Ukraine-Krieg

Putin-Propagandist: Einsatz taktischer Atomwaffen gegen Nato „unvermeidbar“

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Weil Nato-Staaten die Ukraine mit Waffen zur Verteidigung beliefern, hält der russische TV-Propagandist Wladimir Solowjow den Einsatz von Nuklearwaffen für notwendig.

Moskau – Der russische TV-Propagandist Wladimir Solowjow hat zum wiederholten Mal in seiner Talkshow im russischen Sender Rossija 1 den Einsatz von taktischen Nuklearwaffen gegen Nato-Staaten und die Ukraine gefordert. Als triftigen Grund, der für den Moderator den Einsatz der gefährlichen Waffen rechtfertigt, nennt Solowjow die Lieferungen von Waffen, Munition und Ausrüstung, mit denen der Westen im Ukraine-Krieg Position bezieht.

In seinem Monolog schlug er etwa Angriffe auf die Überquerungen des größten ukrainischen Stroms Dnepr vor, auf Bahnlinien aus westlichen Nachbarländern, über die westliche Hilflieferungen in die Ukraine gebracht werden und auf die Stadt Boryspil, 30 Kilometer von Kiew, an deren Rand der Flughafen Kiew liegt. Den entsprechenden Ausschnitt der Sendung postete der ukrainische Ministerberater Anton Gerashchenko mit englischen Untertiteln versehen auf Twitter.

Kreml-Propagandist Solowjow zählt zu den lautesten Kriegsbefürwortern in Russland. (Symbolfoto)

Ukraine-Krieg: Russischer Moderator fordert Angriffe auf Polen, Slowakei und Deutschland

Zusätzlich zu den Schlägen auf die Ukraine sei es für Solowjow auch „unvermeidbar“, taktische Nuklearwaffen auch gegen Orte einzusetzen, wo Militärhilfen für die Ukraine vor der Lieferung gelagert oder ukrainische Soldaten trainiert würden, selbst wenn diese im Nato-Raum lägen. Als Beispiele für Länder, auf die ein Angriff Solowjows Einschätzung nach gerechtfertigt wäre, zählen Polen, die Slowakei und auch Deutschland.

Für Solowjow ist es nicht das erste Mal, dass der 59-Jährige den Einsatz von Atomwaffen fordert, was einer russischen Kriegserklärung gegenüber der gesamten Nato gleichkäme. Der Bündnisfall nach Artikel 5 des Staatenbunds besagt, dass ein Angriff auf eines der Nato-Länder als Angriff auf alle von ihnen gewertet würde. Zuletzt hatte Solowjow etwa im Frühjahr gefordert, eigene Söldnertruppen zu gründen, um Angriffe auf London oder Berlin zu verüben.

Nein zu Atomschlag: Russlands Staatspropaganda widerspricht Außenministerium

Laut einem Bericht des US-Magazins Newsweek hatte eine Sprecherin des russischen Außenministeriums kurz vor Solowjows Forderung in einer Stellungnahme betont, dass Russlands nukleare Abschreckungspolitik rein defensiv bleiben würde. „Der Einsatz von Nuklearwaffen beschränkt sich ausschließlich auf außerordentliche Umstände und rein defensive Anlässe.“ Russland stünde auch weiterhin hinter der gemeinsamen Erklärung der fünf Atommächte, in der sich USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien dazu verpflichtet hätten, einen Atomkrieg unter allen Umständen zu verhindern.

Putins Chef-Propagandisten scheint eine solche Erklärung des russischen Außenministeriums wenig zu interessieren. Er sieht Russland in einer Art Heiligen Krieg gegen den von Satan gesteuerten Westen. Zuletzt hatte Solowjow außerdem öffentlich die Wiederherstellung der Sowjetunion gefordert. (saka)

Rubriklistenbild: © Maksim Konstantinov/imago-images.de

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