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Robert F Kennedy junior gilt als Populist - und erklärt nun seine unabhängige Kandidatur als US-Präsident. Kennedy gefällt sich in der Rolle des Spielverderbers: Sowohl Joe Biden als auch Donald Trump hätten Angst vor ihm.
Der Ort der von seinem Wahlkampfteam als „mit Spannung erwartete Ankündigung“ verkauften Rede war mit Bedacht gewählt. Der Nachfahre aus der Dynastie der Kennedys trat unweit der Stelle vor seine Anhänger:innen, an der die USA am 4. Juli 1776 ihre Unabhängigkeit von der britischen Krone erklärt hatten. „Ich stehe heute hier, um als unabhängiger Präsidentschaftskandidat für die Vereinigten Staaten anzutreten“, rief Robert F. Kennedy Jr. ein paar Tausend Fans zu, die nach Philadelphia gepilgert waren.
Ehefrau Cheryl Hines spielte bei der Einführung des Kandidaten mit dem Erbe der Familie, die sich vor der Veranstaltung noch einmal in aller Deutlichkeit von „RFK Jr.“ distanzierte. „Seid ihr wirklich bereit für Bobby Kennedy?“, heizte Hines der Menge vor dem National Constitution Center ein. „Bobby“ hieß auch der beliebte Vater des Kandidaten, der Justizminister unter Präsident John F. Kennedy war.
Robert F Kennedy junior kritisiert das politische System der USA
Der Sohn, der 69-jährige Umweltanwalt, Impfgegner und Promoter verschiedener Verschwörungserzählungen, hat seine Karriere eng mit seiner persönlichen Nähe zu den beiden ermordeten Politikern verknüpft. JFK und RFK werden bei vielen Amerikaner:innen bis heute als Lichtgestalten eines „besseren Amerika“ verklärt. Wobei die Nostalgiker:innen großzügig das gewaltsame Klima der 1960er Jahre vergessen, dem die beiden Kennedys bei Attentaten zum Opfer fielen.
„Bobby teilt vielleicht denselben Namen wie unser Vater, aber er teilt nicht seine Werte, Visionen oder Urteilsvermögen“, warnten seine Geschwister Rory, Kerry, Joseph P. und Kathleen vor dem Kandidaten, der in der 45 Minuten langen Rede seinen Austritt aus der Demokratischen Partei erklärte. „Wir sind zutiefst traurig.“ Auch seine berühmten Vorfahren dürften sich im Grab umgedreht haben, als RFK Jr. seine lange Liste populistischer Klagen über die Wall Street, Big Tech, Big Pharma und den militärisch-industriellen Komplex herunterratterte. Er attackierte die Parteiführung der Demokraten, die den Vorwahlprozess zu seinen Ungunsten manipuliert hätten.
Das politische System der USA sei ein „zweiköpfiges Monster, das uns über die Klippe führt“. In der Tiefe warte „die Zerstörung unseres Landes“. Dagegen trete er an. „Wir erklären unsere Unabhängigkeit von den zwei Parteien und den korrupten Interessen, die sie dominieren und das ganze System manipulieren.“
Barack Obamas Chefstratege: „Alles was die Schwelle für einen Sieg absenkt, hilft Trump“
Je mehr die Demokraten über die obskuren Ansichten des im April als Herausforderer Joe Bidens bei den Vorwahlen angetretenen Kandidaten erfuhren, desto mehr wandten sie sich von ihm ab. Umfragen zeigen, dass seine steilen Thesen eher in der Welt Donald Trumps ankommen. Dessen Wahlkampfteam wittert die Gefahr und warnt, niemand dürfe glauben, dass RFK Jr. für konservative Werte stehe. Er sei „ein linker Kennedy, der versucht, mit dem Namen seiner Familie Geld zu machen“.
Während der Wahlforscher Nate Silver nicht davon ausgeht, dass die unabhängige Kandidatur Kennedys dem Amtsinhaber schadet, ist sich der ehemalige Chefstratege Barack Obamas, David Axelrod, angesichts der Unbeliebtheit Trumps und Bidens nicht so sicher. „Alles, was die Schwelle für einen Sieg absenkt, hilft Trump.“ Dieser habe starke Unterstützung an der Basis.
Kennedy gefällt sich in der Rolle des Spielverderbers. Beide Parteien hätten Angst vor ihm, verkündete RFK Jr. bei seiner „Unabhängigkeitserklärung“ von Philadelphia. „Die Wahrheit ist, dass beide recht haben.“ Um zu einer echten Bedrohung zu werden, muss er es nun schaffen, auf die Wahlscheine der 50 Bundesstaaten zu kommen. Eine Herausforderung, die er mit Cornel West, dem anderen unabhängigen Kandidaten, teilt.
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