Niederlande-Wahl: Wilders reagiert auf Klatsche – „schnallen Sie sich an!“
VonDaniel Dillmann
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Das vorläufige Ergebnis der Niederlande-Wahlen fällt eindeutig aus. Dem Land steht ein Politikwechsel ins Haus. Die Reaktionen im Live-Ticker.
Update, 8.30 Uhr: Wird Wilders als Reaktion auf die Niederlande-Wahl seine politische Karriere beenden? Bislang gibt es keine Anzeichen dafür. Hätte sein Erzfeind, Frans Timmermanns, einen überwältigenden Sieg eingefahren, die Situation für Wilders wäre wohl eine andere. Noch am Wahlabend gab der Rechtspopulist sich kämpferisch.n „Schnallen Sie sich an, wir fangen gerade erst an“, sagte er gegenüber Reportern.
Update, 7.17 Uhr: Nach dem enttäuschenden Ergebnis des linken Parteienbündnisses Groenlinks/PvdA bei der hat der frühere EU-Vizekommissionschef Frans Timmermans seinen Rücktritt als dessen Chef bekanntgegeben. „Mit schwerem Herzen trete ich als Parteivorsitzender zurück“, sagte der 64-Jährige gestern Abend vor seinen Anhängern.
Update, 30. Oktober, 5.17 Uhr: Der Spitzenkandidat der linksliberalen Partei D66, Rob Jetten, hat das Abschneiden seiner Partei bei der Parlamentswahl in den Niederlanden als „Sieg über den Hass“ des Rechtspopulisten Geert Wilders bezeichnet. „Dies ist ein Abschied von politischer Negativität“, sagte der 38-jährige Politiker bei der Wahlparty seiner Partei. Die Niederländer hätten ein deutliches Signal für eine positive Zukunft gegeben.
Update, 23.11 Uhr: Rob Jetten, der Parteichef von D66, ist begeistert von dem Ergebnis seiner Partei bei den Niederlande-Wahlen. „Heute haben wir das beste Ergebnis der D66 aller Zeiten erzielt und sind wohl die größte Partei in den Niederlanden“, sagte der Parteivorsitzende mit Blick auf die Nachwahlumfragen. Die Partei führt Nachwahlumfragen zufolge mit 27 Sitzen, gefolgt von der rechtspopulistischen und islamfeindlichen PVV mit 25.
Wilders‘ Reaktion auf Niederlande-Wahl: „Hatte anderes Ergebnis erwartet“
Update, 22.40 Uhr: Beim TV-Sender NOS fällt die Reaktion Wilders‘ auf das miserable Ergebnis der Rechtspopulisten deutlicher als zuvor in den sozialen Medien aus. „Ich hatte selbst ein anderes Ergebnis erwartet“, räumte der Chef der PVV ein. Seinen Rückzug aus der Regierung im Sommer bereue er deshalb aber nicht, auch wenn er gewusst habe, dass eine Niederlage bei der Neuwahl „die Folge sein könnte“.
Update, 22:20 Uhr: Die Niederlande-Wahl hat erste personelle Konsequenzen: Frans Timmermanns hat als Reaktion auf das Ergebnis der GroenLinks-PvdA seinen Rücktritt als Parteivorsitzender bekannt gegeben. Sichtlich mitgenommen sagte der 64-Jährige auf einer Wahlparty zu seiner versammelten Anhängerschaft: „Es ist uns nicht gelungen – mir ist es nicht gelungen –, genügend Menschen davon zu überzeugen, für uns zu stimmen. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung.“ Es sei „die Ehre seines Lebens“ gewesen, das Bündnis aus Groenlinks und PvdA führen zu dürfen.
Die Ergebnisse der Exit-Polls der Niederlande-Wahl 2025 im Überblick:
Partei
Ergebnis in Prozent
PVV
25 (-12)
GL/PvdA
20 (-5)
D66
27 (+18)
CDA
19 (+14)
VVD
23 (-1)
Update, 22:10 Uhr: Während die Menschen in den Niederlanden, die es mit demokratischen Parteien jenseits von Rechtspopulisten halten, weiter feiern, reagieren die Medien des Landes auf die Prognosen der Neuwahlen mit ersten Spekulationen über mögliche Regierungskonstellationen. Ausgeschlossen bleibt die PVV. Mit der Partei von Wilders will niemand mehr verhandeln. Möglich wäre rein rechnerisch ein Bündnis aus der linksliberalen D66 und den konservativen Parteien VVD und CDA. Eine Zusammenarbeit mit Timmermanns und der GL-PvdA hatte die VVD vor der Wahl ausgeschlossen.
