Land bemüht sich um Transparanz

Enthüllungen bedeuten Image-Schaden für Panama

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Panama bemühte sich in den vergangenen Jahren recht erfolgreich im Kampf gegen Geldwäsche.

Panama-Stadt - Die „Panama Papers“ rücken das mittelamerikanische Land in ein schlechtes Licht. Dabei hatte sich die Regierung zuletzt um mehr Transparenz im Finanzwesen bemüht.

Für Panama ist die Veröffentlichung der „Panama Papers“ ein PR-Desaster erster Güte. Auch wenn noch immer nicht klar ist, wie viele der Tausenden Fälle strafrechtliche Relevanz haben, rückt die weltweite Berichterstattung das mittelamerikanische Land ins Zwielicht. Ein harter Rückschlag für die Regierung, die zuletzt alles dafür tat, Panama als seriösen Finanzplatz zu positionieren.

„Wir müssen dieses Image in der Welt loswerden, dass die Panamaer Geldwäscher sind. Das betrifft uns nämlich alle“, sagte Annette Planells von der politischen Bewegung Movin am Montag im Fernsehsender TVN. „Deshalb sollten wir dieser Krise mit einer Kommunikationsstrategie begegnen, an der sich alle Betroffenen beteiligen von der Anwaltskammer über die Wirtschaftsverbände bis zur Regierung.“

"Panama Papers": Regierung kündigt schonungslose Aufarbeitung an

Die „Süddeutsche Zeitung“, das Internationalen Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ) und zahlreiche andere Zeitungen weltweit hatten am Sonntag gleichzeitig über Zehntausende Briefkastenfirmen berichtet, in denen Politiker, Prominente und Sportler ihr Vermögen geparkt haben sollen. Die Unternehmen wurden den Berichten zufolge zum Teil von der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca gegründet.

Der Regierung blieb nach dem publizistischen Donnerwetter nur die Flucht nach vorne. Staatschef Juan Carlos Varela sagte die volle Kooperation seines Landes bei der Aufklärung des Falls zu: „Die panamaische Regierung verfolgt eine Null-Toleranz-Politik in allen Bereichen des Rechts- und Finanzwesens, wo nicht mit einem höchsten Maß an Transparenz gearbeitet wird.“

Im Präsidentenpalast Las Garzas in der Altstadt von Panama dürfte man derzeit stinksauer sein. Schließlich bemühte sich die Regierung zuletzt redlich um mehr Transparenz im Finanzwesen. Sie erließ eine Reihe neuer Richtlinien für Banken, Versicherungen, Immobilienfirmen sowie Wertpapier- und Edelsteinbörsen. Aus dem einstigen Bankenzentrum der lateinamerikanischen Drogenkartelle sollte ein seriöser Finanzplatz werden.

Erfolge im Kampf gegen Geldwäscher

Im Februar wurde Panama für seine Anstrengungen belohnt: Der OECD-Arbeitskreis für Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung (Gafi) strich das Land von der grauen Liste. Dort werden Staaten geführt, die beim internationalen Austausch von Finanz- und Steuerinformationen hinterherhinken. Mit den „Panama Papers“ ist der Imagegewinn mit einem Schlag zunichte gemacht.

„Die Reputation des panamaischen Rechtssystems hat gelitten“, räumt Juan Carlos Aráuz von der Anwaltskammer ein. „Viele Gesellschaften werden sich deshalb künftig woanders registrieren lassen.“ Der Jurist sieht die Verantwortung aber vor allem bei den Kunden von Finanzdienstleistungen in Panama: „Wir gründen die Gesellschaften lediglich nach panamaischem Recht. Die Kunden müssen verantwortlich handeln, sich an die Gesetze ihrer Länder halten und ihre Einkommen und Vermögenswerte melden.“

Das Finanzwesen ist neben dem Panamakanal und den Freihandelszonen die wichtigste Säule von Panamas Wirtschaft. Derzeit verwalten rund 90 Banken mit 23 000 Angestellten über 83 Milliarden US-Dollar. Das Bankenwesen trägt zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt von Panama bei. Zuletzt legte der Sektor kräftig zu. Entsprechend stolz ist man am Isthmus auf die Branche.

