Beziehungen auf dem Tiefpunkt

Militärische Eskalation? Nordkorea droht mit dem Einsatz von Atomwaffen

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Ein Fernsehbildschirm im Bahnhof Seoul zeigt ein Bild des nordkoreanischen Raketenstarts während einer Nachrichtensendung.
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Die USA und Südkorea verstärken ihre militärische Zusammenarbeit. Die Entsendung eines U-Boots sorgt in Nordkorea für Aufregung.

Pjöngjang - Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel nehmen weiter zu. Grund ist die Stationierung eines mit Atomwaffen bestückten U-Boots der US-Marine in Südkorea. Dies nahm Nordkorea zum Anlass, um seine Rhetorik im Streit mit den USA und Südkorea noch einmal deutlich zu verschärfen. Unmissverständlich drohte das abgeschottete Land von Machthaber Kim Jong-un nun mit dem Einsatz von Atomwaffen.

So bezeichnete der nordkoreanische Verteidigungsminister Kang Sun Nam am Donnerstag (20. Juli) die Ankunft des U-Boots nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA als „nukleare Erpressung“ und „direkteste atomare Bedrohung“ für sein Land „seit 40 Jahren“. Die US-Streitkräfte sollten sich darüber „im Klaren sein, dass sie sich mit ihren Atomwaffen in äußerst gefährliches Fahrwasser begeben haben“. Die Entsendung eines US-amerikanischen atomgetriebenen U-Boots mit ballistischen Raketen könnte unter Pjöngjangs „Bedingungen zum Einsatz von Atomwaffen“ fallen, so Kang.

Südkorea warnt Nordkorea vor Einsatz von Atomwaffen

Die Antwort aus Südkorea ließ nicht lange auf sich warten. Sollte Nordkorea mit Atomwaffen angreifen, müsse es mit dem „Ende“ seines Regimes rechnen, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Freitag (21. Juli) eine Stellungnahme des Verteidigungsministeriums in Seoul. Sollte Nordkorea mit Atomwaffen angreifen, werde es eine „sofortige, überwältigende und entschlossene Antwort der Allianz geben“, zitierte Yonhap das Ministerium in Seoul. Ein solcher Angriff werde „das Ende des nordkoreanischen Regimes zur Folge haben“, hieß es.

Die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea sind derzeit auf einem historischen Tiefpunkt. Angesichts erhöhter Spannungen mit Nordkorea hatten die USA und Südkorea im April vereinbart, ihre militärische Zusammenarbeit zu verstärken. Dazu gehört auch eine sichtbarere Stationierung strategischer US-amerikanischer Waffensysteme, darunter Atom-U-Boote mit ballistischen Raketen. Solche Raketen können - je nach Bauart - auch mit einem oder mehreren Atomsprengköpfen bestückt werden. 

Mit Atomwaffen bestücktes U-Boot in Südkorea angekommen

Am Dienstag (18. Juli) hatten die USA mitgeteilt, in Südkorea ein atomwaffenfähiges U-Boot der Marine stationiert zu haben. Daraufhin feuerte Nordkorea am Mittwochmorgen nach Angaben des südkoreanischen Militärs zwei ballistische Kurzstreckenraketen ab - mutmaßlich als Reaktion darauf.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un droht immer wieder mit einer militärischen Eskalation in der Region und hatte angekündigt, das eigene Atomwaffenarsenal „exponentiell“ auszubauen. Washington und Seoul warnen deshalb bereits seit Monaten, dass Nordkorea in näherer Zukunft einen Atomwaffentest ausführen könnte. Es wäre der erste solche Test seit 2017.

Seit dem Ende des Koreakrieges (1950 bis 1953) herrscht auf der Halbinsel lediglich ein Waffenstillstand. Technisch gesehen befinden sich Süd- und Nordkorea noch immer im Kriegszustand. Während die USA Südkorea unterstützen, ist China Nordkoreas wichtigster Verbündeter. (cs/dpa/afp)

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