Ukraine-Krieg

„Könnte eine Rede von Putin sein“ – Papst Franziskus empört mit Aussagen zum Krieg

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Oberhaupt der katholischen Kirche: Papst Franziskus.
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Papst Franziskus macht bei einer Videobotschaft einen Exkurs in die Geschichte des russischen Imperialismus. Dafür gibt es von vielen Seiten Kritik.

Vatikanstadt - Erneut sorgen Aussagen von Papst Franziskus zum Krieg für Empörung. In einer Videobotschaft wandte sich der 86-Jährige am Freitag an katholische Jugendliche, die in einer Kirche in Sankt Petersburg in Russland zusammengekommen waren. „Ihr seid die Erben des großen Russlands“, soll er dort laut einer Mitteilung des Bistums Moskau gesagt haben.

Und weiter: „... des großen Russlands der Heiligen, der Herrscher, des großen Russlands von Peter dem Großen, von Katharina der Großen, dieses Reiches – groß, aufgeklärt, ein Land mit großer Kultur und großer Menschlichkeit. Gebt dieses Erbe niemals auf, ihr seid Erben der großen Mutter Russland, macht damit weiter. Und ich danke euch. Danke für eure Art zu sein, für eure Art, Russen zu sein.“

Papst empört mit Aussagen zum Ukraine-Krieg – Außenministerium: „Imperialistische Propaganda“

Einige kritisieren die Aussagen des Papstes. Der ukrainische Pulitzerpreisträger Jaroslaw Trofimow kritisiert die Verherrlichung der russischen Monarchie. „Mitten in Russlands imperialem Krieg gegen die Ukraine rät Papst Franziskus den Russen, sich vom Erbe des ‚großen Russlands von Peter I. und Katharina II.‘ inspirieren zu lassen“, schreibt er auf Twitter.

Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Oleh Nikolenko, kommentierte Franziskus‘ Worte auf Facebook. „Es ist sehr bedauerlich, dass russisches Großmachtdenken, das in Wirklichkeit die Ursache für Russlands chronische Aggressivität ist, bewusst oder unbewusst aus dem Mund des Papstes kommt.“ Mit solch „imperialistischer Propaganda“ und der Behauptung, das große Russland müsse gerettet werden, rechtfertige der Kreml die Ermordung Tausender Ukrainer, so Nikolenko.

Der Osteuropa-Experte Thomas Dudek, dem von Kritiker:innen eine antirussische Haltung vorgeworfen wird, twittert über das Kirchenoberhaupt: „Wie der Papst Millionen Katholiken in Ostmittel- und Osteuropa mit einer Aussage in den A… tritt“. Der Osteuropa-Experte Sergej Sumlenny geht sogar weiter:. „Das könnte ohne Weiteres eine kriegstreibende Rede von Wladimir Putin selbst sein“, sagte der ehemalige Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Kiew.

Kritik an Papst für Aussagen – Vatikan äußert sich

Der Vatikan formulierte laut der Katholischen Nachrichtenagentur am Dienstag eine Stellungnahme zur Kritik. Mit seinen spontan formulierten Worten habe der Papst russische Jugendliche ermutigt, das beizubehalten, was es an Positivem im großen kulturellen und geistlichen Erbe Russlands gebe, erklärte Vatikansprecher Matteo Bruni. Die imperialistischen Konzepte und die Persönlichkeiten früherer Epochen, die er lediglich genannt habe, um den historischen Zeitraum anzugeben, habe der Papst damit in keiner Weise loben wollen, erklärte der Sprecher.

Die Vatikanbotschaft in Kiew hatte schon am Montag erklärt, der Papst sei „ein entschiedener Gegner und Kritiker jeglicher Form von Imperialismus oder Kolonialismus bei allen Völkern und in allen Situationen“

Bereits in der Vergangenheit wurden dem Papst Aussagen oder Gesten zum Krieg negativ ausgelegt. 2022 sagte er, dass er Russland als den Aggressor sehe. Er verurteilte die Brutalität des russischen Angriffskrieges und kritisierte das russische Kirchenoberhaupt für seine Unterstützung des Krieges. Dass der Papst aber auch eine Mitschuld der Nato sah, gefiel vielen nicht. Gemeint war damit die Nato-Ost-Erweiterung. Im April 2022 ließ er bei der Kreuzwegandacht eine Ukrainerin und eine Russin das Kreuz gemeinsam tragen. Eine versöhnliche Geste, die von vielen Seiten jedoch kritisiert wurde. (Baha Kirlidokme)

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