Angriffe auf Gewaltenteilung in den USA

Oberster Gerichtshof warnt: Trumps Rhetorik befeuert Gewalt gegen US-Richter

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Der oberste US-Richter John Roberts äußert Besorgnis über Gewalt gegen Juristen. Die politische Hetze erreicht einen neuen Höhepunkt.

Charlotte – Der Präsident des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, John Roberts, hat eindringlich vor der zunehmenden Gefährdung von Richterinnen und Richtern durch politische Hetze und gewalttätige Drohungen gewarnt. „Die Gefahr besteht natürlich darin, dass jemand darauf anspringt“, sagte Roberts am Samstag auf einer Richterkonferenz in Charlotte, North Carolina. „Und wir hatten natürlich ernsthafte Drohungen mit Gewalt und Mord gegen Richter, nur weil sie ihre Arbeit gemacht haben.“

Oberster Gerichtshof warnt: Trumps Rhetorik befeuert Gewalt gegen Richter

Zwar erwähnte Roberts keinen Namen, doch seine Worte fielen unmittelbar nach einer Serie aggressiver Angriffe von Präsident Donald Trump gegen Mitglieder der Justiz, die seine politischen Vorhaben juristisch ausgebremst hatten. Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 hatte Trump mehrfach gegen Bundesrichter polemisiert, die sich etwa gegen seine Maßnahmen zur Abschiebung von Migranten oder zum Umbau des Justizapparates stellten.

Roberts, der das höchste Gericht der USA seit 2005 leitet, verwies gemäß AFP und der New York Times auf die „hohe Feindseligkeit“, mit der Teile der Politik mittlerweile auf gerichtliche Entscheidungen reagierten – insbesondere wenn diese als Teil politischer Auseinandersetzungen empfunden würden. „Es wird gefährlich, wenn ein Richter, der lediglich seine Arbeit macht, plötzlich als Teil des Problems dargestellt wird“, so Roberts.

Trump hatte etwa unlängst öffentlich gefordert, Richter zu entlassen oder gar anzuklagen, wenn sie seine Dekrete blockieren – darunter ein Bundesrichter, der eine Massendeportation von Migranten juristisch und per einstweiliger Verfügung gestoppt hatte, weil verfassungsrechtliche Bedenken bestanden. Die Anordnung blockierte Trumps Erlass landesweit – bis der Oberste Gerichtshof am 27. Juni diese Art der richterlichen Eingriffe stark einschränkte. Doch damit nicht genug: Auch nutzte Trump einen Auftritt im Justizministerium im März, um Gegner aus Justizkreisen als „Scum“ (deutsch: „Abschaum“) und „radikale Hacks“, also extremistisch motivierte Mitläufer, zu diffamieren.

