Nahost

Netanjahu will Trumps Iran-Deal verhindern

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Ein israelischer Kampfbomber steht für den nächsten Einsatz bereit.
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Israels Premier Benjamin Netanjahu setzt auf militärischen Druck statt Gespräche.

Sie wollten einander erst acht Tage später wiedersehen, doch Benjamin Netanjahu kann nicht so lange warten. Der israelische Regierungschef bat den US-Präsidenten um ein eiliges Treffen und Trump willigte ein. Das Thema des Gesprächs, das Trump und Netanjahu hinter verschlossenen Türen führen wollen, ist leicht zu erraten: Es geht um die Frage, ob man dem Regime im Iran besser mit Worten oder mit militärischen Mitteln begegnen sollte.

Derzeit setzt Trump auf den friedlichen Weg. Hohe Offizielle aus den USA und dem Iran trafen einander in der omanischen Hauptstadt Muskat am Freitag zu indirekten Gesprächen. Die USA verhandeln also mit jenem Regime, dem Trump erst Wochen zuvor mit Luftangriffen gedroht hatte.

In Israel wird das alles mit großer Sorge beobachtet. Der Sicherheitsstab in Tel Aviv befürchtet, dass sich Trump in den Verhandlungen auf die nukleare Aufrüstung konzentriert – und dabei einen anderen wichtigen Punkt außer acht lässt: Mindestens ebenso bedrohlich für Israel ist nämlich das massive konventionelle Raketenarsenal des Mullah-Regimes.

Ein Diplomat, der mit der iranischen Position vertraut sein soll, bestätigte die israelische Befürchtung: Das iranische Arsenal an ballistischen Raketen sei in den indirekten Verhandlungen gar nicht erst zur Sprache gekommen, heißt es. Auch die iranischen Stellvertreter-Krieger der Region – wie die Huthis im Jemen und die Hisbollah im Libanon – seien kein Thema gewesen.

Der Grund für dieses selektive Vorgehen ist zuallererst Pragmatismus: Was die nukleare Aufrüstung angeht, sei der Iran zu gewissen eingeschränkten Zugeständnissen bereit, meint Danny Citrinowicz, Experte des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv. Diese Haltung sei nicht neu, meint der Experte: Gewisse Grenzen für die Urananreicherung und Inspektionspflichten seien für die Iraner „nie eine rote Linie gewesen“, so Citrinowicz. „Sie haben auch zugegeben, dass sie keine Atombombe besitzen und auch nicht beabsichtigen, eine zu bauen.“

Mehr sei es dann aber auch nicht, winkt Citrinowicz ab: „Die Iraner werden bei der Raketenentwicklung keine Kompromisse eingehen – weder bei der Reichweite, noch beim Raketentyp.“

Für Israel ist das inakzeptabel. „Der Ministerpräsident ist überzeugt, dass jede Verhandlung auch eine Begrenzung der ballistischen Raketen und ein Ende der Unterstützung für die iranische Achse beinhalten muss“, heißt es in einer Stellungnahme aus Netanjahus Büro. Netanjahu will Trump nun überreden, die aktuelle Schwäche des Regimes in Teheran als historische Chance zu sehen und die „Achse des Widerstands“ – eine Allianz israelfeindlicher Bündnispartner des Irans – zu zerstören. Die Verhandlungen stecken also in einem Dilemma: „Wenn die USA vom Iran mehr als eine nukleare Abrüstung verlangen, ist die Chance einer Eskalation größer als je zuvor“, sagt Citrinowicz. „Ohne einen Deal wird es für Trump aber sehr schwer sein, einen Krieg zu umgehen.“ Wenn Netanjahu sich bei Trump für eine Ausweitung des Verhandlungsspektrums einsetzt, dann spricht er sich also de facto für einen neuen Krieg aus.

Aus israelischer Sicht ist das die bevorzugte Option. „Israel fürchtet einen Deal und bevorzugt eine militärische Lösung“, sagt Citrinowicz. Einerseits liegt es daran, dass selbst im Falle eines Atomdeals die existenzielle Bedrohung, die die Mullahs für Israel darstellen, fortbesteht. Dazu kommen aber auch ganz spezifisch persönliche Gründe des israelischen Ministerpräsidenten: „Es ist Netanjahus Traum, dass die USA dieses Regime untergraben.“

Das Risiko einer solchen Eskalation sei jedoch nicht zu unterschätzen. Wenn es zu einem Krieg komme, „dann wird das kein punktgenauer Angriff sein“, meint Citrinowicz. Die iranischen Truppen sind in höchster Bereitschaft, dasselbe gilt für die US-Armee. „Auf beiden Seiten gibt es keine roten Linien.“ Sollten die USA im Iran angreifen, dann „werden die Iraner auf eine Weise zurückschlagen, die die Lage zum Eskalieren bringt“. Die Gefahr einer regionalen Ausbreitung sei real.

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