Katholische Kirche

Papst gesundheitlich angeschlagen – Seine Gegner bereiten sich auf das nächste Konklave vor

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Papst Franziskus ist gesundheitlich angeschlagen.

An Rücktritt will Papst Franziskus nicht denken. In seiner Autobiografie widmet er sich auch der Kritik an seinem Pontifikat.

Rom – Links neben dem Sessel steht ein Rollator. Das Gehen macht Franziskus zu schaffen. Der Papst sitzt, empfängt freundlich seinen Besucher. Er ist schwerer geworden, schwerfälliger. Vor einer Woche, nach der Generalaudienz, schaffte Franziskus nicht einmal den Schritt hinauf auf das Papamobil. Das Oberhaupt der katholischen Kirche wurde im Rollstuhl davongeschoben.

Es ist ein Dienstag im März 2024. Der Besucher, der später unter vier Augen von der Begegnung erzählen wird, ist vom Papst persönlich ins vatikanische Gästehaus Santa Marta bestellt worden. Das Thema der Besprechung ist ernst. Es geht um Missbrauch, eine katholische Sekte in Lateinamerika. Eigentlich sollten die zuständigen Vatikanbeamten sich der Sache widmen. Doch alles verlief im Sand, mal wieder. Erst als Franziskus persönlich informiert wird, kommt Schwung in die Sache.

Rücktritt von Papst Franziskus wäre vorbereitet

An der Wand im Besprechungssaal im Vatikan-Gästehaus Santa Marta, wo Franziskus lebt, arbeitet und empfängt, hängt das Gemälde der Maria Knotenlöserin, eine Kopie des Augsburger Originals. Die Knotenlöserin ist das Sinnbild seines Pontifikats. Der Papst, körperlich angeschlagen, versucht immer noch persönlich die unzähligen Fragen im Dickicht der katholischen Kirche zu klären. Manchmal sorgt er auch selbst für Missverständnisse.

Neulich erst: Eigentlich wollte er sagen, der Krieg in der Ukraine solle endlich aufhören, die Konfliktparteien sollten Verhandlungen aufnehmen. Weil der Papst mit dem lockeren Mundwerk aber das Bild von der „weißen Fahne“ gebrauchte, gab es einen Proteststurm. Franziskus habe die Ukraine zur Kapitulation aufgefordert, hieß es. Es mag sein, dass das Pontifikat zu Ende geht. Ruhig geworden ist es nicht um den Papst.

Seine Autobiografie kann man durchaus als eine Art Vermächtnis lesen. „Leben. Meine Geschichte in der Geschichte“ heißt das gerade erschienene Buch, das der Papst mit dem Vatikanjournalisten Fabio Marchese Ragona verfasst hat. Franziskus ist 87, gerade hat das zwölfte Jahr seines Pontifikats begonnen, von dem er einmal sagte, dass es „eher kurz“ sein würde. Zeit für Rückblicke, Zeit für Einordnungen. Endzeitstimmung im Vatikan?

Papst Franziskus sieht keinen Grund, von seinem Amt zurückzutreten

Wer Franziskus sieht, mag zu dem Schluss kommen, dass es bald vorbei sein könnte. Seit Jahren plagt ihn der Ischias, 2023 zwang ihn eine Divertikulitis ins Krankenhaus. Das Knie schmerzt, Franziskus braucht Rollstuhl und Rollator. Ständig erkältet er sich, leidet immer wieder an Bronchitis. Öffentliche Ansprachen, etwa bei der Generalaudienz, halten andere für ihn. Franziskus liebt Süßigkeiten, kann sich nur noch wenig bewegen. Sein Bauch ist sichtbar gewachsen.

Einen Grund, das Amt niederzulegen, sehe er nicht, schreibt der Papst jedoch in seiner Autobiografie. „Die Dinge würden sich ändern, wenn eine schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigung einträte.“ So schwerwiegend sind seine Beschwerden derzeit nicht. „Es kann schon noch ein paar Jahre so weitergehen“, sagt ein kundiger Vatikanbeobachter.

