„Operation Golden Dynamite“: USA schickten Armeeveteran für Machados Geheimreise nach Oslo
VonFabian Hartmann
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Venezuelas Oppositionelle Machado wurde in Oslo der Friedensnobelpreis verliehen. Für ihre Anreise war eine Spezialoperation unter widrigen Umständen nötig.
Caracas/Oslo – Am Mittwochabend (10. Dezember) sollte María Corina Machado, politische Gegenspielerin von Venezuelas linksnationalistischem Präsidenten Nicolás Maduro, in Oslo den diesjährigen Friedensnobelpeis entgegennehmen. Letztlich aber nahm Machados Tochter die Auszeichnung im Osloer Rathaus entgegen. Denn die venezolanische Politikerin, die nach Maduros Wiederwahl im Juli 2024 in Venezuela untertauchen musste, traf erst verspätet am Frühen Donnerstagmorgen in Oslo ein. Denn um ihr Heimatland sicher und unentdeckt verlassen und nach Norwegen gelangen zu können, musste Machado widrigsten Umständen trotzen. Stattfinden konnte ihre Anreise nach Oslo nur dank einer akribisch geplanten Geheimoperation.
Anwesenheit von Friedensnobelpreisträgerin Machado in Oslo ist einer Spezialoperation zu verdanken
Als das norwegische Nobelkomitee am frühen Donnerstagmorgen gegen 1.00 Uhr vermeldete, Machado sei wohl behalten in Norwegens Hauptstadt eingetroffen, hatte die 58-jährige venezolanische Oppositionelle bereits enorme Reisestrapazen hinter sich gebracht. Wie internationale Medien – mitunter der britische Guardian und das Wall Street Journal – übereinstimmend berichteten, erfolgte Machados Anreise nach Oslo über mehrere, äußerst heikle Etappen.
Aus ihrem Versteck in Venezuela sei Machado zunächst mit Verkleidung und Perücke aufgebrochen, um unentdeckt zu einem geheimen Treffpunkt zu gelangen, von dem aus sie per Boot auf die Karibik-Insel Curaçao gebracht wurde. Eigenen Angaben zufolge an der Planung von Machados fluchtartiger Anreise nach Oslo maßgeblich beteiligt war Bryan Stern, Ex-US-Veteran und Leiter der gemeinnützige Organisation Grey Bull Rescue Foundation. Die Umstände der komplizierten Operation namens „Golden Dynamite“ – benannt in Anlehnung an den schwedischen Chemiker und Erfinder des Dynamits, Alfred Nobel – führte Stern in einem am Interview mit dem US-Sender CBSaus, das am Donnerstag veröffentlicht wurde.
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Ex-US-Veteran nennt Machados Reise nach Oslo „gefährlich“ und „beängstigend“
Nachdem Machado venezolanischen Boden verlassen hatte und per Boot zu einem Treffpunkt auf hoher See gebracht wurde, empfing Ex-Veteran Stern sie persönlich. Nun stand eine 13- bis 14-stündige Reise zu einem geheimen Ort auf dem Plan, wo ein Flugzeug mit Zielflughafen Oslo auf Venezuelas Oppositionsführerin wartete. „Es war gefährlich. Es war beängstigend“, beschreibt Stern die Bootsreise gegenüber CBS.
Zwar seien die Bedingungen auf hoher See „ideal“ gewesen, „aber sicherlich kein Wasser, auf dem man sich gerne aufhalten würde“. Die Überfahrt hätte mitten in der Nacht stattgefunden – bei wenig Mondlicht und sehr schlechten Sichtverhältnissen. Der starke Wellengang jedoch habe dazu beigetragen, unentdeckt zu bleiben: „Je höher die Wellen, desto schwieriger ist es für das Radar, etwas zu erkennen. So funktioniert das nun einmal“, ließ der Leiter der Grey Bull Rescue Foundation wissen. Stern zufolge seien etwa zwei Dutzend Personen an der Operation beteiligt gewesen. Jedoch hätte es noch einige weitere gegeben, die eine Rolle spielten – von der Bereitstellung von Informationen über Übersetzungen bis hin zur Logistik.
Er sagte, die Operation sei von „einigen großzügigen Spendern” finanziert worden, von denen seines Wissens nach aber keiner ein US-Regierungsbeamter war. Stern räumte ein, seine Organisation habe „inoffiziell” mit dem US-Militär in Bezug auf Positionierung und Pläne zusammengearbeitet. Vor allem um zu vermeiden, versehentlich ins Visier des US-Militärs zu geraten, das vor der venezolanischen Küste im Kampf gegen den Drogenhandel immer wieder vermeintliche Kuriere angreift.
Friedensnobelpreisträgerin Machado kündigt an, zurück nach Venezuela reisen zu wollen
Nachdem Machado nach mehrstündigem Flug in Oslo eingetroffen war, zeigte sie sich noch in der Nacht auf dem Balkon ihres Hotels in der norwegischen Hauptstadt. Es war der erste öffentliche Auftritt der venezolanischen Politikerin seit elf Monaten. Vor den Kameras der Weltpresse winkte Machado und sang die venezolanische Nationalhymne. Kurz zuvor hatte sie Tagesschau-Angaben zufolge ihre Familie getroffen – erstmals seit zwei Jahren.
In Oslo ging die venezolanische Oppositionelle auch auf Pläne ein, nach Venezuela zurückzukehren. „Ich bin gekommen, um den Preis im Namen des venezolanischen Volkes entgegenzunehmen, und ich werde ihn zum gegebenen Zeitpunkt nach Venezuela zurückbringen“, sagte sie Reporterinnen und Reportern. „Natürlich werde ich nicht sagen, wann das sein wird.“
Die Staatsanwaltschaft hatte angekündigt, Machado als flüchtig zu betrachten, sollte sie das Land verlassen. Bei einer Rückkehr nach Venezuela könnte sie demnach festgenommen werden. Denkbar sei der Tagesschau zufolge aber auch, dass Machado die Einreise in ihr Heimatland verweigert wird. (Quellen: CBS, Wall Street Journal, Guardian, Tagesschau) (fh)