Niedersachsen-Wahl 2022

„Althusmann wird nicht Ministerpräsident“: FDP wildert im CDU-Lager um Zweitstimmen

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Streiten sich um die Zweitstimmen: Bernd Althusmann (CDU) und FDP-Spitzenkandidat Stefan Birkner (FDP).
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Die FDP zittert um den Wiedereinzug: Vor der Niedersachsen-Wahl startet die FDP einen Kampf um die Zweitstimme – auf Kosten der CDU von Bernd Althusmann.

Hannover – Es ist durchaus ein Frontalangriff: Eine Woche vor der Niedersachsen-Wahl 2022 buhlt die FDP jetzt um die konservativen Wähler. So schmälerten die Liberalen die Wahlaussichten der CDU und warben mit einer Kampagne offensiv um die Zweitstimmen im bürgerlichen Lager. „Bernd Althusmann wird nicht Ministerpräsident werden“, sagte FDP-Generalsekretär Konstantin Kuhle in Hannover. Jede Stimme, die in der Hoffnung auf den Regierungswechsel abgegeben werden würde, sei eine verlorene. Mit der Attacke reagierte die Partei auf den eigenen Umfrageabsturz.

Niedersachsen-Wahl 2022: FDP startet Kampf um Zweitstimmen – Rettung vor dem Tief in den Umfragen?

Am 9. Oktober wird bei der Niedersachsen-Wahl 2022 der neue Landtag bestimmt. Laut dem ZDF-Politbarometer von Freitag (30. September 2022) liegt die SPD mit Ministerpräsident Stephan Weil in Führung (32 Prozent). Die CDU mit Spitzenkandidat Bernd Althusmann schafft es nur auf 27 Prozent. Während die Grünen immerhin noch 16 Prozent erreichen, muss die FDP mit ihrem Spitzenkandidaten Stefan Birkner um ihren Wiedereinzug ins niedersächsische Parlament fürchten. Den Liberalen droht ein Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde.

Streiten sich um die Zweitstimmen: Bernd Althusmann (CDU) und FDP-Spitzenkandidat Stefan Birkner (FDP).

Zweitstimmenkampagne der FDP: Liberale machen vor Niedersachsen-Wahl der CDU das Leben schwer

Vor diesem Hintergrund erscheint ein Machtwechsel nach der Niedersachsen-Wahl 2022 eher schwierig. Auf den Umfragen, die immer vom tatsächlichen Wahlergebnis abweichen, könnte Rot-Grün über eine Mehrheit verfügen. Ministerpräsident Weil hatte dies stets als seine bevorzugte Koalition bezeichnet. Im Gegenzug schließt Althusmann eine erneute Auflage der Großen Koalition aus, zumindest unter SPD-Führung. Der Wirtschaftsminister liebäugelt stattdessen mit einer schwarz-grünen Koalition, wie er im Interview mit kreiszeitung.de verraten hatte. Doch dieser Weg scheint derzeit eher verschlossen zu sein.

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Deshalb gab die FDP nun ihre Zurückhaltung auf. „Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die CDU aus der Landesregierung ausscheiden wird“, sagte Kuhle laut der Nachrichtenagentur dpa. Man müsse den Menschen sagen, dass jede Stimme für die CDU eine Stimme ist, die am Ende in der Opposition landet. Daher gelte: „Jetzt kommt es auf die Zweitstimme für die FDP an.“

Zweitstimme für FDP – wie sinnvoll ist das?

In Deutschland haben die Wähler bei der Bundestagswahl zwei Stimmen. Mit der Erststimme wählen sie eine Person. Mit der Zweitstimme wählen sie eine Partei. Die Zahl der Zweitstimmen für eine Partei entscheidet darüber, mit wie vielen Abgeordneten diese Partei im Bundestag vertreten sein wird.

Landtagswahl Niedersachsen: Liberale kämpfen um den Wiedereinzug in den Landtag

Es ist nicht das erste Mal in der Geschichte, dass die FDP eine Zweitstimmenkampagne startet. Zuletzt hatte die Partei bei der Bundestagswahl 2013 darauf gesetzt – jedoch ohne Erfolg. Im Gegenteil, nach mehreren Jahrzehnten flogen die Liberalen für vier Jahre aus dem Parlament raus. Dennoch sieht die Partei nun in Niedersachsen offenbar keine andere Möglichkeit mehr, den Stimmenanteil wesentlich zu vergrößern. Mit der Zweitstimmenkampagnen sollen wenigstens die konservativen Wähler, die Althusmann zur Macht verhelfen könnten, im eignen Lager zu halten.

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