Für den Fall des Falles hat Franziskus seine Rücktrittserklärung unterschrieben „und im Staatssekretariat hinterlegen lassen“, wie er schreibt. „Sollte dies jemals eintreten, würde ich mich nicht emeritierter Papst, sondern einfach emeritierter Bischof von Rom nennen lassen und nach Santa Maria Maggiore umziehen, um wieder die Beichte abzunehmen und den Kranken die Heilige Kommunion zu spenden.“ So kann man es nun nachlesen.

Im Zwiegespräch, so berichten diejenigen, die ihn kürzlich persönlich getroffen haben, wirkt Jorge Bergoglio so einnehmend und energisch wie eh und je. Er kümmert sich persönlich um komplexe Fragen, macht Witze, benutzt Kraftausdrücke. „Es un desgraciado“, das ist ein Mistkerl, sagt der Papst unter vier Augen über einen spanischsprachigen Bischof, von dem er sich verraten fühlt. Gut vorstellbar, dass Franziskus genug hat von den Hofintrigen, Auseinandersetzungen, Demütigungen. Aber nein. So ist es offenbar nicht. Das Petrusamt sei „auf Lebenszeit“, schreibt er, abgehärtet von tausenden Disputen. „Dieser Mann hat eine Nilpferdhaut“, sagt ein Argentinier in Rom, der ihm nahesteht.

Papst Franziskus erzählt seine eigene Geschichte und sein eigenes Denken an Weltereignissen entlang.

Im Buch geht es ausführlich um die Familie Bergoglio und ihre piemontesischen Wurzeln. Franziskus erzählt seine eigene Geschichte und sein eigenes Denken an Weltereignissen entlang. Es geht um den Zweiten Weltkrieg, die Kubakrise, die Militärdiktatur in Argentinien, die Fußball-WM 1986. Damals war der 49 Jahre alte Bergoglio zu Gast bei einer Familie Schmidt in Boppard bei Bonn. Er schrieb seine Doktorarbeit, lernte Deutsch am Goethe-Institut, schaute Fußball und vertiefte seine Hingabe an das Bildnis der Maria Knotenlöserin, die ihm half, „alle meine Knoten zu lösen“.

Der Fall der Berliner Mauer spielt im Buch eine Rolle, die Terroranschläge vom 11. September 2001, die Weltwirtschaftskrise 2008 sowie der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. im Februar 2013 – und wie Bergoglio seine eigene Wahl im folgenden Konklave lange nicht kommen sah. Als es die neuen Kleider anzulegen galt, will Franziskus in der Sixtinischen Kapelle gesagt haben: „Ich werde nur die weiße Soutane tragen und das Brustkreuz, das mich, seit ich Erzbischof bin, begleitet, und meine orthopädischen Schuhe werde ich behalten!“

Aus dem Leben Jorge Bergoglios erfährt der Leser, wie es ist, wenn sich ein späterer Papst und damaliger Seminarist verliebt in „ein Mädchen, dessen Schönheit und Intelligenz mir den Kopf verdrehten“. Eine der prägenden Figuren für den jungen Bergoglio ist außerdem die Leiterin eines biochemischen Labors, Esther Ballestrino, eine überzeugte Kommunistin. In den 1950ern liest Bergoglio kommunistische Zeitschriften, die sie ihm gibt. Von Ballestrino habe er viel über Politik gelernt. „Dennoch habe ich die kommunistische Ideologie nicht übernommen.“

Doch die Gerüchte halten sich bis heute. „Selbst ein mit mir befreundeter Kardinal erzählte mir einmal, eine sehr gläubige Katholikin habe ihm anvertraut, ich sei der Antichrist. Und warum? Weil ich keine roten Schuhe trage! Doch wer über die Armen spricht, ist nicht automatisch Kommunist.“

