollernalbkreis rund 70 Kilometer südlich von Stuttgart wehren sich die Menschen vehement gegen ein geplantes KSK-Absprunggelände der Bundeswehr.
  • Damit nicht genug: Ein neues „Territoriales Führungskommando“ der Bundeswehr soll künftig den Transport alliierter Kräfte durch Deutschland hindurch organisieren.

(pm)

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