Donald Trumps Orbit: Einflüsterer, Berater und Vertraute des Präsidenten

Karoline Leavitt, Pressesprecherin des Weißen Hauses unter Donald Trump
Der Posten der Pressesprecherin des Weißen Hauses war in der ersten Amtszeit Donald Trumps ein regelrechter Schleudersitz. Gleich viermal wechselte die Besetzung. Seit 2025 bekleidet Karoline Leavitt das Amt. Zum Zeitpunkt ihrer Ernennung war Leavitt gerade mal 27 Jahre alt und ist damit die jüngste Pressesprecherin, die das Weiße Haus jemals hatte. © CHIP SOMODEVILLA/AFP
Elon Musk, hier mit seiner Mutter (l.), seinem Sohn und First Lady Melania Trump
Elon Musk, hier mit seiner Mutter (l.) und seinem Sohn sowie First Lady Melania Trump (r.), leitete zu Beginn in der neuen Regierung von Donald Trump eine Abteilung für effizientes Regieren: das „Department of Government Efficiency“ (DOGE). Der Milliardär und mutmaßlich reichste Mensch der Welt sollte nach den Vorstellungen Trumps „den Weg ebnen, um die Regierungsbürokratie abzubauen, überflüssige Vorschriften zu streichen, verschwenderische Ausgaben zu kürzen und die Bundesbehörden umzustrukturieren“. Doch die Freundschaft zwischen Musk und Trump hielt nicht lange. Nach Musks Ausscheiden aus DOGE kam es öffentlich zum Streit. © Alex Brandon/dpa
Unterstützung soll Elon Musk von Vivek Ramaswamy erhalten.
Unterstützung sollte Elon Musk dabei von Vivek Ramaswamy erhalten. Der 39 Jahre alte Geschäftsmann hatte sich bei den Vorwahlen in den USA noch als Präsidentschaftskandidat der Republikaner beworben und war damals gegen Donald Trump angetreten. Nun sollen Musk und Ramaswamy zu zweit einen Posten besetzen und die Regierung effizienter gestalten. Trump nannte sie beide „wunderbare Amerikaner“. © IMAGO/MATT MARTON
Jeff Bezos, hier mit seiner Verlobten Lauren Sanchez kurz vor der gemeinsamen Hochzeit in Venedig.
Nach dem öffentlichen Streit zwischen Donald Trump und Elon Musk rückt dessen größter Konkurrent näher an den US-Präsidenten heran: Jeff Bezos, hier mit seiner Verlobten Lauren Sanchez kurz vor der gemeinsamen Hochzeit in Venedig. Der Amazon-Gründer ist auch Chef der Weltraumfirma Blue Origin, die Musks SpaceX im Kampf um Regierungsaufträge gerne den Rang ablaufen möchte. Wohl auch deshalb telefonierte Bezos in den vergangenen Wochen gleich mehrfach mit Trump. © imago
Lara Trump ist die Schwiegertochter Donald Trumps
Lara Trump ist die Schwiegertochter Donald Trumps und seit mehreren Jahren schwer aktiv in Politik und Medien. Die Ehefrau von Eric Trump tritt regelmäßig bei rechten TV-Sendern auf und ist seit 2024 Vorsitzende der Partei der Republikaner. Im Wahlkampf spielte die 42 Jahre alte, zweifache Mutter eine große Rolle und auch im Übergangsteam Donald Trumps soll sie eingebunden sein. Ob sie ein offizielles Amt übernehmen wird, ist bislang unklar. © IMAGO/Robin Rayne
Donald Trumps zweitältester Sohn Eric Trump
Donald Trumps zweitältester Sohn Eric Trump hatte beim Wahlsieg seines Vaters 2016 keine herausragende Rolle im Übergangsteam inne. Das soll laut US-Medien diesmal anders sein. Eric Trump soll wie seine Frau Lara bei Personalentscheidungen eingebunden sein und laut dem Rolling Stone Magazine sogar eine offizielles Amt im Weißen Haus anstreben. © Matt Freed/dpa
Charles Kushner soll unter Donald Trump US-Botschafter in Frankreich werden
Charles Kushner soll unter Donald Trump US-Botschafter in Frankreich werden. Der Vater von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner saß zwei Jahre im Gefängnis, ehe Trump ihn am Ende seiner ersten Amtszeit begnadigte. Kushner soll Steuern hinterzogen und Familienmitglieder bedroht und erpresst haben. © CHRIS HONDROS/AFP
Donald Trumps Tochter Tiffany Trump