Die Päpste: Franziskus und seine Vorgänger des 20. Jahrhunderts

Leo XIII. (1810 bis 1903) war von 1878 bis zu seinem Tod 1903 der 256. Papst der römisch-katholischen Kirche. Leo XIII. (bürgerlich Vincenzo Pecci) orientierte sich zum einen an der hochmittelalterlichen Ordnung von Kirche und Staat, andererseits wertete er mit der ersten Sozialenzyklika die katholische Soziallehre auf. Wegen seiner Anteilnahme an sozialen Fragen wurde er als „Arbeiterpapst“ und „der Soziale“ bekannt. Sein Ziel war, die Kirche aus ihrer Isolation gegenüber den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen herauszuführen, jedoch war er von der Notwendigkeit einer „zeitlichen Macht“ (Kirchenstaat) des Papstes überzeugt.
Leo XIII. (1810 bis 1903) war von 1878 bis zu seinem Tod 1903 der 256. Papst der römisch-katholischen Kirche. Leo XIII. (bürgerlich Vincenzo Pecci) orientierte sich zum einen an der hochmittelalterlichen Ordnung von Kirche und Staat, andererseits wertete er mit der ersten Sozialenzyklika die katholische Soziallehre auf. Wegen seiner Anteilnahme an sozialen Fragen wurde er als „Arbeiterpapst“ und „der Soziale“ bekannt. Sein Ziel war, die Kirche aus ihrer Isolation gegenüber den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen herauszuführen, jedoch war er von der Notwendigkeit einer „zeitlichen Macht“ (Kirchenstaat) des Papstes überzeugt.  © Imago
Die Nachfolge trat Pius X. (1835 bis 1914) an. Geboren wurde er als Giuseppe Sarto in Riese, das zu dieser Zeit zum Königreich Lombardo-Venetien gehörte. Pius X. wird oft als „konservativer Reformpapst“ bezeichnet, weil er sich um innerkirchliche Reform und Erneuerung bemühte, um die katholische Kirche im Kampf gegen Einflüsse der Moderne zu stärken. Er wurde 1951 selig- und im Jahre 1954 heiliggesprochen. Seitdem befinden sich seine Reliquien in einem gläsernen Reliquiar im Petersdom, das Haupt ist mit einer metallischen Umhüllung bedeckt.
Die Nachfolge trat Pius X. (1835 bis 1914) an. Geboren wurde er als Giuseppe Sarto in Riese, das zu dieser Zeit zum Königreich Lombardo-Venetien gehörte. Pius X. wird oft als „konservativer Reformpapst“ bezeichnet, weil er sich um innerkirchliche Reform und Erneuerung bemühte, um die katholische Kirche im Kampf gegen Einflüsse der Moderne zu stärken. Er wurde 1951 selig- und im Jahre 1954 heiliggesprochen. Seitdem befinden sich seine Reliquien in einem gläsernen Reliquiar im Petersdom, das Haupt ist mit einer metallischen Umhüllung bedeckt. © imago
Benedikt XV. (1854 bis 1922) war Papst vom 3. September 1914 bis zu seinem Tod 1922. Giacomo della Chiesa wurde in Genua als Sohn einer markgräflichen Adelsfamilie geboren. Sein Pontifikat war durch den Ersten Weltkrieg geprägt. In seiner Friedensnote „Dès le début“ zum dritten Jahrestag des Kriegsbeginns schlug er als neutraler Vermittler allen kriegführenden Mächten Friedensverhandlungen vor. Er forderte Abrüstung, eine effektive internationale Schiedsgerichtsbarkeit zur Vermeidung künftiger Kriege und den Verzicht auf Gebietsabtretungen. Wegen seines engagierten Auftretens wurde er als „Friedenspapst“ bekannt.
Benedikt XV. (1854 bis 1922) war Papst vom 3. September 1914 bis zu seinem Tod 1922. Giacomo della Chiesa wurde in Genua als Sohn einer markgräflichen Adelsfamilie geboren. Sein Pontifikat war durch den Ersten Weltkrieg geprägt. In seiner Friedensnote „Dès le début“ zum dritten Jahrestag des Kriegsbeginns schlug er als neutraler Vermittler allen kriegführenden Mächten Friedensverhandlungen vor. Er forderte Abrüstung, eine effektive internationale Schiedsgerichtsbarkeit zur Vermeidung künftiger Kriege und den Verzicht auf Gebietsabtretungen. Wegen seines engagierten Auftretens wurde er als „Friedenspapst“ bekannt. © Imago
