Parteitag am Freitag

Neuerfindung? SPD-Parteitag soll „Wendepunkt“ bringen

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Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas soll die SPD künftig mit führen.
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Am Freitag beginnt der Parteitag der SPD. Warum dieser vor allem für Lars Klingbeil heikel werden dürfte.

Noch drei Tage, dann will die SPD ein neues Kapitel in ihrer langen Geschichte aufschlagen. Es soll eines mit guter Wendung für die Partei werden. Das ist jedenfalls der Plan für den Bundesparteitag, der am Freitag beginnt. Erreichen will man das mit teilweiser personeller Erneuerung und „ehrlichen Diskussionen“ über das verheerende Wahlergebnis.

Wenn es nach Generalsekretär Tim Klüssendorf geht, soll es dabei aber nicht bleiben. Der Parteitag müsse zu einem „Wendepunkt nach vorne“ werden, sagte er am Dienstag. Entsprechend hat die Parteispitze ihren Leitantrag „Veränderung beginnt mit uns“ überschrieben. Die Diskussion darüber könnte gleich am ersten Tag den Ton setzen. Dem ist sich auch die Parteispitze bewusst und lässt neben viel Selbstkritik auch anklingen, dass es womöglich an der gesamten Partei lag, dass man die Wählerinnen und Wähler nicht überzeugt hat.

Der Vertrauensverlust sei tief „und betrifft die Partei insgesamt“, heißt es in dem Leitantrag. Man habe die Verdienste der Regierungsarbeit zu spät und zu selten herausgestellt – was man sich aber selber nicht als Grund für die Wahlniederlage durchgehen lassen will. Denn: „Auch diese Antwort klingt, wie unsere Antworten seit Jahren klingen.“ Ob man mit dem politischen Handeln selbst die Wähler:innen überzeuge, „daran müssen wir nach unserem Wahlergebnis Zweifel haben.“

Parteitag: Die SPD sucht die Neuerfindung

Gesucht wird auf diesem Parteitag also die Neuerfindung der alten Tante SPD oder zumindest der Anfang davon. Die Diskussion über den Leitantrag steht gleich am Beginn des Parteitages. Sie könnte vor allem von den älteren Parteisemestern geprägt werden. Zusammen mit dem Leitantrag der Parteispitze soll nämlich auch das umstrittene „Manifest“ diskutiert werden, das die Bundestagsabgeordneten Ralf Stegner und Rolf Mützenich vor einigen Tagen federführend vorlegten. Darin wird gefordert, der Friedenspolitik breiteren Raum zu geben und eine „behutsame“ Wiederannäherung an Russland zu versuchen.

Das vierseitige Papier, in dem auch von einem „Angriff der Nato auf Serbien 1999“ die Rede ist, hat innerhalb und außerhalb der SPD für große Kontroversen gesorgt.

Es sei aber kein eigener Antrag dazu geplant, sagte Klüssendorf am Dienstag. Die Unterzeichner:innen wollten keine neue Beschlussfassung zur Außenpolitik durchsetzen, sondern eine Diskussion anstoßen. Daher haben man sich darauf verständigt, sie gemeinsam mit dem Leitantrag zu gestalten. Es könnte eine heikle Veranstaltung für die Parteiführung und vor allem für Lars Klingbeil werden, der nach der Wahlniederlage umgehend die eigene Position sicherte – zum Nachteil von Weggefährten wie etwa Rolf Mützenich.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

SPD-Parteitag: Bärbel Bas ist sehr beliebt – Klingbeil droht eine Pleite

Direkt nach der Diskussion um den Leitantrag stellt sich Lars Klingbeil zur Wiederwahl als Parteichef. Ebenfalls Parteivorsitzende soll Bärbel Bas werden, die damit die Nachfolge von Saskia Esken antritt. Klüssendorf und mit ihm vermutlich die halbe Partei rechnet für Klingbeil mit einem „ehrlichen Wahlergebnis“. Damit ist gemeint, dass man den Kandidaten abstraft, ihn aber nicht durchfallen lässt. Vermutlich schneidet er nicht so gut ab wie die sehr beliebte Bärbel Bas. Die 86,3 Prozent Ja-Stimmen bei seiner ersten Wahl zum Vorsitzenden im Dezember 2021 dürfte er nur schwer wieder erreichen. Sollte er allerdings unter 80 Prozent rutschen, geriete er schon in die Nähe unbeliebter SPD-Spitzen wie Sigmar Gabriel oder Andrea Nahles.

Die Parteitagsregie könnte eventuelle schlechte Ergebnisse zumindest etwas abmildern. Wegen der Bundestagssitzung beginnt der Parteitag erst am Freitagnachmittag um 14 Uhr. Die Wahl der Parteispitze ist vermutlich nicht vor 19.30 Uhr. Da könnten sich am nächsten Morgen dann schon die Gemüter wieder beruhigt haben, zumal dann das Wohlfühlprogramm auf dem Plan steht.

Scholz und Esken scheiden auf SPD-Parteitag aus ihren Spitzenfunktionen aus

Am Samstag werden Ex-Kanzler Olaf Scholz und die bisherige Co-Parteichefin Saskia Esken aus ihren Spitzenfunktionen verabschiedet, und das soll für beide fulminant ausfallen. In der Partei hat es zuletzt Ärger darüber gegeben, wie harsch die Kritik vor allem an Esken ausfiel. An ihr blieb die Verantwortung für die Niederlage hängen, während Klingbeil nach oben marschierte und nun als Vizekanzler und Finanzminister gerne weiter auch die Partei führen möchte.

Gut möglich, dass die Ämterhäufung auch bei der Erneuerung der SPD ein Hindernis darstellt. Laut Klüssendorf wollen sich die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten künftig noch stärker als „Partei der Arbeit“ definieren und betonen, dass Chancen- und Geschlechtergleichheit noch längst nicht durchgesetzt seien. Es dürfte dann regelmäßig die Frage geben, warum die SPD sich in der Regierung nicht mehr darum kümmert.

Als Bindeglied innerhalb der Partei könnte sich das Parteienverbot für die AfD auswirken. Das will man am Sonntag mit einem entsprechenden Antrag in Gang setzen.

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