Luftverschmutzung

Schadstoffbelastung in deutschen Städten: Noch Luft nach oben

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Die Luftverschmutzung im städtischen Raum ist laut aktuellen Daten des Umweltbundesamtes gesunken - aber noch nicht genug.

Gute Nachricht vom Umweltschutz: Die Luftqualität in deutschen Städten hat sich bei wichtigen Schadstoffgruppen wie Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO2) verbessert, wie neue Daten des Umweltbundesamtes für 2023 zeigen. Bei Feinstaub beispielsweise gab es an den Messstellen bundesweit keine Grenzwert-Überschreitungen, bei NO2 nur zwei. Allerdings bedeutet das nicht, dass weitere Verbesserungen etwa durch eine beschleunigte Verkehrswende unnötig wären. Denn ein Großteil der Messstellen liegt noch über den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwerten. Die Wissenschaft und NGOs wie die Deutsche Umwelthilfe machen Druck, dass Deutschland die WHO-Werte übernimmt.

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Die aktuellen Feinstaub-Grenzwerte werden laut den UBA-Daten bereits seit 2018 nicht mehr überschritten. Vorher hatten Messstationen in vielen Großstädten, darunter in Stuttgart, Berlin und im Ruhrgebiet, die Vorgaben regelmäßig gerissen. Im Jahr 2013 beispielsweise wurde in Stuttgart („Am Neckartor“) der maximal erlaubte Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter 91-mal übertroffen, zulässig wäre 35-mal gewesen. Auch bei Stickstoffdioxid zeigen die Daten deutliche Verbesserungen. So wurde 2023 der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresdurchschnitt nur noch in München mit 45 und in Essen mit 42 übertroffen. 2013 gab es Überschreitungen noch an über 160 Messstellen.

Menschen in Ballungsgebieten besonders betroffen

Verkehr und Industrie sind Gründe für schlechte Umweltwerte in Ballungsgebieten wie Berlin.

Hauptquellen von Schadstoffen wie Feinstaub und Stickstoffdioxid sind Verbrennungsprozesse in Verkehr, Kraftwerken und Industrie, aber auch die Landwirtschaft verursacht Emissionen. Folgen für die Gesundheit können bei langfristigen Belastungen unter anderem Herzerkrankungen, Schlaganfälle, Diabetes, Lungenerkrankungen bis hin zum Lungenkrebs sowie Asthma sein. Rund 35 Prozent der Deutschen leben in Ballungsgebieten und sind daher besonders betroffen.

In den Städten ist der Verkehr eine Hauptquelle der Belastung. Hier ist die Luft laut Umweltbundesamt vor allem durch die Erneuerung der Fahrzeugflotte besser geworden. Besonders die Diesel-Pkw, die früher im Abgas hohe Feinstaub- und NO2-Werte aufwiesen, seien mittlerweile deutlich sauberer unterwegs. Allerdings gibt die Behörde zu bedenken, dass die derzeit in der EU und in Deutschland gültigen Grenzwerte für beide Schadstoffe mehr als 20 Jahre alt sind. Sie müssten überarbeitet und an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die gesundheitlichen Folgen der verschmutzten Luft angepasst werden.

Gesundheit und Klima profitieren

Für den Menschen ist Luftverschmutzung laut der Allianz für Klimawandel und Gesundheit das größte umweltbedingte Gesundheitsrisiko in Europa.

Luftschadstoffe wie Schwefeloxide, Stickoxide, Feinstaub und Ozon können zu Krankheiten wie Asthma, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Sie wirken auf die Atemwege. Kleinere Partikel wie Feinstaub können über die Lungen direkt ins Blut aufgenommen werden.

Die Allianz für Klimawandel und Gesundheit weist darauf hin, dass Luftverschmutzung und Klimawandel eine gemeinsame Ursache haben: den Gebrauch fossiler Brennstoffe wie Benzin, Kohle, Öl und Holz.

„Grundsätzlich gilt, dass die meisten Klimaschutzmaßnahmen auch die Luftqualität verbessern werden“, heißt es bei der Allianz. „Sie wirken damit positiv auf das Klima, die menschliche Gesundheit und die Natur.“ FR

Tatsächlich empfiehlt die WHO seit 2021 deutlich niedrigere Richtwerte, um die Gesundheitsgefahren zu minimieren. Bei Feinstaub (PM2,5) sollten sie auf ein Fünftel gesenkt werden, von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresschnitt auf fünf, und bei Stickstoffdioxid auf ein Viertel, von 40 Mikrogramm auf zehn. Dass die schlechte Luft trotz der Verbesserungen in den letzten Jahren immer noch ein potenter Killer ist, zeigen Daten der EU-Umweltagentur EEA in Kopenhagen, die Ende letzten Jahres veröffentlicht wurden. Rund 253 000 vorzeitige Todesfälle in der EU gingen demnach 2021 auf das Feinstaub-Konto, davon alleine rund 30 000 in Deutschland. Bei NO2 geht die EEA von EU-weit rund 52 000 und für die Bundesrepublik von 10 000 Todesfällen aus. Die EU hat das Ziel, die Zahl der Feinstaub-Todesfälle bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 2005 zu reduzieren.

Die EEA-Fachleute forderten auch, die von der WHO empfohlenen Richtwerte einzuhalten, um Todesfälle zu vermeiden. Es brauche dazu Maßnahmen auf EU-Ebene, aber auch auf nationaler und lokaler Ebene. In den Städten etwa gehe es vor allem darum, den Verkehr neu zu organisieren, etwa durch mehr Nutzung von ÖPNV und Fahrrad, um Menschen vor Luftverschmutzung zu schützen – eine Strategie, die auch dem Klimaschutz, Stichwort Verkehrswende, nützen würde.

Umweltverbände fordern Angleichung an WHO-Grenzwerte

Auch die Umweltorganisation DUH fordert die Bundesregierung angesichts der neuen UBA-Daten auf, die Grenzwerte „noch in diesem Jahr WHO-konform anzupassen“. Nach DUH-Auswertung werden die WHO-Empfehlungen für Feinstaub an 99 Prozent und bei dem „Dieselabgasgift“ an knapp drei Vierteln aller Messstationen in Deutschland überschritten. Außerdem brauche es eine klare Positionierung der Bundesregierung bei den laufenden Verhandlungen zur EU-Luftqualitätsrichtlinie – „für die saubere Luft und gegen Ausnahmeregelungen zur Einhaltung neuer Grenzwerte“. Hier habe Deutschland auf Druck der Industrie und Weisung von Bundeskanzler Scholz (SPD) angekündigt, sich zu enthalten.

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch kritisierte: „Die neuesten Daten des Umweltbundesamts zeigen: Atmen in Deutschland ist gesundheitsschädlich. Doch die Bundesregierung weigert sich noch immer, die gesetzlichen Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid an die WHO anzupassen“. Beim Showdown der Verhandlungen in Brüssel über strengere Grenzwerte plane die Ampel erneut, sich zu enthalten. Sie nehme dadurch zusätzliche Hunderttausende vorzeitige Todesfälle in Kauf. „Wir fordern den Bundeskanzler auf, in Sachen saubere Luft die Führung zu übernehmen.“

Rubriklistenbild: © IMAGO / Frank Sorge

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