Gerüchten zufolge könnte Tiffany Trump in Zukunft die Rolle Ivankas im Gefolge des gemeinsamen Vaters übernehmen. Die jüngste Tochter Donald Trumps trat im Wahlkampf 2024 deutlich häufiger als noch 2016 oder 2020 auf. Eine Position im Kabinett oder eine prestigeträchtige Funktion als Präsidentenberaterin in Washington DC kommt für die 31-Jährige aber wohl zu früh. © imago
Alina Habba soll Donald Trump als Beraterin des Präsidenten ins Weiße Haus folgen
Alina Habba soll Donald Trump als Beraterin des Präsidenten ins Weiße Haus folgen. Die 40 Jahre alte Anwältin vertrat Donald Trump unter anderem in dessen Prozess wegen Schweigegeldzahlung in New York. Bei den wochenlangen Verhandlungen stellte sich Habba regelmäßig vor dem Gerichtssaal der Presse und verteidigte ihren Mandanten. Den Prozess verlor Trump zwar, seiner Anwältin scheint er aber weiter zu vertrauen. © ANDREW HARNIK/AFP
Stephen Miller (2.v.r.), hier im Jahr 2017 zwischen Jared Kushner und Steve Bannon
Stephen Miller (2.v.r.), hier im Jahr 2017 zwischen Jared Kushner und Steve Bannon, war bereits in der ersten Administration von Donald Trump als Berater und Redenschreiber des Präsidenten tätig. Der 39 Jahre alte Jungpolitiker ist ein absoluter Hardliner in Sachen Migrationspolitik. Er gilt als geistiger Vater des Einreiseverbots für Muslime, das Trump 2017 erlassen hatte und warb im Vorfeld der US-Wahl 2024 für eine „100-prozentige Abschiebungspolitik“. Man werde „all diese kriminellen Migranten, die ins Land geströmt sind, als erstes abschieben“. Im neuen Weißen Haus Donald Trumps könnte Miller stellvertretender Stabschef werden. © Evan Vucci/dpa
Kash Patel ist langjähriger Trump-Vertrauter
Kash Patel ist langjähriger Trump-Vertrauter und gern gesehener Gast in rechten Podcast-Formaten wie dem „War Room“ von Steve Bannon. Trump ernannte den 44 Jahre alten Anwalt mit indischen Wurzeln zum Direktor des FBI. © IMAGO/Brett Johnsen
Thomas Douglas Homan war einst Polizist, wurde dann Beamter einer Einwanderungsbehörde und später politischer Kommentator im rechten Mediensprektrum
Thomas Douglas Homan war einst Polizist, wurde dann Beamter einer Einwanderungsbehörde und später politischer Kommentator im rechten Medienspektrum. Der 62 Jahre alte Politiker gilt als der Architekt hinter der Entscheidung der ersten Administration von Donald Trump, Migrantenfamilien in Käfige zu stecken und Kinder von ihren Eltern zu trennen. Mit Blick auf die neue Regierung Donald Trumps sagte Homan: „Illegalle Einwanderer sollten es jetzt mit der Angst zu tun haben.“ Trump gab bekannt, dass Homan als sogenannter „Grenz-Zar“ die Grenzsicherung und Abschiebepolitik koordinieren soll. © Lev Radin/Imago
Donald Trump wird Mike Huckabee als US-Botschafter nach Israel schicken.
Donald Trump wird Mike Huckabee als US-Botschafter nach Israel schicken. Der 69 Jahre alte Ex-Gouverneur war noch nie als Diplomat tätig, gilt aber als loyaler Verbündeter des künftigen Präsidenten. „Mike ist seit vielen Jahren ein großartiger Staatsdiener, Gouverneur und religiöser Führer“, sagte Trump in einer Erklärung. „Er liebt Israel und das israelische Volk, und ebenso liebt das israelische Volk ihn. Mike wird unermüdlich daran arbeiten, Frieden im Nahen Osten zu schaffen.“ Huckabee war einst Pastor einer baptistischen Kirche und wird der erste US-Botschafter in Israel sein, der nicht jüdischen Glaubens ist. © John Taggart/AFP
Michael George Glen Waltz, genannt Mike Waltz
