„Sind noch nicht zu Ende“: Habeck schmettert Ruf nach Neuwahlen ab
VonJens Kiffmeier
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Nach den Wahlschlappen hadern Grüne und FDP mit der Ampel. Doch eine Neuwahl kommt für Robert Habeck nicht infrage. Der Vize-Kanzler hat noch was vor.
Berlin – Die Opposition lästert, FDP und Grüne zweifeln: Nach den verheerenden Niederlagen bei den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg gibt es zahlreiche Spekulationen um ein Ampel-Aus. Doch den Unkenrufen von vorgezogenen Neuwahlen hat Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) jetzt eine deutliche Absage erteilt. „Ich finde, man muss einen Job, den man angefangen hat, zu Ende bringen wollen“, sagte der Vizekanzler in einem Interview mit den ARD-„Tagesthemen“ und fügte hinzu: „Und wir sind noch lange nicht zu Ende.“ Doch dies sieht die Opposition freilich anders. Und auch Habeck selber muss in seiner Partei noch gegen viele Widerstände gegen seine Position ankämpfen.
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Der Parteinachwuchs ist vor allem unzufrieden mit der Durchsetzungskraft der Grünen beim Thema Klimaschutz. Der Vorwurf: Die Partei beugt sich zu viel und zu oft den Kompromissen in der Ampel-Koalition, insbesondere dem Willen der FDP. Dies wolle man nicht länger unterstützen und werde deswegen eine neue Jugendbewegung gründen, hieß es in einer verbreiteten Erklärung, die auch IPPEN.MEDIA vorliegt.
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Habeck selber lässt die Kritik aber nicht gelten. „Man darf nicht weglaufen, nur weil es mal schwierig wird“, sagte er im ARD-Interview zu einer möglichen Neuwahl des Bundestages. Es stimme, dass seine Partei in der Ampel-Koalition viel „Verantwortung gezeigt“ habe und häufig Kompromisse eingegangen sei. Doch die Kompromissfähigkeit sei bei den Grünen eigentlich stets wertgeschätzt worden. Aber man lasse sich dadurch in keinster Weise von der FDP herumtreiben. „Die Aufgaben, die notwendig sind, für die wir gewählt werden, müssen pragmatisch angegangen und gelöst werden – mit den Möglichkeiten, die wir haben, mit den politischen Mehrheiten, die nun mal da sind“, stellte Habeck klar.
Tatsächlich stoßen FDP und Grüne seit Jahren immer wieder in Grundsatzfragen innerhalb der Ampel-Koalition aufeinander. Während Finanzminister Christian Lindner (FDP) eisern sparen und an der Schuldenbremse festhalten will, wollen die Grünen mehr Investitionen, vor allem in den Klimaschutz. Mit diesem Grundkonflikt stoßen die Kontrahenten stets aufeinander – ob beim Atomausstieg oder beim Energiewendegesetz.
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Doch ob sich die Streithähne noch einmal zusammenraufen können, bleibt abzuwarten. Denn die Lage der FDP ist noch dramatischer als bei den Grünen. Bei der Brandenburg-Wahl schafften es die Liberalen nicht einmal auf ein Prozent der Stimmen und landete noch hinter der Tierschutzpartei. Bundesweit kratzt die Partei an der Fünf-Prozent-Hürde. Nicht wenige in der Partei wollen deshalb raus aus dem Bündnis mit den Grünen. Er glaube nicht, dass die Ampel-Koalition noch bis Weihnachten Bestand haben werde, ätzte FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki, nachdem Parteichef Christian Lindner zuvor einen „Herbst der Entscheidungen“ angekündigt hatte.
Vor allem die Beratungen für das kommende Haushaltsjahr gelten als entscheidende Wegmarke. In der FDP werde dies als Ultimatum für einen Ausstieg aus der Koalition gesehen, berichtete der Focus unter Berufung auf Parteikreise. Sollte eine Einigung mit den Grünen nicht bis Mitte November gelingen, könnte Lindner vielleicht die Reißleine ziehen und aussteigen, lautet eine häufige Spekulation. Offizielle Bestätigungen dafür gibt es nicht.
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In der Opposition nimmt man die neue Gereiztheit in der Ampel jedenfalls amüsiert zur Kenntnis. „Die Fliehkräfte in der Ampel nehmen weiter zu“, frohlockte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thorsten Frei, laut der Nachrichtenagentur Reuters. Aktuell würde die Ampel vor laufenden Kameras „zerbröseln“. Vor diesem Hintergrund brachte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann dann auch umgehend vorgezogene Neuwahlen ins Spiel. Denn: „Noch ein Jahr Ampel wird unser Land nicht verkraften“, ätzte er im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und fügte hinzu. „Ich bleibe dabei: An Neuwahlen führt kein Weg vorbei.“ (jkf)