Atomwaffenfähiger Raketenkoloss Hwasong-17

Nordkorea bestätigt Abschuss von Interkontinentalrakete – G7 und EU: „Rücksichtsloses Vorgehen“

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Nordkorea bestätigt den Test einer Interkontinentalrakete, die die Ostküste der USA erreichen können soll. Die neue Rakete könne im Kriegsfall eingesetzt werden. Die G7 und die EU verurteilen den Test am Freitag.

Update vom 26.3.2022, 9.08 Uhr: Die USA fordern aufgrund des Tests einer Interkontinentalrakete eine Verschärfung der UN-Sanktionen gegen Nordkorea gefordert. Wegen der "zunehmend gefährlichen Provokationen" Nordkoreas würden die USA eine Resolution im UN-Sicherheitsrat einbringen, um das 2017 beschlossene "Sanktionsregime zu aktualisieren und zu stärken", sagte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Linda Thomas-Greenfield, am Freitag Ortszeit während einer Sitzung des höchsten UN-Gremiums.

Damals sei beschlossen worden, dass im Falle eines erneuten Tests einer Interkontinentalrakete weitere Maßnahmen ergriffen würden. "Genau das ist nun geschehen. Deshalb ist es jetzt an der Zeit, diese Maßnahmen zu ergreifen", betonte Thomas-Greenfield. Es ist bekannt, dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un beim Aufbau eines Systems von Langstreckenraketen vor allem die USA bedrohen will. Thomas-Greenfield forderte zudem alle Mitgliedstaaten auf, die bestehenden Resolutionen des Sicherheitsrates vollständig umzusetzen."

Jubel über erfolgreichen Test einer Interkontinentalrakete: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un

Nordkorea bestätigt Test einer Interkontinentalrakete

Erstmeldung vom 25.3.2022: München/Seoul – Nordkorea hat den Test einer atomwaffenfähigen Interkontinentalrakete (ICBM) bestätigt. Machthaber Kim Jong Un selbst habe die letzte Vorbereitungsphase für den Start einer ICBM des Typs Hwasong-17 angeleitet und den Abschussbefehl gegeben, berichteten die staatlich kontrollierten Medien am Freitag. Der Test habe „die Zuverlässigkeit ihres sofortigen Einsatzes unter Kriegszeitbedingungen“ nachgewiesen. Japan und Südkorea hatten bereits am Donnerstag von dem Test berichtet. Die Rakete kann nach nordkoreanischen Angaben die Ostküste der USA erreichen. Zu ICBM zählen Raketen, die mehr als 5500 Kilometer weit fliegen können.

Die G7-Staaten und die EU verurteilten umgehend den Raketentest. „Dieses rücksichtslose Vorgehen bedroht Frieden und Sicherheit sowohl in der Region als auch international“, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme am Freitag. „Diese Tests verdeutlichen die fortgesetzten Bemühungen der Demokratischen Volksrepublik Korea, ihre ballistischen Fähigkeiten auszuweiten und weiterzuentwickeln“, erklärten die G7-Außenminister und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. Südkoreas Präsident Moon Jae In warf Nordkorea vor, das selbst auferlegte Moratorium für Tests mit militärischen Langstreckenraketen nun komplett durchbrochen zu haben, die Sicherheit in der Region zu bedrohen und gegen UN-Resolutionen zu verstoßen. Japans Verteidigungsminister Nobuo Kishi sprach am Freitag von einer „ernsthaften Bedrohung mit einer anderen Dimension als zuvor“.

Nordkorea: Raketensystem trotz UN-Resolutionen weiterentwickelt

Nordkorea habe seine nuklearen und ballistischen Raketenprogramme stetig weiterentwickelt, hieß es Anfang Februar in einem UN-Bericht. Damit verstoße Pjöngjang gegen bestehende UN-Resolutionen. Bei ICBM und anderen ballistischen Raketen handelt es sich in der Regel um Boden-Boden-Raketen, die je nach Bauart auch einen Atomsprengkopf tragen können. Der UN-Sicherheitsrat wollte sich noch am Freitag in New York mit Nordkorea befassen. Seit Anfang des Jahres hat Kim Dutzende Raketen getestet, so viele wie noch nie in einem so kurzen Zeitraum.

Nordkoreanische Medien beschrieben die neuartige Interkontinentalrakete als „zuverlässiges Mittel zur Abschreckung eines Atomkriegs“. Sie warfen den USA vor, Nordkorea nuklear zu bedrohen. Sein Land sei „vollständig zu einer langfristigen Konfrontation mit den US-Imperialisten bereit“, zitierten sie Kim.

Nordkorea und USA: Verhandlungen über Atomprogramm stocken

Die Gespräche der USA mit Nordkorea über das Atomwaffenprogramm kommen seit mehr als drei Jahren nicht mehr voran. Experten nehmen daher an, Pjöngjang könnte versuchen, mit seinen jüngsten Raketentests den Druck auf Washington zu erhöhen. Die US-Regierung verurteilte den ICBM-Test, betonte aber, die Tür zum Dialog sei weiter geöffnet. Nordkorea müsse jedoch seine destabilisierenden Handlungen unverzüglich einstellen.

Die USA kündigten zudem neue Sanktionen gegen Einrichtungen an, die "sensible Elemente für das nordkoreanische Raketenprogramm" beschafft haben sollen – darunter auch zwei russische Unternehmen. Betroffen sind demnach das Büro für auswärtige Angelegenheiten der Zweiten Akademie der Naturwissenschaften Nordkoreas sowie ein nordkoreanischer Staatsbürger.

Zuletzt hatte Nordkorea 2017 drei Interkontinentalraketen namens Hwasong-15 getestet. Die neue soll aber noch größer sein und eine noch größere Reichweite haben. Den nordkoreanischen Medien zufolge wurde die Hwasong-17 am internationalen Flughafen von Pjöngjang abgefeuert, erreichte nach einem senkrechten Aufstieg eine Höhe von bis zu über 6200 Kilometern und traf das vorgesehene Ziel im Japanischen Meer 1090 Kilometer vom Startpunkt entfernt. Dem Verteidigungsministerium in Tokio zufolge landete die Rakete 150 Kilometer von der Küste entfernt innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone Japans im Meer.

Die G7 riefen die Führung in Pjöngjang auf, „ihre Programme im Zusammenhang mit Massenvernichtungswaffen und ballistischen Flugkörpern vollständig, nachprüfbar und unumkehrbar aufzugeben“. Das Vorgehen Nordkoreas erfordere „eine einheitliche Reaktion der internationalen Gemeinschaft“ einschließlich weiterer Maßnahmen des UN-Sicherheitsrats, so die Mitteilung. (ck/AFP/dpa)

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