VonSandra Katheschließen
Frankreichs Außenminister Barrot sieht die Möglichkeit weiterer russischer Angriffe auf europäische Grenzen und warnt davor, die Pläne Putins zu unterschätzen.
Paris – Vor dem Hintergrund der aktuellen Verhandlungen zum Krieg in der Ukraine hat der französische Außenminister Jean-Noël Barrot vor dem Szenario weiterer militärischer Konflikte in Europa gewarnt. Entgegen der Ankündigungen des US-Sondergesandten Steve Witkoff, der in Trumps Auftrag eine mögliche Lösung für die Ukraine mitverhandelt und sich zuletzt opimistisch gab, dass Wladimir Putin keine weiteren Ziele in Europa angreifen werde, halte Barrot dieses Szenario für „äußerst realistisch“. Das zitierte nun die französische Zeitung Le Monde.
Demnach seien Russlands Aggressionen Europa gegenüber viel mehr als bloße Theorie und bereits von etlichen europäischen Ländern ganz praktisch wahrgenommen worden. Das äußere sich nicht nur in konkreten Drohungen, sondern auch vermehrt in der systematischen Manipulation von Informationen sowie „Sabotageakten und Versuchen, europäische Staaten zu destibilisieren“, sagte Barrot bei einem Staatsbesuch in Singapur.
Frankreichs Außenminister Barrot: Frieden in Europa nur ohne Bedrohung möglich
Nach der Auffassung des französischen Politikers, der seit September 2024 unter Emmanuel Macron als Außenminister Frankreichs dient, ließe sich ein Frieden in Europa allerdings nur dann sichern, wenn „jede Bedrohung verhindert“ werden könnte, wozu neben einem Ende des Ukraine-Kriegs auch offizielle Zusicherungen seitens Russland gehörten, dass es auch in anderen europäischen Ländern Grenzen und Souveränität anerkennt.
Zu den Ländern, in denen Sorge herrscht, dass Russland auch hier anfangen könnte, politischen oder gar militärischen Druck auf die Grenzen auszuüben, zählen Berichten des ZDF zufolge etwa Georgien, Moldau und Kasachstan. Aber auch Finnland und die baltischen Staaten blicken mit besonderer Aufmerksamkeit in Richtung des östlichen Nachbarn sowie auf die Verhandlungen zum möglichen Kriegsende in der Ukraine.
Im Rahmen von Ukraine-Verhandlungen: Trump-Vertrauter sieht keine Gefahr für Europa
Diesen Befürchtungen hatte zuletzt Trumps Sondergesandter Witkoff widersprochen und klar betont, dass Putin nicht vorhabe, „ganz Europa“ einzunehmen und in Wahrheit nur in Frieden mit den europäischen Nachbarn leben wolle, wie er dem US-Sender Fox News sagte. Die Deutsche Presse-Agentur zitierte darüberhinaus einen Fernseh-Auftritt von Witkoff, in dem er sagte, durch die Existenz der Nato sei die Situation eine völlig andere als sie es seinerzeit im Zweiten Weltkrieg gewesen ist.
Doch auch das Verteidigungsbündnis Nato sieht seit der Amtsübernahme von Donald Trump aktuell ungewissen Zeiten entgegen, wie europäische Politiker immer wieder warnen. So hat Trump bereits mehrfach signalisiert, dass er sich nötigenfalls von Europa abwenden wolle, etwa, wenn die europäischen Staaten keine höheren Beträge in Finanzierung der Nato stecken. Auch die derzeitigen Verhandlungen zur Zukunft der Ukraine finden mit Zustimmung der USA ohne europäische Beteiligung statt. Viele Länder – darunter Frankreich sowie Deutschland – haben dennoch klar gemacht, der Ukraine weiter zur Seite stehen zu wollen. (saka mit AFP)
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