Kritik am Ukraine-Krieg

Politiker geht in russischem TV auf Putin los: „Desaströser Fehler“

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Für seinen Ukraine-Krieg wurde Präsident Putin von einem Oppositionspolitiker scharf kritisiert. (Archivbild)
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In Russland wächst die Kritik am Ukraine-Krieg. Ein Oppositionspolitiker schoss im Staatsfernsehen gegen Putin - und malte sich ein düsteres Kriegsende aus.

Moskau - Mittlerweile ändert sich auch in Russland der Ton über den Ukraine-Krieg. Putins Kriegsführung stößt immer wieder auf kritische Stimmen, der ehemalige Geheimdienstoffizier Igor Girkin sprach sogar von einer Amtsenthebung Putins. Doch auch oppositionelle Kritiker kommen mittlerweile häufiger zu Wort. Der Politiker Boris Nadeschdin war schon häufiger mit Kritik am Krieg aufgefallen. Jetzt ging er im Staatsfernsehen auf den Kreml-Chef los - und bezeichnete den Ukraine-Krieg als „desaströsen Fehler“.

Oppositionspolitiker kritisiert Ukraine-Krieg: Putins Rechnung ging nicht auf

„Offensichtlich war der Krieg gegen die Ukraine ein desaströser Fehler“, sagte Nadeschdin unverblümt im russischen Staatsfernsehen. Der ukrainische Politiker Anton Heraschtschenko teilte Aufnahmen der Talk-Sendung auf Twitter. Nadeschdin kritisiert den Ukraine-Krieg darin scharf.

Der Oppositionspolitiker erklärte, dass sich Wladimir Putins Vorstellung über den Kriegsverlauf nicht bewahrheitet habe. „Geplant war es als ein Kolonialkrieg“, sagte der ehemalige Duma-Vertreter. Die russische Bevölkerung sollte weiterleben wie bisher, ins Theater oder Fußballstadion gehen und sorgenfrei sein. Derweil hätte Putin nach eigenem Plan russische Truppen ausgesandt, die ukrainische Armee wäre geflohen und Selenskyj aus Schreck in den Westen abgehauen. In einem Blitzkrieg sollte Russland Kiew innerhalb weniger Tage erobern.

Kreml-Chef in der Kritik: „Ich weiß nicht, wer Putin gesagt hat...“

Mittlerweile kämpfen die Ukrainer allerdings seit fast 11 Monaten gegen die russische Invasion an. „Ich weiß nicht, wer Putin gesagt hat, die Ukrainer würden keinen Widerstand leisten“, sagte Nadeschdin. Nach fast einem Jahr sehe er zwar Fortschritte an der Front, zum Beispiel in der Stadt Saporischschja, doch diese Fortschritte hätten einen Preis.

Zahlreiche ukrainische Städte seien komplett zerstört, Mariupol sei ein Schreckensort, so der Oppositionelle. Millionen Menschen fliehen aus der Ukraine, auch in Russland kämen einige von ihnen unter. „Wir sehen die größte humanitäre Katastrophe“, meinte der Kriegsgegner. Es habe sich herausgestellt, dass die russische Armee nicht funktioniere.

Oppositioneller malt düsteres Kriegsende aus: „Wollt ihr das?“

Nadeschdin glaubt nach eigenen Angaben nicht daran, dass die Ukraine den Krieg gewinnen wird. Er könne sich jedoch vorstellen, dass Russland Kiew noch im Sturm erobert. Dieser Sieg käme für Russland allerdings mit einem hohen Preis, meinte der 63-Jährige. Putin müsse dafür zum einen eine Mobilisierung im ganzen Land verkünden und Millionen russischer Männer einberufen.

Zudem müssten die Grenzen der Ukraine geschlossen werden und das Kriegsrecht ausgerufen werden. Doch das Ergebnis werde sein, dass große Städte wie Kiew oder Charkiw als Ruinen enden werden, ähnlich wie Mariupol. „Es wird hunderttausende tote Menschen geben. Wollt ihr das?“, fragte Nadeschdin schließlich in die Runde. Das frühere Duma-Mitglied stellte nicht zum ersten Mal offen die Strategie des russischen Militärs in Frage. Er fordert den Kreml zu Verhandlungen mit Kiew auf, um den Krieg zu beenden. (sf)

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