„Ein moderner Nelson Mandela“: Trump-Vergleich sorgt für Gespött
VonSandra Kathe
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Weil er bereit sei, für die „Wahrheit“ notfalls auch ins Gefängnis zu gehen hat sich Donald Trump zum wiederholten Mal mit Nelson Mandela verglichen.
Washington – Wegen der gegen ihn laufenden Ermittlungen hat Donald Trump sich inzwischen bereits zweimal öffentlich mit dem 2013 verstorbenen ehemaligen südafrikanischen Staatspräsident Nelson Mandela verglichen. Während seine Fans den abgewählten US-Präsidenten für Vergleiche mit dem Friedensnobelpreisträger, der gegen Rassentrennung und Rassismus in seinem Land kämpfte und dafür 27 Jahre inhaftiert wurde, feiern, reagieren Trumps Kritikerinnen und Kritiker mit Hohn und Spott.
Anlass für den Vergleich, der Teil einer langen Tirade an Beschuldigungen und Beleidigungen war, die Trump auf seinem eigenen Kurznachrichtendienst Truth Social verbreitet hatte, war abermals eins der Gerichtsverfahren, die aktuell gegen den ehemaligen US-Präsidenten laufen. Konkret geht es einmal mehr um den Vorwurf, dass Trump der Porno-Darstellerin Stormy Daniels Schweigegeld gezahlt und dazu Geschäftsdokumente gefälscht haben soll.
Maulkorb für Trump: Richter verbietet Kommentare über Gerichtsbeschäftigte und ihre Angehörigen
In dieser Sache hatte der zuständige Richter, Juan Merchan, bereits im März ein eingeschränktes Redeverbot gegen den abgewählten US-Präsidenten verhängt, nachdem dieser im laufenden Verfahren immer wieder öffentlich Bemerkungen über Prozessbeteiligte und deren Angehörige gemacht hatte. Daraufhin verbot dem Ex-Präsidenten eine Gerichts-Order, über Zeuginnen und Zeugen und ihre Rolle im Verfahren zu sprechen oder öffentliche Kommentare zu Rechtsbeiständen, Gerichts-Beschäftigten und deren Familienmitglieder zu machen.
Während Trump sich für einen erneuten Wahlkampf vor einer Präsidentschaftswahl in Stellung bringt, laufen gegen den Ex-Präsidenten mehrere Strafverfahren. (Archivfoto)
Diese Anordnung wurde erst in dieser Woche erneut ausgeweitet, und umfasst nach einer weiteren Tirade Trumps gegen die Tochter des vorsitzenden Richters nun auch Anmerkungen zu Angehörigen des Richters sowie des Bezirksstaatsanwalts in Manhattan, Alvin Bragg. Hintergrund sind die jüngsten Vorwürfe Trumps, der den Richter beschuldigt, nicht unparteiisch und sogar „politischer Agent“ der Demokraten zu sein, weil seine Tochter Loren Merchan als Beraterin an demokratischen Kampagnen mitgearbeitet habe.
„Große Ehre“: Trump will für „würdigen Grund“ freiwillig seine Freiheit opfern
Vor diesem Hintergrund sieht sich Trump – in seinen Augen genau wie Nelson Mandela – in einer Märtyrerrolle und betonte auf Truth Social, dass es seine „große Ehre“ sei, ins Gefängnis zu gehen und ein „moderner Nelson Mandela“ zu werden, statt sich verbieten zu lassen, die „Wahrheit“ auszusprechen. Dazu betonte Trump, dass er dazu bereit wäre, „einem würdigen Grund“ seine Freiheit zu opfern. Seit Tagen wird in amerikanischen Medien darüber debattiert, ob Merchan Trump wirklich zur Abschreckung ins Gefängnis stecken lassen könnte. Einen weiteren Nelson Mandela-Vergleich hatte Trump bereits im vergangenen Herbst bei einer Wahlkampfveranstaltung gemacht.
Trumps Vergleich hat aber nicht nur auf den Sozialen Medien für empörte und höhnische Reaktionen gesorgt. In Kombination mit einer gefälschten Gerichtszeichnung, in der Trump neben Jesus zu sehen ist, hat er sogar eine Reaktion aus dem Umfeld seines Amtsnachfolgers hervorgerufen. So zitierte die Nachrichtenagentur AFP eine Biden-Sprecherin mit den Worten: „Stellen Sie sich vor, Sie wären so egozentrisch, dass Sie sich innerhalb von etwas mehr als einer Woche mit Jesus Christus und Nelson Mandela vergleichen“.
Strafverfahren gegen Donald Trump: Die Vorwürfe gegen den ehemaligen US-Präsidenten
Das Strafverfahren um die mutmaßliche Fälschung von Geschäftsdokumenten zur Tarnung einer Schweigegeldzahlung war das erste Verfahren seiner Art in der Geschichte der USA, das gegen einen ehemaligen US-Präsidenten eröffnet worden ist. Seitdem sind gegen Trump drei weitere strafrechtliche Anklagen mit deutlich gravierenderen Vorwürfen anhängig: Darin geht es um seine Versuche, seine Wahlniederlage von 2020 gegen den heutigen demokratischen Präsidenten Joe Biden nachträglich zu kippen, sowie seine Mitnahme von geheimen Regierungsdokumenten in seine Privatresidenz in Florida.
Donald Trumps Skandale, Fehltritte und Eklats in der Übersicht
Der ehemalige US-Präsident dagegen sieht sich in allen Vorwürfen einer mutmaßlichen politischen Verfolgung ausgesetzt und klagt seit Längerem über eine „Hexenjagd“, die gegen ihn im Gange sei. Im Februar hatte er sich daraufhin an den Obersten Gerichtshof der USA gewandt und eine Überprüfung seiner Immunität als ehemaliges Staatsoberhaupt beauftragt. Zuvor hatte ein Berufungsgericht im Verfahren wegen Trumps versuchter Wahlbeeinflussung entschieden, dass Trump für Straftaten, die er als US-Präsident mutmaßlich begangen hat, auch zur Rechenschaft gezogen werden kann. Bis der Supreme Court eine Entscheidung getroffen hat, muss das Verfahren, dessen Beginn für vergangenen Monat geplant war, auf unbestimmte Zeit verschoben werden. (saka mit AFP)