Michael George Glen Waltz, genannt Mike Waltz, hat beste Chancen darauf, Sicherheitsberater in der neuen Administration von Donald Trump zu werden. Der 50 Jahre alte ehemalige Offizier gilt als ausgewiesener Sicherheitsexperte der Republikaner. 2018 wurde er erstmals in das US-Repräsentantenhaus gewählt. In der Vergangenheit machte sich Waltz für Verhandlungen mit Russland im Ukraine-Krieg stark. Er gilt außerdem als scharfer Kritiker der Chinas und steht für einen konfrontativen Kurs im Umgang mit der Volksrepublik. © Ted Shaffrey/dpa
Laura Loomer ist politische Aktivistin und Sprachrohr der neuen Ultrarechten in den USA
Laura Loomer ist politische Aktivistin und Sprachrohr der neuen Ultrarechten in den USA. Sie warnte nach dem TV-Duell zwischen Donald Trump und Kamala Harris vor „20.000 kannibalistischen Haitianern, die Haustiere in den Straßen von Ohio jagen und töten“. Donald Trump suchte die Nähe zu der 31 Jahre alten Influencerin, musste sich aber nach mehreren Skandalen rund um Loomer distanzieren. US-Medien vermuten, dass sich Trump nach seinem deutlichem Wahlsieg sicher genug fühlen würde, Loomer in seiner Arbeit im Weißen Haus einzubinden - entweder als Beraterin oder sogar ausgestattet mit einem offiziellem Amt. © IMAGO/Gray Adam/ABACA
Tucker Carlson, hier mit Donald Trump und Tulsi Gabbard
Tucker Carlson, hier mit Donald Trump und Tulsi Gabbard, wurde 2023 als erfolgreichster Kommentator des Senders von Fox News gefeuert. Seitdem ist er unabhängiger Moderator. Seine Rolle als wichtiger Einflüsterer des kommenden Präsidenten konnte er aber halten. Laut US-Medien soll der 55 Jahre alte Fernsehstar eine wichtige Rolle im Übergangsteam Trumps einnehmen. © IMAGO/Jen Golbeck
Eine deutlich wenige kontroverse Personalie ist Brendan Carr
Eine deutlich wenige kontroverse Personalie ist Brendan Carr. Er soll nach den Wünschen von Donald Trump Chef der US-Medienaufsichtsbehörde FCC werden. © IMAGO/Stefani Reynolds
Sebastian Gorka beriet Donald Trump bereits während seiner Amtszeit in Sachen Terrorismusbekämpfung
Sebastian Gorka beriet Donald Trump bereits während seiner Amtszeit in Sachen Terrorismusbekämpfung. Nachdem John Kelly aber das Amt des Stabschefs übernahm, wurde Gorka aus der Administration gedrängt. Nun soll der gebürtige Brite mit ungarischen Wurzeln zum leitenden Direktor für Terrorismusbekämpfung aufsteigen. Gorka gilt als enger Vertrauter von Trumps ehemaligen Berater, Steve Bannon. © CHANDAN KHANNA/AFP
Dr. Mehmet Oz ist Kardiologe und Fernsehmoderator
Dr. Mehmet Oz soll Donald Trumps Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. unterstützen. Der Kardiologe und Fernsehmoderator erlangte als Gesundheitsexperte in der Oprah Winfrey Show landesweite Berühmtheit. 2009 erhielt er seine eigene Fernsehshow: eine pseudowissenschaftliche Sendung über Gesundheitsthemen mit dem Namen „Dr. Oz Show“. 2022 trat Oz als Kandidat der Republikaner bei den Zwischenwahlen an, doch scheiterte beim Versuch, Senator des Bundesstaates Pennsylvania zu werden. Nun will Donald Trump den Fernsehmoderator doch noch nach Washington DC bringen. Der designierte Präsident nominierte Oz für den Posten des Administrators für das „Center for Medicare and Medicaid Services“. © IMAGO/Diannie Chavez/The Republic
Eine weitere TV-Persönlichkeit, die Donald Trump gerne in seinem Team hätte, ist Dr. Janette Nesheiwat
Eine weitere TV-Persönlichkeit, die Donald Trump gerne in seinem Team hätte, ist Dr. Janette Nesheiwat. Die zweifach approbierte Ärztin tritt regelmäßig bei Fox News auf. Sie soll den Posten des „Surgeon general“ übernehmen und damit eine wichtige Leitungsfunktion im öffentlichen Gesundheitsdienst der Vereinigten Staaten von Amerika.  © TERRY WYATT/AFP
Ebenfalls unter einem möglichen Gesundheitsminister Robert F. Kennedy soll Marty Makary arbeiten