„Jetzt wird dauernd von Panama gesprochen. Aber Panama ist lediglich ein Kettenglied in dem Fall“, sagt die Finanzexpertin Maruquel Pabón vom panamischen Außenministerium. „Panama war heute auf Seite eins fast jeder Zeitung der Welt, aber keiner sagt, dass auch viele Gesellschaften in anderen Ländern darin verwickelt sind.“

"Panama Papers" werden Konsequenzen nach sich ziehen

Aus ihrer Sicht wird Panama vorverurteilt, obwohl noch überhaupt nicht klar ist, wie viele Fälle der „Panama Papers“ tatsächlich strafrechtlich relevant sind. „Die Gesellschaften werden nicht nur gegründet, um Geld zu waschen oder Vermögen in Steueroasen zu schaffen“, sagt sie. Zudem dürfe nicht vergessen werden, welche Anstrengungen das Land zuletzt unternommen hatte, um illegale Transaktionen zu verhindern.

Für die Politikerin Planells ist das Kind allerdings schon in den Brunnen gefallen: „Die Veröffentlichung wird Konsequenzen für alle Panamaer haben. Schließlich werden die Dokumente „Panama Papers“ genannt und nicht „Mossack Fonseca Papers““.

Poroschenko, Gribkowsky und ein Ex-Bundesliga-Trainer: Sie tauchen in den "Panama Papers" auf

Poroschenko, Gribkowsky und ein Ex-Bundesliga-Trainer: Sie tauchen in den "Panama Papers" auf

