„Wir ducken uns nicht weg“

Neues Führungsduo bei den Grünen: Ist die Zuversicht zurück?

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Franziska Brantner und Felix Banaszak sind das neue Führungsduo der Grünen.
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Die Grünen setzen auf ein neues Führungsduo, das einerseits Empathie und andererseits politische Effizienz verspricht – ein neuer Weg in schwierigen Zeiten?

Wiesbaden – Das Traumergebnis bekam der linke Kandidat, für die Habeck-Vertraute reichte es nur zum Achtungserfolg: Die Grünen haben seit dem Wochenende ein neues Führungsduo, bei dem die Delegierten des Grünen-Bundesparteitages ihre Sympathie deutlich gewichtet haben. Franziska Brantner, Staatssekretärin im von Robert Habeck geleiteten Bundeswirtschaftsministerium, erhielt 78,15 Prozent der Stimmen. Der Parteilinke und Bundestagsabgeordnete Felix Banaszak bekam 92,88 Prozent der Stimmen.

Banaszak begeistert mit empathischer Rede: Partei als Ort der Zuversicht

Banaszak hatte mit seiner empathischen Rede die Halle begeistert. Die Entscheidung, für den Parteivorsitz zu kandidieren, nannte er die verrückteste Entscheidung seines Lebens. Er ist aber auch erst 35 Jahre alt. Sollte es eine Absprache zwischen dem neuen Duo gegeben haben, dann war Banaszak eindeutig für den Empathie-Part zuständig und die Rede in die Partei hinein. Er sprach von der Angst, die vielfach in der Bevölkerung vorherrscht.

„Es gibt die Angst vor Putin oder Trump, der Gasrechnung oder dem nächtlichen Nachhauseweg. Oder die Angst, nicht mehr dazuzugehören“, sagte er. Dieser Angst begegne man aber nicht mit Statistik, sondern mit Empathie. „Dazu gehört zuzuhören, sich unterzuhaken oder einander auch mal in den Arm zu nehmen“, so der gebürtige Duisburger. Er wolle die Partei in diesen Zeiten zu einem Ort der Zuversicht machen, versicherte er und traf damit offenbar einen Nerv.

Die Partei, so Banaszak, sei heute eine andere als vor drei Jahren. Es stellten sich heute „neue Fragen“. Doch er sei optimistisch, denn „Wir sind Bündnis 90/Die Grünen, wir sind so viele wie noch nie und wir sind so am Start wie noch nie.“ Er werde sich nicht damit abfinden, „dass es arme Kinder in diesem Land gibt, dass in diesem Land über Menschen mit Flucht und Migrationsgeschichte nur noch als Problem gesprochen wird.“ Das sicherte ihm den Beifall der Delegierten.

Brantner gehört zum Realo-Flügel – und gilt als enge Habeck-Vertraute

Die vom Naturell her etwas sprödere Franziska Brantner hatte es da etwas schwerer, was vielleicht aber auch daran lag, dass sie ein, zwei Mal zu oft erklärte, was „der Robert“ in den vergangenen drei Jahren alles an sinnvoller Politik umgesetzt hat. Brantner ist Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und gilt als seine Vertraute. Für manche galt sie im Vorfeld als seine Kandidatin, wogegen sie aber energisch widersprach.

Auch Brantner versuchte in ihrer Rede, den Mitgliedern Mut zu machen für Politik in den aktuellen schweren Zeiten. „Wir ducken uns nicht weg bei Gegenwind und Anfeindungen“, rief die 45-Jährige und erntete dafür Applaus. Die Grünen träten dafür an, das Land und das Leben für seine Menschen besser zu machen. Dazu müsse man investieren und die Verfahren einfacher machen. Die Partei habe den Sanierungsstau in ihrer Regierungszeit angegangen, „aber in drei Jahren kann man nicht 16 Jahre Merkel rückgängig machen.“ Zwar sei Geld nicht alles, aber „den Gürtel enger zu schnallen bringt nichts, wenn die Hose schon fehlt.“

„Das habe ich bei Männern nie gehört“: Wie Brantner gegen Merz’ Sexismus ankämpft

Für den Seitenhieb auf Friedrich Merz wählte sie nicht das Thema Wirtschaft, sondern die Frauenpolitik und ätzte über dessen Aussage, dass man Frauen keinen Gefallen täte, wenn man sie inkompetent auf Posten hebe. Er hatte damals auf die Berufung von Christine Lambrecht als Verteidigungsministerin angespielt. „Krass, das habe ich bei Männern nie gehört“, sagte Brantner, „zum Beispiel, als man Dobrindt zum Verkehrsminister gemacht hat.“ Das gibt natürlich auch noch mal Jubel. Es müsse Schluss sein mit diesem Dinosaurier-Denken. „Unsere grünen Männer haben das verstanden“, so Brantner und setzt hinzu: „Teilweise.“ Nochmal Applaus.

Thematisch gebt es beiden um die Menschen von nebenan. Banaszak erzählt von Duisburg und seinem Großvater, der in einer Kokerei gearbeitet habe. Brantner verweist auf die Neuregelung des Postgesetzes, die sie mitgeschrieben hat. Danach müssen Paketboten zumindest theoretisch alleine keine Pakete mehr schleppen, die mehr als 20 Kilogramm wiegen. Die Heidelbergerin, die ihr Mandat direkt gewonnen hat, löst zum Schluss auch noch das Geheimnis, warum die Grünen immer Wollpullover stricken: „Warum haben wir diese Obsession?“, ruft sie in den Saal. „Die Antwort lautet: Winterwahlkampf!“

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