Ebenfalls unter Gesundheitsminister Robert F. Kennedy soll Marty Makary arbeiten. Donald Trump will, dass der Chirurg die Bundesarzneimittelbehörde der USA leitet. Wie Kennedy vertrat auch Makary, aktuell als Arzt an der Johns-Hopkins-Universität tätig, konträre Ansichten zur Corona-Pandemie. © NOAM GALAI/AFP
der wahre Erfinder der politischen Karriere Donald Trumps: Steve Bannon
Er gilt vielen als der wahre Erfinder der politischen Karriere Donald Trumps: Steve Bannon. Der heute 71 Jahre alte Kommentator und Stratege folgte Trump nach dessen Wahlsieg 2016 als Chefberater kurzzeitig ins Weiße Haus. Die Beziehung der beiden, die bereits 2011 begann, kühlte ab. Im Umfeld Trumps blieb Bannon eine einflussreiche Stimme, wie sein Auftritt auf der rechtskonservativen Konferenz CPAC im Jahr 2025 beweist, auf der unter anderem J.D. Vance eine Rede hielt. © STEVEN HIRSCH/AFP
Paula Michelle White-Cain fungiert als spirituelle Wegweiserin Donald Trumps.
Paula Michelle White-Cain fungiert als spirituelle Wegweiserin Donald Trumps. Die 58 Jahre alte, zweimal geschiedene und dreimal verheiratete TV-Predigerin vertritt die Lehre des sogenannten Wohlstandsevangeliums, nach dem finanzieller Erfolg als sichtbarer Beweis für die Gunst Gottes gilt. Im Klartext: Wer reich ist, muss sich dafür nicht schämen oder gar fürchten, deshalb nicht ins Himmelreich eingehen zu können – egal, was Jesus Christius laut Bibel im Gleichnis vom Nadelöhr erzählt. © IMAGO/CNP / MediaPunch
Paula White ist „Chefberaterin des Glaubensbüros im Weißen Haus“
Seit dem 7. Februar 2025 ist White, hier ganz in weiß gekleidet, „Chefberaterin des Glaubensbüros im Weißen Haus“. Trump selbst hatte dieses Büro kurz zuvor ins Leben gerufen. Seine Aufgaben sind laut Bekanntmachung des Weißen Hauses „religiöse Einrichtungen, Gemeindeorganisationen und Gotteshäuser in ihren Bemühungen zu unterstützen, amerikanische Familien zu stärken, Arbeit und Selbstversorgung zu fördern und die Religionsfreiheit zu schützen“. Über ihre persönliche Verbindung zu Gott lässt White, die hier den Segen des Allvaters für Trump einholt, keine Zweifel aufkommen. „Wenn ich über den Rasen vor dem Weißen Haus laufe, dann wird der Boden unter meinen Füßen zu heiligem Boden“, so White in einer ihrer TV-Predigen. © IMAGO/White House Handout/White House
Peter Thiel ist seit langem Unterstützer Donald Trumps
Peter Thiel, hier in Begleitung der Publizistin Amy Chua, ist seit langem Unterstützer Donald Trumps. Thiel wurde 1967 in Frankfurt am Main geboren, wuchs aber in den USA und Südafrika auf. Seine Karriere als Tech-Unternehmer begann mit der Gründung des Bezahldienstes Paypal. Der Multimilliardär unterstützte Trump bereits bei seinem ersten Wahlkampf 2016 mit großzügigen Spenden und gilt außerdem als enger Vertrauter von Vizepräsident J.D. Vance. © LEIGH VOGEL
Dana White, Präsident der MMA-Kampfsportorganisation UFC,
Dana White, Präsident der MMA-Kampfsportorganisation UFC, ist seit Jahrzehnten ein enger Vertrauter Donald Trumps. Der hatte sich das Vertrauen Whites verdient, als er zu Beginn der UFC deren Veranstaltungen in seinen Casinos in Atlantic City genehmigte. White unterstützte Trump Jahre später bei dessen Wahlkampf 2016 und war geladener Gast bei der Amtseinfühung 2025. © IAN MAULE/AFP
David Sacks ist Multimillionär und guter Freund von Elon Musk.
David Sacks ist Multimillionär und guter Freund von Elon Musk. Sacks wird als Donald Trumps „KI- und Krypto-Zar“ fungieren. Vor der US-Wahl trieb Sacks im Silicon Valley Spendengelder für Trumps Kampagne ein und gabin seinem Podcast „All In“ mehrfach Wahlempfehlungen für Trump ab. Die Wahlnacht verbrachte Sacks an der Seite Trumps in dessen Wohnsitz Mar-a-Lago. © KAYLA BARTKOWSKI