epa05182144 Spanish filmmaker Pedro Almodovar attends an event with Spanish artist Miquel Navarro (unseen) at the the ARCO Contemporary Art Fair in Madrid, Spain, 26 February 2016. The art fair runs from 24 to 28 February. EPA/BALLESTEROS +++(c) dpa - Bildfunk+++
Der spanische Regisseur Pedro Almodovar. © dpa
Qatar's Emir Sheikh Tamim bin Hamad Al-Thani attends the second day of the 136th Gulf Cooperation Council (GCC) summit held in Riyadh, on December 10, 2015 as kings and emirs from six Gulf states began two days of talks, at the same time as unprecedented discussions by the Syrian opposition at a luxury hotel in another part of the city. Saudi King Salman bin Abdulaziz called for political solutions to the wars in Syria and Yemen, while condemning "terrorism," at the opening of the annual Gulf summit. AFP PHOTO / FAYEZ NURELDINE
Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani aus Katar. © AFP
epa000307723 Iraqi Prime Minister Iyad Allawi smiles as he passes by a logo, Friday 05 November 2004, during a visit to NATO headquarters in Brussels. Allawi is also due to attend a meeting at the European Summit held in Brussels. Foto: Herwig Vergult dpa
Der frühere irakische Premierminister Ayad Allawi. © dpa
(FILES) This file photo taken on February 11, 2016 shows Syrian President Bashar al-Assad during an exclusive interview with AFP in the capital Damascus.Syria's civil war, which has killed more than 270,000 people and forced millions to flee their homes, erupted in 2011 when government forces turned their weapons on protesters demanding political change. / AFP PHOTO / JOSEPH EID
Der Cousin des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. © AFP
WASHINGTON, DC - APRIL 01: Prime Minister of the United Kingdom David Cameron listens during a plenary session of the 2016 Nuclear Security Summit April 1, 2016 in Washington, DC. U.S. President Barack Obama is hosting the fourth and final in a series of summits to highlight accomplishments and make new commitments towards reducing the threat of nuclear terrorism. Alex Wong/Getty Images/AFP== FOR NEWSPAPERS, INTERNET, TELCOS & TELEVISION USE ONLY ==
Der Vater von David Cameron soll involviert sein. © AFP
(File) President of Peñarol Club, Juan Pedro Damiani, arrives for a meeting at Executive Tower in Montevideo, Uruguay, 01 April 2014. EPA/Iván Franco (zu dpa "Panamapapers: FIFA-Ethikkommission bestätigt Vorermittlung" am 31.03.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Fifa-Funktionär Juan Pedro Damiani. © dpa
ARCHIV - Vor der Parlamentswahl in der Südkaukasusrepublik Georgien spitzt sich der Machtkampf der Lager um Präsident Michail Saakaschwili und Oppositionsführer Bidsina Iwanischwili (Foto vom 19.09.2012) zu. Beide Seiten warfen sich am Montag (24.09.2012) kriminelle Methoden vor. Foto: Ulf Mauder/dpa (zu dpa-Meldung vom 24.09.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Der georgische Milliardär Bidsina Iwanischwili. © dpa
epa05038591 Argentininan President-elect Mauricio Macri during a press conference in Buenos Aires, Argentina, 23 November 2015. Centre-right opposition candidate Mauricio Macri won the presidential runoff Sunday in Argentina and hailed a new era after 12 years of government by the left-leaning Kirchner couple. With 97 per cent of ballots counted, Buenos Aires Mayor Macri, 56, of the opposition coalition Cambiemos (Let's Change) had nearly 52 per cent of the vote. His opponent, ruling-party candidate Daniel Scioli, 58, had 48 per cent and conceded defeat. EPA/DAVID FERNANDEZ +++(c) dpa - Bildfunk+++
Der argentinische Präsident Mauricio Macri. © dpa
epa05049969 FC Barcelona's Argentinian striker Lionel Messi poses for photographers during the Spanish LFP Awards in Barcelona, northeastern Spain, 30 November 2015. EPA/ALEJANDRO GARCIA +++(c) dpa - Bildfunk+++
Der mehrmalige Weltfußballer des Jahres Lionel Messi. © dpa
Ukrainian President Petro Poroshenko gestures as he speaks during a press conference after a summit aimed at ending 10 months of fighting in Ukraine in Minsk on February 12, 2015. Russian President Vladimir Putin said that he and the leaders of France, Germany and Ukraine had agreed on the withdrawal of heavy weapons from Ukraine's frontlines and a ceasefire to begin from February 15. AFP PHOTO / SERGEI GAPON
Der ukrainische Präsident Petro Poroshenko. © AFP
Michel Platini Sperre Uefa
Der frühere Uefa-Boss Michel Platini. © dpa
A picture provided by the Saudi Press Agency (SPA) on December 28, 2015 shows Saudi King Salman bin Abdulaziz heading the Council of Ministers meeting in the capital Riyadh. Saudi Arabia projected a deficit of $87 billion as it issued its 2016 budget, the kingdom's third annual shortfall in a row due to the oil price slump. AFP PHOTO / SPA / HO=== RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / SPA / HO" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS ===
Der saudische König Salman bin Abdulaziz. © AFP
Der isländische Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson.
Der isländische Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson. © dpa
Der ehemalige Premierminister des Irak, Iyad Allawi.
Der ehemalige Premierminister des Irak, Iyad Allawi. © dpa
Der deutsche Formel-1-Pilot Nico Rosberg.
Der deutsche Formel-1-Pilot Nico Rosberg. © AFP
Der ehemalige Bundesliga-Trainer Tayfun Korkut.
Der ehemalige Bundesliga-Trainer Tayfun Korkut. © dpa
Der wegen Korruption und Steuerhinterziehung verurteilte ehemalige Bänker der BayernLB, Gerhard Gribkowsky.
Der wegen Korruption und Steuerhinterziehung verurteilte ehemalige Bänker der BayernLB, Gerhard Gribkowsky. © dpa
Der jetzige FIFA-Präsident und frühere Direktor der Rechtsabteilung der UEFA, Gianni Infantino.
Der jetzige FIFA-Präsident und frühere Direktor der Rechtsabteilung der UEFA, Gianni Infantino. © AFP

dpa

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