Reaktionen auf Ergebnis der Niederlande-Wahlen: CDA und D66 jubeln
Update, 21:59 Uhr: Auch bei der konservativen CDA fallen die Reaktionen auf das Ergebnis der Niederlande-Wahl erleichtert aus. Die CDA, die viele Fachleute vor zwei Jahre noch kurz vorm endgültigen Ende sahen, feiert ein fulminantes Comeback. Mit um die 19 Prozent dürften die Christdemokraten auf ihr bestes Wahlergebnis seit fast 20 Jahren kommen.
Update, 21:47 Uhr: Die erste Reaktion von Gert Wilders auf das katastrophale Wahlergebnis seiner PVV liegt vor. Auf dem Kurznachrichtendienst X schrieb der Rechtspopulist: „Die Wähler haben gesprochen. Wir hatten auf ein anderes Ergebnis gehofft, aber wir haben uns nicht unterkriegen lassen. Wir sind kämpferischer denn je und nach wie vor die zweitgrößte und vielleicht sogar größte Partei der Niederlande.“
Erstmeldung vom 29. Oktober 2025: Den Haag/Amsterdam – Es war der dritte Urnengang in vier Jahren. Weil Geert Wilders seine in der Partei für die Freiheit (PVV) versammelten Rechtspopulisten aus der Regierung holte, standen Neuwahlen in den Niederlanden an. Umfragen im Vorfeld hatten ein enges Rennen vermuten lassen. Doch nicht mal auf die könne man sich wirklich verlassen, was Politologe und Benelux-Experte Siebo Janssen in seiner Reaktion darauf deutlich machte: „Niederländische Umfragen muss man immer mit Skepsis sehen.“
Kurz nach 21 Uhr gingen die ersten Ergebnisse der Niederlande-Wahl 2025 ein. Laut den vorläufigen und unter Vorbehalt zu genießenden Zahlen bekam Wilders als Reaktion auf den Regierungsbruch die Quittung an der Wahlurne. Die PVV rutschte um zwölf Punkte ab und wird ihren Platz als größte Fraktion wohl an die D66 verlieren. Die Anhängerinnen und Anhänger der linksliberalen Parteien reagierten mit frenetischem Jubel auf die ersten Zahlen: mit einem Zuwachs von 18 Prozent verdreifachte die D66 ihren Stimmenanteil.
Wilders hatte Neuwahlen in den Niederlanden provoziert, indem er die Koalition, die zeitweise aus vier Parteien bestand, im Streit über die Migrationspolitik hatte platzen lassen. Als Reaktion auf das folgende Chaos in der niederländischen Politik hatten alle etablierten Parteien eine Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten der PVV abgelehnt.
Wilders, der sich dank seiner Rhetorik und seines politischen Kurses den Spitznamen eines niederländischen Donald Trump verdiente, hatte vor den Niederlande-Wahlen einen „totalen Asylstopp“ versprochen und dafür auch den Einsatz der Armee an der Grenze ins Spiel gebracht. Von der Europäischen Union (EU) forderte der Rechtspopulist ebenfalls eine deutliche Verschärfung der Grenzpolitik.
Donald Trumps Orbit: Einflüsterer, Berater und Vertraute des Präsidenten
In Reaktion auf den die Debatte vor den Niederlande-Wahlen überstrahlenden Wilders positionierten sich Frans Timmermans vom rot-grünen Bündnis GroenLinks-PvdA und Rob Jetten von der linksliberalen D66 als seriöse Alternativen. Umfragen bescheinigten vor allem den progressiven „Democraten66“ gute Chancen.
Die nächste Reaktion auf die Niederlande-Wahlen werden Koalitionsverhandlungen sein. Diese könnten Monate anhalten. Nach der Wahl 2023 dauerte es ganze neun Monate, bis eine neue Regierung stand – wenn auch mit kurzer Lebensdauer. Nun aber scheint ein linkes Bündnis aus D66 und der GroenLinks-PvdA zum Greifen nahe. (Verwendete Quellen: Recherche, NOS, Nederlands Dagblad) (dil)