Das Pontifikat von Pius XI. (1857 bis 1939) war von schwierigen Zeiten geprägt. Pius XI. (bürgerlich Achille Ratti) verurteilte den „sozialen Modernismus“ und entwickelte positive Leitlinien für eine friedfertige Gesellschaftsordnung auf dem Fundament der katholischen Religion. Als bedeutendste Konkordate gelten die Lateranverträge und das Reichskonkordat mit dem Deutschen Reich (10. September 1933). Die 1937 erschienene Enzyklika „Mit brennender Sorge“ verurteilte zwar die nationalsozialistische Ideologie, sprach die Verfolgung der Juden und anderer Minderheiten aber nicht an.
Das Pontifikat von Pius XI. (1857 bis 1939) war von schwierigen Zeiten geprägt. Pius XI. (bürgerlich Achille Ratti) verurteilte den „sozialen Modernismus“ und entwickelte positive Leitlinien für eine friedfertige Gesellschaftsordnung auf dem Fundament der katholischen Religion. Als bedeutendste Konkordate gelten die Lateranverträge und das Reichskonkordat mit dem Deutschen Reich (10. September 1933). Die 1937 erschienene Enzyklika „Mit brennender Sorge“ verurteilte zwar die nationalsozialistische Ideologie, sprach die Verfolgung der Juden und anderer Minderheiten aber nicht an. © imago
Sein Nachfolger Pius XII. (1876 bis 1958) erstellte die Schlussfassung der Enzyklika „Mit brennender Sorge“, die am 21. März 1937 erschien. Zu Beginn seines Pontifikats schlug Pius XII., der bürgerlich Eugenio Pacelli hieß, eine europäische Fünfmächtekonferenz zur Beilegung der Konflikte vor. Wegen seiner vorherigen Passivität reagierte keine der angesprochenen Regierungen positiv darauf. Pius XII. hielt an der politischen Neutralität fest und ließ offen, auf welcher Seite im Kriegsfall Recht und Moral stünden. Wie Benedikt XV. im Ersten, so veröffentlichte Pius XII. im Zweiten Weltkrieg allgemeine Friedensappelle, wobei er Schuldzuweisungen vermied und keine Kriegspartei namentlich nannte.
Sein Nachfolger Pius XII. (1876 bis 1958) erstellte die Schlussfassung der Enzyklika „Mit brennender Sorge“, die am 21. März 1937 erschien. Zu Beginn seines Pontifikats schlug Pius XII., der bürgerlich Eugenio Pacelli hieß, eine europäische Fünfmächtekonferenz zur Beilegung der Konflikte vor. Wegen seiner vorherigen Passivität reagierte keine der angesprochenen Regierungen positiv darauf. Pius XII. hielt an der politischen Neutralität fest und ließ offen, auf welcher Seite im Kriegsfall Recht und Moral stünden. Wie Benedikt XV. im Ersten, so veröffentlichte Pius XII. im Zweiten Weltkrieg allgemeine Friedensappelle, wobei er Schuldzuweisungen vermied und keine Kriegspartei namentlich nannte. © imago
Johannes XXIII. (1881 bis 1963) wurde nach seiner Wahl am 28. Oktober 1958 aufgrund seines hohen Alters und seiner konservativen Frömmigkeit in der Presse als Übergangspapst und Kompromisslösung bezeichnet, erwies sich jedoch bald als einer mutiger Reformpapst. Wegen seiner Bescheidenheit und Volksnähe wird Johannes XXIII. (bürgerlich Angelo Roncalli) im Volksmund „Der gute Papst“ genannt. Am 3. September 2000 wurde er selig- und am 27. April 2014 heiliggesprochen. Sein Gedenktag in der römisch-katholischen Kirche ist der 11. Oktober, der Tag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils im Jahr 1962.
