Merkur-Kommentar

Schwedens Nato-Beitritt: Erdogans Schwäche ist die Chance 

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan blockierte bisher die Aufnahme von Schweden in die Nato. Seine aktuelle Schwäche könnte eine Chance für das Militärbündnis sein.

Der türkische Präsident stellte sich bisher gegen eine Aufnahme von Schweden in die Nato. Innenpolitische Probleme könnten Erdogan zum Umdenken anregen. Ein Kommentar von Sebastian Horsch.

München – Wenn voraussichtlich im Mai in der Türkei gewählt wird, steht für Recep Tayyip Erdogan viel auf dem Spiel. Der machtbewusste türkische Präsident ist in einer so schwachen Position wie vielleicht noch nie. Er, der einmal für den wirtschaftlichen Aufstieg stand, ist nun das Gesicht einer verheerenden Wirtschaftskrise. Inflationsraten von mehr als 80 Prozent verbrennen den Wohlstand vieler Türken im Zeitraffer. Dazu kommt das Versagen des türkischen Staats bei der Hilfe nach dem katastrophalen Erdbeben. „Wie jeder Sterbliche“, sei auch seine Regierung nicht frei von Fehlern, gab sich der sonst so selbstbewusste Herrscher gestern demütig.

Schweden vor Nato-Beitritt: Erdogans Schwäche ist die Chance

Für die Nato liegt in Erdogans Schwäche hingegen die Chance, dessen Widerstand gegen den Beitritt Schwedens in das Verteidigungsbündnis aufzulösen. Attestiert er den Schweden, seiner Forderung nachgekommen zu sein, härter gegen die kurdische PKK vorzugehen, wäre das für den türkischen Präsidenten ein dringend benötigter politischer Sieg, der ihn zu Hause stark aussehen ließe. In Stockholm scheint man bereit, ihm diese Brücke zu bauen. An einer längeren Hängepartie könnte hingegen auch Erdogan das Interesse verloren haben. Denn schon im Sommer wäre es für ihn womöglich zu spät.

Ein Kommentar von Sebastian Horsch

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