VonRichard Stroblschließen
Papst Franziskus hat sich im italienischen Fernsehen erneut zur Segnung homosexueller Paare geäußert. Dabei wurde er deutlich – zeigte aber auch eine persönliche Seite.
Rom – In der katholischen Kirche brodelt es. Auslöser ist die Vatikan-Erklärung „Fiducia supplicans“ (zu Deutsch: „Das flehende Vertrauen“). Diese gibt Priestern erstmals die Möglichkeit, unverheiratete, wiederverheiratete und homosexuelle Paare zu segnen. Bischöfe weltweit reagieren extrem gespalten. Jetzt hat sich Papst Franziskus erneut selbst zu der Thematik zu Wort gemeldet.
Wenn man Entscheidungen trifft „gibt es einen Preis der Einsamkeit, den man zahlen muss“, sagte Franziskus am Sonntagabend in der italienischen Talkshow „Che Tempo Che Fa“ auf die Frage, ob er sich in Folge der „Fiducia Supplicans“ einsam fühle.
Papst Franziskus spricht im TV über Einsamkeit nach Segnungs-Entscheidung
„Manchmal werden Entscheidungen nicht akzeptiert. Aber meistens akzeptiert man Entscheidungen nicht, weil man etwas nicht weiß“, führte der Papst weiter aus. Er rief die Kritiker der Vatikan-Entscheidung dazu auf, in den Dialog zu gehen und eine „brüderliche Diskussion“ in Gang zu setzen. Nur so könne man Dinge voranbringen.
Menschen, die dagegen den Widerstand „in ihr Herz nehmen“ und nicht ins Gespräch gehen, „ziehen womöglich hässliche Schlussfolgerungen“. Dann wird der Papst sehr deutlich: „Das ist bei diesen kürzlichen Entscheidungen zu den Segnungen für alle passiert.“
Bilder aus dem Leben von Papst Franziskus




Deutliche Papst-Worte zu Kirchen-Eklat um Segnungen
Die Kirche müsse alle Leute segnen und mit diesen Menschen auch einen Dialog fördern – und sie „nicht von Anfang an verurteilen“. Das sei die „pastorale Arbeit der Kirche“, so Franziskus, der gerade erneut erkrankt war. „Der Herr segnet alle. Alle, die kommen“, erläutert der Papst weiter.
Gleichzeitig stellte er auch klar, dass auf diesen Segen ein Dialog folgen müsse. „Die Menschen müssen sich mit dem Segen des Herrn auseinandersetzen und sehen, was der Weg ist, den der Herr ihnen vorschlägt“. Um einen Dialog zu starten und voranzubringen, müsse ein Priester aber zunächst „allen vergeben“, ruft der Papst in dem Interview zu Offenheit auf.
Tre milioni di telespettatori, il 14,2% della platea televisiva di ieri sera, hanno seguito l'intervista esclusiva di Papa Francesco a Fabio Fazio a Che tempo che fa. Un evento televisivo che ha registrato un picco di share del 16,4%. #ANSA https://t.co/IYnWc2dMa0
— Agenzia ANSA (@Agenzia_Ansa) January 15, 2024
Nach der Vatikan-Erklärung „Fiducia Supplicans“ hatte es vor allem von Seiten deutscher, französischer und belgischer Bischöfe viel Unterstützung für die Entscheidung gegeben. Osteuropäische, asiatische und lateinamerikanische Bischöfe äußerten dagegen harsche Kritik.
Besonders radikal gaben sich die afrikanischen Bischöfe. Dies geschah auch vor dem Hintergrund, dass in einigen afrikanischen Ländern Homosexualität strafrechtlich verfolgt wird. Nach der Kritik hatte der Papst-Vertraute und Miturheber der Erklärung, Kardinal Victor Fernandez, bereits ein Machtwort gesprochen.
Rubriklistenbild: © Screenshot: Che Tempo Che Fa