Johannes XXIII. (1881 bis 1963) wurde nach seiner Wahl am 28. Oktober 1958 aufgrund seines hohen Alters und seiner konservativen Frömmigkeit in der Presse als Übergangspapst und Kompromisslösung bezeichnet, erwies sich jedoch bald als einer mutiger Reformpapst. Wegen seiner Bescheidenheit und Volksnähe wird Johannes XXIII. (bürgerlich Angelo Roncalli) im Volksmund „Der gute Papst“ genannt. Am 3. September 2000 wurde er selig- und am 27. April 2014 heiliggesprochen. Sein Gedenktag in der römisch-katholischen Kirche ist der 11. Oktober, der Tag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils im Jahr 1962. © imago
Manchen gilt allerdings Paul VI. (1897 bis 1978) wegen seiner prägenden Rolle, seiner Beschlussfassung und der Umsetzung der Entscheidungen als eigentlicher „Konzilspapst“. Keiner seiner Vorgänger hat wohl je eine so umfassende kirchliche Gesetzgebung durchgesetzt wie Paul VI. (bürgerlich Giovanni Montini). Umstritten ist die Enzyklika „Humanae vitae” von 1968, in der Paul VI. den Gebrauch künstlicher empfängnisverhütender Mittel als „immer unerlaubt“ verwarf. Spöttisch wurde er deshalb auch „Pillen-Paul“ genannt. Paul VI. wurde am 19. Oktober 2014 selig- und am 14. Oktober 2018 heiliggesprochen.
Manchen gilt allerdings Paul VI. (1897 bis 1978) wegen seiner prägenden Rolle, seiner Beschlussfassung und der Umsetzung der Entscheidungen als eigentlicher „Konzilspapst“. Keiner seiner Vorgänger hat wohl je eine so umfassende kirchliche Gesetzgebung durchgesetzt wie Paul VI. (bürgerlich Giovanni Montini). Umstritten ist die Enzyklika „Humanae vitae” von 1968, in der Paul VI. den Gebrauch künstlicher empfängnisverhütender Mittel als „immer unerlaubt“ verwarf. Spöttisch wurde er deshalb auch „Pillen-Paul“ genannt. Paul VI. wurde am 19. Oktober 2014 selig- und am 14. Oktober 2018 heiliggesprochen. © imago
1978 ging als das Dreipäpstejahr in die Geschichte ein. Auf Paul VI. folgte Johannes Paul I. (1912 bis 1978). Nach einem Pontifikat von nur 33 Tagen starb Johannes Paul I. in der Nacht vom 28. zum 29. September 1978. Albino Luciani, der aus armen Verhältnissen stammte, wurde in der Krypta des Petersdoms bestattet. Eine Obduktion seines Leichnams wurde sowohl von seiner Familie als auch vom Vatikan verweigert. Sein Tod ließ rasch zahlreiche Verschwörungstheorien aufkommen. In Italien erinnert man sich an ihn als „Papst des Lächelns“ und „Das Lächeln Gottes“. Johannes Paul I. wurde am 4. September 2022 seliggesprochen.
1978 ging als das Dreipäpstejahr in die Geschichte ein. Auf Paul VI. folgte Johannes Paul I. (1912 bis 1978). Nach einem Pontifikat von nur 33 Tagen starb Johannes Paul I. in der Nacht vom 28. zum 29. September 1978. Albino Luciani, der aus armen Verhältnissen stammte, wurde in der Krypta des Petersdoms bestattet. Eine Obduktion seines Leichnams wurde sowohl von seiner Familie als auch vom Vatikan verweigert. Sein Tod ließ rasch zahlreiche Verschwörungstheorien aufkommen. In Italien erinnert man sich an ihn als „Papst des Lächelns“ und „Das Lächeln Gottes“. Johannes Paul I. wurde am 4. September 2022 seliggesprochen. © Imago
Am 16. Oktober 1978 wurde Johannes Paul II. (1920 bis 2005) zum 264. Papst gewählt. Sein Pontifikat dauerte 26 Jahre und 5 Monate. Karol Wojtyła wurde am 18. Mai 1920 in Wadowice geboren. Er war der erste Pole auf dem Papstthron und der erste Nicht-Italiener seit 456 Jahren. Ihm wird eine maßgebliche Rolle bei der Beendigung des Sozialismus in seinem Heimatland zugeschrieben. Johannes Paul II. suchte verstärkt die Öffentlichkeit, scheute die Massenmedien nicht und wurde gelegentlich auch „Medienpapst“ genannt. Johannes Paul II. wurde am 1. Mai 2011 selig- und am 27. April 2014 heiliggesprochen.
