Nächste Schritte im Ukraine-Krieg?

„Direkt aus dem Kreml-Taktikhandbuch“: USA vermuten neuen Putin-Plan für Ukraine noch im Mai

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  • Magdalena von Zumbusch
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Russland könnte in den kommenden Wochen versuchen, Teile der Ukraine zu annektieren, glaubt ein der US-Geheimdienst. Es droht eine neue Eskalationsstufe.

Moskau - Seit rund zehn Wochen dauern die Kämpfe im Ukraine-Krieg bereits an. Ob der Angriff Russlands auf die Ukraine schlechter verläuft als von Russlands Präsident Wladimir Putin kalkuliert, ist schwer zu sagen. Die Angaben beider Seiten zu ihren Verlusten widersprechen sich und sind aktuell während der laufenden Kämpfe nicht unabhängig überprüfbar.

Das langsame russische Vorrücken in der Ukraine ist aber wohl nur teilweise auf eine Schwächung und schlechte Koordination der russischen Truppen zurückzuführen. Markus Reisner, ein Militär-Experte Österreichs zumindest geht davon aus, dass dahinter auch durchaus auch Strategie stecken könnte: Russland vermeide durch sein vorsichtiges, langsames Vorgehen, in einen Hinterhalt zu geraten.

Die (fast) vollständige Einnahme verschiedener Landesteile vor allem im Süden der Ukraine (darunter der wichtigen Städte Mariupol und Cherson) spricht wohl auch dafür, dass die Umsetzung des russischen Angriffs möglicherweise nicht so weit hinter der Planung Moskaus zurückbleibt, wie es teilweise dargestellt wird.

Ukraine-Krieg: Putins angeblicher Plan eines Siegs bis 9. Mai geht wohl nicht auf

Ein Sieg bis zum 9. Mai, wie er laut einem Nato-Papier ursprünglich von Russland angestrebt wurde, wird nach aktuellem Stand wohl kaum zu erreichen sein. Die Lage für die Ukraine verschlechtert sich aber in vielen Teilen des Landes seit Ende April zunehmend. Den ukrainischen Truppen gehen offenbar die Waffen aus, Lieferungen aus dem Westen werden dringend benötigt. Nahezu überschwänglich dankte der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow laut einem Bericht der deutschen Presseagentur seiner deutschen Kollegin Christine Lambrecht für die angekündigte Lieferung von Flugabwehrpanzern.

Video: Weitere Eskalationsstufe im Ukraine-Krieg ab dem 9. Mai?

Der ukrainische Verteidigungsminister geht davon aus, dass dem Land nach gut zwei Monaten Krieg und dem Verlust tausender Soldaten weitere „äußerst schwierige Wochen“ bevorstünden. Die Ausbildung an den gelieferten Waffen und die Logistik bräuchten Zeit, meint er. Ihm sei auch klar, dass Russland in den Militärhilfen aus dem Westen eine Provokation sehe, die zu einer weiteren Eskalation in dem Konflikt führen werde. So wird die von Kanzler Olaf Scholz nun zugesagte Lieferung von Waffen an die Ukraine in Deutschland auch nicht von allen begrüßt.

Fast täglich berichten die russischen Streitkräfte darüber, wie sie Lager mit Waffen und Munition in der Ukraine vernichten, fasst die deutsche Presseagentur die Meldungen russischer Medien zusammen: Der russische Generalmajor Igor Konaschenkow, für viele „Moskaus bekanntestes Gesicht in dem Krieg“, erkläre in Sendungen des Verteidigungsministeriums täglich morgens und abends, wo welches Objekt getroffen worden sei. Außerdem informiere er das russische Volk über militärische Details.

Putins nächste Schritte: Scheinreferenden zur Anschließung des Donbass?

Erklärtes Ziel von Putins Krieg ist nach eigenen Angaben eine „Entmilitarisierung“ der Ukraine. Russland sehe deshalb die von den Nato-Staaten gelieferten Waffen und Munition als „legitime“ Ziele, wie Außenminister Sergej Lawrow in Moskau bekanntgab.

Darüber hinaus ist die Anschließung der Ukraine an Russland zumindest in Teilen geplant und steht möglicherweise kurz bevor. Laut einem Bericht der Washington Post, in dem ein hoher US-Beamter zitiert wird, werde Russland wahrscheinlich bereits Mitte Mai fingierte Referenden abhalten, nach denen es so scheinen werde, als ob die Bewohner von Donezk, Luhansk und Cherson die Ukraine verlassen und sich Russland anschließen wollten. Im Anschluss daran werde Russland mit hoher Wahrscheinlichkeit Moskau-treue Anführer in den Regionen einsetzen.

Auch der amerikanische Botschafter bei der europäischen Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) mit Hauptsitz in Wien berichtete laut Washington Post jüngst, dass Russland nun „wie nach dem Taktikhandbuch des Kremls“ in den inzwischen russisch kontrollierten Gebieten noch im Mai „Scheinreferenden“ plane, um die selbsternannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk an Russland anzuschließen. Putin wolle durch die Referenden seinem Handeln einen demokratischen Anstrich geben, so Carpenter.

Ukraine-Krieg: Stadt Cherson als nächstes unabhängiges Separatisten-Gebiet?

Es gebe zudem Hinweise, dass Russland auch in der eingenommenen südukrainischen Stadt Cherson eine Abstimmung über die Unabhängigkeit von der Ukraine organisieren werde. Dazu passen würde eine Meldung der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti, dass bereits Anfang Mai in der Region Cherson die russische Währung Rubel eingeführt werden solle. Auch hier ist eine Anschließung der Region an Russland ein mögliches Endziel. Gut denkbar ist ein Szenario, in dem Putin den Krieg soweit „gewinnt“, dass er die Landesteile im Süden und Osten der Ukraine an Russland anschließen kann.

Kommt Russlands Generalmobilmachung? Zum 9. Mai fürchten Experten eine Ausweitung des Ukraine-Kriegs. Eine Mobilmachung wäre für Deutschland gravierend. (mit Material von dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Alexei Danichev

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