Tatsächliche Gewaltfälle: Richter während Trump-Ära und auch davor in Lebensgefahr

Die Besorgnis des obersten Richters ist nicht theoretisch. Allein in den Jahren 2023 und 2024 wurden zwei Richter in Maryland und Kentucky ermordet, ein dritter überlebte nur knapp einen Anschlag, schreibt die AFP. Bereits 2022 hatte ein bewaffneter Mann versucht, Supreme-Court-Richter Brett Kavanaugh zu töten. Auch Drohungen gegen Angehörige von Richterinnen wie Amy Coney Barrett, etwa in Form einer Rohrbomben-Attrappe, sind dokumentiert, berichtet wiederum die New York Times.

„Richter zu bedrohen, weil sie ihre Arbeit tun, ist völlig inakzeptabel“, betonte Roberts. Er rief Politiker auf, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden: „Ich denke, die politischen Leute auf beiden Seiten des Ganges müssen das im Hinterkopf behalten.“

Bei Trumps Amtseinführung im Januar 2025: Präsident Donald Trump und Oberster Richter John Roberts (rechts) begegnen sich im Kapitol. Monate später warnt Roberts vor zunehmender Gewalt gegen Richter – ausgelöst durch politische Hetze..jpg

Donald Trumps Rethorik: Oberster Gerichtshof als politische Projektionsfläche

Besonders brisant: Roberts äußerte sich keine 24 Stunden nach einem Urteil des Supreme Court, bemerkt die New York Post, das es Bundesrichtern künftig erschwert, landesweite Verfügungen gegen Maßnahmen der Regierung zu verhängen – ein Urteil, das von Trump öffentlich gefeiert wurde. Die Entscheidung fiel mit einer konservativen Mehrheit von sechs zu drei Stimmen, wobei Richterin Amy Coney Barrett die Begründung verfasste.

Trotz dieses Kontextes verzichtete Roberts darauf, das Urteil oder Trump direkt zu kommentieren. Stattdessen betonte er laut Politico die generelle Notwendigkeit, richterliche Unabhängigkeit vor politischem Missbrauch zu schützen: „Wenn jemand meint, das Gesetz werde nicht befolgt, kann das auf gesetzgeberischem Wege angegangen werden. Aber Drohungen sind der falsche Weg.“

Gewalt und Drohungen gegen Richter in den USA (Auswahl 2020–2025)

JahrVorfallBetroffener RichterOrtKonsequenz
2020Attentat auf Wohnhaus, Sohn getötetEsther SalasNew JerseySicherheitsverschärfung
2022Mordversuch mit Waffe (Verhaftung vor Schusswechsel)Brett KavanaughMarylandTäter verhaftet
2023Erschossen vor dem HausAndrew WilkinsonMarylandErmordet
2024Erschossen im GerichtsgebäudeNamentlich nicht genannter RichterKentuckyErmordet (laut AFP)
2025E-Mail-Drohung (Angeblich Rohrbomben-Attrappe zugeschickt)Schwester von Amy Coney BarrettSouth CarolinaBombe wurde nicht gefunden

Quellen: U.S. Marshals Service, Politico, AFP, New York Times.

Chef des Obersten Gerichtshofs, John Roberts: Kritik ja – Hetze nein

In seinen weiteren Ausführungen zeigte sich Roberts verständnisvoll gegenüber sachlicher Kritik. „Es gibt in jedem Verfahren eine Partei, die verliert. Die wird das Urteil nicht mögen“, erklärte er. Problematisch werde es allerdings, wenn Kritik sich in blinde Wut verwandele: „Wenn es nur Frust ist, weil man verloren hat, dann ist das nicht besonders hilfreich.“

In einem ironischen Unterton äußerte Roberts zudem, ergänzt The Daily Beast, dass das eigentliche Problem oft nicht juristischer Natur sei, sondern die politische Instrumentalisierung des Rechtssystems: „Es ist nicht die Schuld der Richter, wenn eine korrekte Auslegung des Gesetzes bedeutet, dass etwas nicht erlaubt ist.“

Trump nutzt Justiz als Feindbild und Werkzeug zugleich

Während Roberts auf Mäßigung drängt, betreibt Donald Trump das genaue Gegenteil. In einer Rede im Justizministerium erklärte der Präsident jüngst offen seine Absicht, das Ministerium zur Durchsetzung seiner politischen und persönlichen Interessen einzusetzen. Dabei lobte er ausdrücklich Richterin Aileen Cannon, die in einem Verfahren zugunsten Trumps entschieden hatte: „Das Verfahren gegen mich war Bullshit“, erklärte Trump laut der New York Times.

Zudem nutzt Trump seine politische Macht, um loyale Parteigänger wie Justizministerin Pam Bondi in Schlüsselpositionen zu installieren – ein kalkulierter Angriff auf die Gewaltenteilung, wie die taz analysiert: „Trump gerät nicht deshalb immer wieder ins Visier der Justiz, weil da gemeine ‚Hinterzimmerakteure‘ am Werk sind, sondern weil seine Agenda absolute Macht fordert.“

Chief Justice John Roberts’ Warnung ist indes keine leere Mahnung, sondern ein Hilferuf eines Mannes, der die zunehmende Entgrenzung zwischen Justiz und Politik hautnah erlebt. Während er die Unabhängigkeit des Gerichts schützt, machen Trump und sein Vize JD Vance keinen Hehl daraus, dass er Richterinnen und Richter, die gegen ihn entscheiden, als Feinde betrachtet – und sie entsprechend behandelt.

Rubriklistenbild: © IMAGO / ABACAPRESS

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