Neuer Bundestag konstituiert sich: CDU-Politikerin Julia Klöckner zur Bundestagspräsidentin gewählt
VonSonja Thomaser
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Bona Hyun
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Einen Monat nach der Wahl tritt der neue Bundestag erstmals zusammen. Die erste Sitzung steht im Zeichen von personellen Veränderungen.
Update vom 25. März, 19.55 Uhr: Nach dem Scheitern von Gerold Otten könnte die AfD-Fraktion weitere Kandidaten für das Amt eines Vizepräsidenten des neuen Bundestags aufstellen. AfD-Vorsitzender Tino Chrupalla hält dieses Szenario für wahrscheinlich, auch wenn seine Partei erst darüber beraten werde. „Ich gehe davon aus, dass wir das machen werden“, sagte der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Bundestag.
Ebenso werde man intern über die Möglichkeit sprechen, dass Otten erneut antritt, sagte Chrupalla laut dpa. Das setze allerdings voraus, dass der Ältestenrat des Bundestags einen vierten Wahlgang ermögliche, fügte er hinzu.
Update vom 25. März, 16.02 Uhr: Bei der Wahl der Stellvertreterinnen und Stellvertreter der neuen Bundestagspräsidentin Julia Klöckner wurden alle Kandidatinnen und Kandidaten mit Ausnahme der AfD akzeptiert. Andrea Lindholz von der CSU, Josephine Ortleb von der SPD, Omid Nouripour von den Grünen und Bodo Ramelow von der Linken erhielten ihre Ernennung. Der AfD-Kandidat Gerold Otten hingegen konnte keine Mehrheit für sich gewinnen.
CDU-Politikerin Julia Klöckner zur Bundestagspräsidentin gewählt
Update vom 25. März, 13.36 Uhr: Die CDU-Politikerin Julia Klöckner ist neue Bundestagspräsidentin. In der konstituierenden Sitzung des Parlaments wählten die Abgeordneten die 52-Jährige mit großer Mehrheit in das zweithöchste Staatsamt.
Update vom 25. März, 12.09 Uhr: Als Alterspräsident des Bundestags hat der Linken-Politiker Gregor Gysi alle Abgeordnete aufgefordert, den jeweils anderen Standpunkt zu respektieren. Zugleich appellierte Gysi an die Mitglieder des Bundestags, einfacher und bürgernäher zu sprechen. „Im Übrigen müssen wir alle ehrlicher werden“, forderte der 77-Jährige.
Gysi begann seine Rede zur Konstituierung des Bundestags mit der Friedenspolitik. Politiker, die auf Rüstung und Abschreckung setzten, dürften nicht als Kriegstreiber bezeichnet werden, mahnte er. Andererseits seien Menschen wie er selbst, die auf Diplomatie und eine neue Sicherheitsarchitektur für Europa einschließlich Russlands setzten, keine „Putin-Knechte.“
Erstmeldung vom 25. März, 11.29 Uhr: Berlin – Nach der Bundestagswahl am 23. Februar hat das alte Parlament noch zweimal getagt und bedeutende Entscheidungen getroffen. Nun ist damit Schluss, denn der neue Bundestag versammelt sich zu seiner ersten Sitzung. Damit beginnt die 21. Legislaturperiode. Bundeskanzler Olaf Scholz von der SPD und sein Kabinett erhalten von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ihre Entlassungspapiere und sind ab sofort nur noch geschäftsführend tätig.
Gregor Gysi hält Rede als Alterspräsident des 21. Bundestags
Der im Februar neu gewählte Bundestag ist zu seiner ersten Sitzung zusammengetreten. 30 Tage nach der Wahl begann damit die 21. Wahlperiode. Alterspräsident Gregor Gysi eröffnete die konstituierende Sitzung. Der Linke-Politiker ist der Abgeordnete mit den meisten Jahren im Bundestag.
Neuer Bundestag tritt zusammen: Was sich für Kanzler Scholz heute ändert
Laut Artikel 39 des Grundgesetzes muss der neu gewählte Bundestag spätestens 30 Tage nach der Wahl zusammentreten, was in diesem Fall der 25. März ist. Damit endet die alte und beginnt die neue Legislaturperiode. Bereits beschlossene Gesetze bleiben gültig, während noch nicht verabschiedete Vorhaben erneut in den Bundestag eingebracht werden müssen.
Mit dem Zusammentritt des neuen Bundestags endet gemäß Artikel 69 des Grundgesetzes die Amtszeit der alten Regierung. Kanzler und Minister erhalten am Dienstagnachmittag ihre Entlassungsurkunden vom Bundespräsidenten. Aufgrund der laufenden Koalitionsverhandlungen wird Steinmeier den bisherigen Kanzler bitten, geschäftsführend im Amt zu bleiben. Dieser wird die Ministerinnen und Minister ebenfalls darum ersuchen.
Das Ziel ist es, einen regierungslosen Zustand zu vermeiden. Die bisherigen Kabinettsmitglieder können die geschäftsführende Amtsausübung nur bei schwerer Krankheit ablehnen.
Neuer Bundestag konstituiert sich: Hat die geschäftsführende Regierung weniger Befugnisse?
Die geschäftsführende Regierung hat formal die gleichen Befugnisse wie eine reguläre Regierung. Sie kann Gesetze oder sogar einen neuen Haushalt in den Bundestag einbringen. Auch die Ministerinnen und Minister behalten ihre Befugnisse und können Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften erlassen. Das Parlament hat gegenüber der geschäftsführenden Regierung die gleichen Kontrollrechte wie sonst auch.
Wen holt Friedrich Merz in sein Kabinett? Diese Minister stehen bereit
Rechtlich gesehen muss sich die scheidende Regierung nicht zurückhalten. Praktisch sind ihre Handlungsspielräume jedoch begrenzt, da sie keine parlamentarische Mehrheit hat. Politische Tradition gebietet, dass eine geschäftsführende Regierung keine weitreichenden Vorhaben oder wichtigen personellen Entscheidungen trifft, um den Handlungsspielraum der Nachfolgerin nicht einzuschränken.
Gibt es eine Frist für ein Ende der geschäftsführenden Regierung?
Eine Regierungsumbildung während der geschäftsführenden Amtszeit ist nicht möglich. Das sogenannte Versteinerungsprinzip besagt, dass mit Beginn der Geschäftsführung kein Austausch oder keine Neuernennung von Ministern erfolgen kann. Sollte ein Kabinettsmitglied durch Krankheit amtsunfähig werden, übernehmen andere Regierungsmitglieder seine Aufgaben .Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gebeten, die Geschäfte bis zur Bildung einer neuen Regierung weiterzuführen.
Es gibt keine festgelegte Frist für das Ende der geschäftsführenden Regierung. Sie bleibt im Amt, bis eine neue Regierung vereidigt wird. Die Dauer der Regierungsbildung kann variieren; seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 dauerte sie zwischen 30 und 171 Tagen. CDU-Chef Friedrich Merz hatte ursprünglich geplant, die Regierungsbildung bis Ostern abzuschließen. Ob dies gelingt, hängt von den laufenden Koalitionsverhandlungen ab.