VonAndreas Schmidschließen
Unangenehme Wochen für die FDP: Nach drei enttäuschenden Landtagswahlen rutschen die Liberalen in der Sonntagsfrage unter zehn Prozent. Die CDU rangiert vorne.
Berlin - „Die CDU ist wieder zurück auf Platz eins unter den deutschen Parteien.“ Das sagte CDU-Parteichef Friedrich Merz nach der gewonnenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen Mitte Mai. Der Bundestrend gibt Merz weiterhin recht. In der aktuellen Sonntagsfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa liegt die Union an der Spitze.
In der Umfrage im Auftrag der Bild-Zeitung kommen CDU und CSU auf 27 Prozent, einen Prozentpunkt weniger als in der Vorwoche. Auf Rang zwei folgt die Kanzlerpartei SPD mit 23 Prozent. Die Sozialdemokraten scheinen den jüngsten Abwärtstrend samt Kanzlerschelte etwas stoppen zu können – sie machen im Vergleich zur vorherigen Umfrage des Instituts zwei Prozentpunkte gut. Auf Platz drei folgen die Grünen mit unveränderten 19 Prozent.
Umfrageklatsche für FDP: Lindner-Partei rutscht im Bund unter 10 Prozent
Verlierer der aktuellen Erhebung ist die FDP. Sie rutscht - ebenso wie die AfD - unter die Zehn-Prozent-Marke und landet bei 9 Prozent. Die Umfrage trifft die Ampel-Partei in einer Phase, in der es ohnehin nicht gerade rosig für sie aussieht.
Im Saarland sind die Freien Demokraten - ebenso wie die Grünen - aus dem Landtag geflogen. In Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen haben sie ihr Ergebnis nahezu halbiert. Die Folge: Die FDP rutscht aller Voraussicht nach in Düsseldorf aus der Regierung. Statt Jamaika-Koalition (CDU, Grüne, FDP) heißt es im Norden fortan wohl ebenso Schwarz-Grün wie in NRW, wo die vergangene Regierung aus CDU und FDP keine Mehrheit mehr hat. Derzeit laufen die Sondierungsgespräche. In Nordrhein-Westfalen stimmten die Grünen am Sonntag (29. Mai) für konkrete Koalitionsgespräche.
Hinweise zur Umfrage
Das Meinungsforschungsinstitut Insa hat im Auftrag der Bild am Sonntag 1337 Personen im Zeitraum vom 23. bis zum 27. Mai 2022 befragt. Die maximale Fehlertoleranz liegt bei +/- 2,8 Prozentpunkten. Die Frage lautete nach Insa-Angaben: „Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, wie würden Sie wählen?“
FDP: Warum rutschen die Liberalen in Umfragen ab?
Worin liegt der Absturz der FDP begründet? Auf Landesebene gab es für die Wahlergebnisse offenbar Gründe wie eine teils als verfehlt wahrgenommene Bildungspolitik in Nordrhein-Westfalen oder einen gewissen „Corona-Groll“. Und im Bund? Hier finden die Befragten die FDP mittlerweile offenbar zu unsichtbar. 41 Prozent der Umfrageteilnehmer waren der Meinung, dass die Grünen in der Bundesregierung den Ton angeben. 28 Prozent sehen die SPD um Kanzler Olaf Scholz in dieser Rolle. Für lediglich elf Prozent ist die FDP der Taktgeber.
Auch in der eigenen Partei glaubt eine relative Mehrheit der Anhänger, dass vor allem die Grünen bestimmen. 41 Prozent sind dieser Meinung, immerhin 30 Prozent der FDP-Anhänger meinen aber, dass die Liberalen in der Ampel-Koalition selbst am meisten zu sagen haben. Eigentlich sah es in den ersten Tag der Regierung Scholz danach aus, als könne sich vor allem die FDP profilieren. So setzte die Partei etwa ihr Veto zu Steuererhöhungen oder einem Tempolimit durch.
Aktuell scheinen sich die Freien Demokraten jedoch schwer damit zu tun, aus ihrer Arbeit im Bund Profit zu schlagen. Ein möglicher Trost für die FDP: Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang. Die nächste Wahl in Deutschland findet erst im Oktober statt: Dann wählt Niedersachsen einen neuen Landtag. (as)
