„Vom Verlangen, zu Töten getrieben“

Terror in New Orleans: Angreifer von Islamischem Staat inspiriert – Details zur Verbindung

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Ein Terroranschlag in New Orleans rückt den Islamischen Staat wieder in den Fokus. Was über die Verbindungen des Tatverdächtigen bekannt ist.

New Orleans – Nach dem Anschlag in New Orleans gerät wieder einmal der Islamische Staat (IS oder auch ISIS) in den Fokus. Denn laut Präsident Joe Biden war der Attentäter Anhänger der Terrormiliz. Das gehe aus Videos hervor, die der Mann nur wenige Stunden vor der Tat ins Internet gestellt habe, sagte Biden unter Berufung auf Ermittlungen des FBI. In dem Fahrzeug, mit dem der 42-Jährige namens Shamsud-Din Jabbar den Anschlag verübt hatte, wurde zudem eine Flagge des IS gefunden. In den Aufnahmen, die er in sozialen Netzwerken postete, ließ der Täter Biden zufolge erkennen, dass er getrieben sei „vom Verlangen, zu Töten“.

Auch laut Polizeichefin Anne Kirkpatrick hatte der Angreifer das Ziel verfolgt, „so viele Menschen wie möglich zu überfahren“ und ein „Blutbad“ anzurichten. In seinem Mietwagen wurde eine IS-Flagge gefunden. In New Orleans stuften Behörden die Tat als Terroranschlag ein. Seine Verbindungen zu derartigen islamistischen Organisationen würden nun überprüft, hieß es.

Anschlag in New Orleans: Einst träumte der Islamische Staat vom Kalifat

Angst und Schrecken verbreitete der IS vor allem Anfang und Mitte der 2010er-Jahre, als die Terrororganisation große Teile Syriens und des Iraks beherrschte – die letzten Gebiete wurde dem Al-Qaida-Ableger 2019 mithilfe von US-Streitkräften genommen. Zudem macht die Islamisten-Miliz mit Anschlägen wie in New Orleans auf sich aufmerksam.

Ziel des IS war es stets, den sogenannten Kalifat (Gottesstaat) im Nahen Osten zu errichten. Nach einem mehrjährigen Krieg gegen die Islamisten gilt dieser Plan zwar als gescheitert, doch dank untergetauchten Anhängern sowie dem Erstarken des Islamismus in Teilen Afrikas konnte der IS inzwischen anderweitig Fuß fassen, wie etwa in Ägypten oder Nigeria. Dort reicht die Macht der Terrormiliz zwar nicht an deren Hochzeit heran, doch erholen konnte sich die Organisation allemal. So konnte die Tötung ihrer Führungsriege verkraftet und mehrmals Nachfolger installiert werden.

Auto rast in New Orleans in Menschenmenge: Die verheerenden Bilder aus der Bourbon Street

Auto fährt in Menschenmenge in New Orleans.
Gegen drei Uhr morgens raste ein Auto in New Orleans in eine Menge feiernder Menschen im Partyviertel French Quarter. Das Bild zeigt die Rettungskräfte vor Ort. © Gerald Herbert/dpa
Der abgesperrte Tatort in der Bourbon Street in New Orleans.
Der Tatort an der Bourbon Street Ecke Canal Street im French Quarter von New Orleans wurde von der Polizei abgesperrt.  © Matthew Hinton/AFP
Auto fährt in Menschenmenge: Der Tatort in den Bourbon Street in New Orleans (USA).
Die Bilder aus der Bourbon Street sind verheerend. Mindestens zehn Menschen starben, 35 wurden verletzt. © Gerald Herbert/dpa
Der Tatort in der Bourbon Street in New Orleans.
Ermittler umringen den weißen Lastwagen, der im French Quarter von New Orleans in eine Menschenmenge raste. © Matthew Hinton/AFP
Auto fährt in Menschenmenge in New Orleans. Einsatzkräfte nach der Tat am abgesperrten Tatort.
Einsatzkräfte am Tatort in der Bourbon Street. Hier raste ein Auto in eine Menschenmenge. Inzwischen hat das FBI die Ermittlungen übernommen. © Gerald Herbert/dpa

Anschlag in New Orleans: Nicht der erste schwere IS-Anschlag in den USA

Mithilfe von Anschlägen verbreitet der IS seit Jahren Terror und Sorgen. So bekannten sich die Dschihadisten unter anderem zu dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche im Jahr 2016. Auch den tödlichen Anschlag in Solingen im August 2024 reklamierten die Islamisten für sich. Doch auch in den USA kam es schon mehrfach zu IS-Terroranschlägen. In folgenden größeren Fällen wurden den Tätern eine Verbindung zum IS nachgesagt:

  • 23. Oktober, 2014: Ein Terrorist versucht in New York City, mit einer Axt Polizisten zu ermorden. Der Attentäter wird von den Polizisten erschossen, drei Menschen werde verletzt.
  • 3. Mai, 2015: Zwei Terroristen schießen anlässlich eines Mohammed-Karikaturen-Wettbewerbs in Garland (Texas) auf einen Polizisten und verletzen ihn. Die Terroristen sterben bei der nachfolgenden Schießerei mit einer Spezialeinheit.
  • 12. Dezember, 2015: Bei einem Terroranschlag in San Bernardino (Kalifornien) erschießt ein Ehepaar 14 Menschen. 21 weitere Personen werden verletzt. Die Attentäter werden von der Polizei erschossen.
  • 12. Juni, 2016: Bei dem Massaker in Orlando (Florida) schießt ein Terrorist in einem LGBTQ-Nachtclub mit mehreren Waffen um sich. 49 Menschen werden getötet und 53 weitere verletzt. Bei der Erstürmung durch die Polizei wird der Täter getötet.
  • 18. September, 2016: Ein 22-Jähriger, der die Uniform eines privaten Sicherheitsdienstes trägt, sticht in einer Einkaufspassage auf Menschen ein und tötet dabei neun Personen. Kurz darauf wird der Attentäter von Polizisten erschossen.
  • 31. Oktober, 2017: In New York City überfährt ein Mann mit einem gemieteten Ford Pick-Up-Truck zahlreiche Menschen auf einem Radweg im Hudson River Park. Acht Menschen sterben, neun weitere werden verletzt. Der damals 29-jährige Attentäter überlebt den Anschlag nach mehreren Schüssen schwer verletzt und ist derzeit in Colorado inhaftiert.

Mit dem Attentat von New Orleans in der Neujahresnacht ereignete sich nach Jahren erstmals wieder ein IS-Terroranschlag auf US-amerikanischem Boden. Zudem explodierte am Mittwoch in der Casino-Metropole Las Vegas ein Tesla Cybertruck vor einem Hotel des designierten Präsidenten Donald Trump. Bei der Explosion war ein Mensch im Inneren des Fahrzeugs gestorben. Sieben weitere Menschen wurden leicht verletzt. Joe Biden sagte dazu, bei der Untersuchung des Vorfalls werde untersucht, „ob es irgendeine mögliche Verbindung mit dem Angriff in New Orleans gibt“. Bislang gebe es aber keine entsprechenden Hinweise.

New Orleans: Tatverdächtiger soll „wahrer Gläubiger“ des Islamischen Staats gewesen sein

In New Orleans scheint der Fall für die Behörden jedoch klar: „Indem er während des Anschlags eine ISIS-Flagge bei sich trug, wollte der Verdächtige zeigen, dass er ein wahrer Gläubiger ist, der sich der Sache von ISIS anschließt und vielleicht hofft, andere dazu zu bringen, es ihm gleichzutun“, sagte Colin P. Clarke, Analyst für Terrorismusbekämpfung, gegenüber der New York Times.

Ein Mann namens Abdur Jabbar aus dem texanischen Beaumont, der nach eigenen Angaben der Bruder des Tatverdächtigen Shamsud-Din Jabbar ist, sagte der New York Times, sein Bruder sei „wirklich ein Schatz, ein netter Kerl, ein Freund, wirklich klug, fürsorglich“ gewesen. Er sei bereits in jungen Jahren zum Islam konvertiert. Seine nun verübte Tat in New Orleans repräsentiere hingegen nicht den Islam, sagte Abdur Jabbar. „Das ist mehr eine Form der Radikalisierung, keine Religion.“

Ein Blick auf den Anschlagsort in New Orleans (Louisiana).

Jabbar diente in der US-Army – und wandte sich vor New Orleans-Attentat dem Islamischen Staat zu

Über den mutmaßlichen Attentäter von New Orleans ist inzwischen einiges bekannt. So studierte Shamsud-Din Jabbar zwei Jahre an der Georgia State University und war beim US-Militär als IT-Spezialist tätig, wo er später offenbar ehrenhaft entlassen wurde. Laut Pentagon hatte er der US-Army noch bis 2020 als Reservist angehört. Ein Armeesprecher sagte, Jabbar habe am Ende seines Dienstes den Rang eines Feldwebels gehabt.

Aus von der New York Times veröffentlichten Strafregistern geht hervor, dass er zweimal wegen kleinerer Delikte angeklagt wurde: 2002 wegen Diebstahls und 2005 wegen Fahrens ohne gültigen Führerschein. Der Zeitung zufolge war Jabbar zweimal verheiratet, wobei seine zweite Ehe im Jahr 2022 geschieden wurde.

Hinweise auf eine Radikalisierung in Richtung des Islamischen Staats habe es bereits vor dem Anschlag in New Orleans gegeben. So sagte Jugendfreund Chris Pousson der New York Times, Jabbar sei zwar ein Mensch gewesen, der „keine Probleme macht“. Doch „man konnte sehen, dass er wirklich intensiv geworden ist, was seinen Glauben angeht.“ (nak)

Rubriklistenbild: © Geoff Burke/Imago

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