Am 16. Oktober 1978 wurde Johannes Paul II. (1920 bis 2005) zum 264. Papst gewählt. Sein Pontifikat dauerte 26 Jahre und 5 Monate. Karol Wojtyła wurde am 18. Mai 1920 in Wadowice geboren. Er war der erste Pole auf dem Papstthron und der erste Nicht-Italiener seit 456 Jahren. Ihm wird eine maßgebliche Rolle bei der Beendigung des Sozialismus in seinem Heimatland zugeschrieben. Johannes Paul II. suchte verstärkt die Öffentlichkeit, scheute die Massenmedien nicht und wurde gelegentlich auch „Medienpapst“ genannt. Johannes Paul II. wurde am 1. Mai 2011 selig- und am 27. April 2014 heiliggesprochen. © Knut Falch/imago
Benedikt XVI. (1927 bis 2022) war der zweite Papst der Geschichte, der freiwillig von seinem Amt zurücktrat. Während seiner Amtszeit setzte sich Benedikt (bürgerlich Joseph Ratzinger) für eine Rückbesinnung auf christliche Grundwerte ein, um der zunehmenden Säkularisierung vieler westlicher Länder entgegenzuwirken. Im Mai 2006 unternahm er eine Pilgerfahrt nach Polen, wo er auch die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besuchte. Wegen seines Umgangs mit Fällen sexuellen Missbrauchs war Benedikt XVI. umstritten, obwohl er strenge Regeln für den Umgang mit Tätern einführte und allein in der zweiten Hälfte seines Pontifikats über 500 Priester in den Laienstand versetzte.
Benedikt XVI. (1927 bis 2022) war der zweite Papst der Geschichte, der freiwillig von seinem Amt zurücktrat. Während seiner Amtszeit setzte sich Benedikt (bürgerlich Joseph Ratzinger) für eine Rückbesinnung auf christliche Grundwerte ein, um der zunehmenden Säkularisierung vieler westlicher Länder entgegenzuwirken. Im Mai 2006 unternahm er eine Pilgerfahrt nach Polen, wo er auch die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besuchte. Wegen seines Umgangs mit Fällen sexuellen Missbrauchs war Benedikt XVI. umstritten, obwohl er strenge Regeln für den Umgang mit Tätern einführte und allein in der zweiten Hälfte seines Pontifikats über 500 Priester in den Laienstand versetzte. © imago
Franziskus (geboren 1936 in Buenos Aires) ist seit dem 13. März 2013 der 266. Bischof von Rom und damit Papst, Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und Souverän des Vatikanstaats. Jorge Mario Bergoglio wählte Franziskus als seinen päpstlichen Namen zu Ehren des Heiligen Franz von Assisi. Als Argentinier ist er der erste gebürtige Nichteuropäer im Papstamt seit dem im 8. Jahrhundert amtierenden Gregor III. Zudem ist er der erste Papst, der dem Orden der Jesuiten angehört. Franziskus ist bekannt für seine Demut, seine Betonung der Barmherzigkeit Gottes, seine internationale Sichtbarkeit als Papst, seine Sorge um die Armen und sein Engagement für den interreligiösen Dialog.
Nachdem Benedikt XVI. am 11. Februar 2013 vor den Kardinälen seinen Rücktritt zum 28. Februar 2013 angekündigt hatte, wurde er als Kirchenoberhaupt am 13. März 2013 von Papst Franziskus abgelöst und zog als emeritierter Papst am 2. Mai 2013 in das Vatikankloster Mater Ecclesiae. Benedikt XVI. war Mitglied mehrerer sozialwissenschaftlicher Akademien. Er spielte Klavier und hatte eine Vorliebe für klassische Musik von Mozart und Bach. Am 2. September 2020 löste Benedikt Leo XIII. als den am ältesten gewordenen Papst der Geschichte ab. © L‘Osservatore Romano/dpa
Franziskus hält an den Ansichten der Kirche zu Abtreibung, Zölibat und Frauenordination fest, hat aber einen Dialog über die Möglichkeit von Diakonissen initiiert. Zudem unterstützt er eine etwaige Öffnung der römisch-katholischen Kirche für Mitglieder der LGBT-Gemeinschaft. Franziskus ist ein Kritiker des Kapitalismus und des Wirtschaftsliberalismus. Gleichzeitig befürwortet er Maßnahmen gegen die globale Erwärmung. Während der europäischen und zentralamerikanischen Migrantenkrisen unterstützte er die Sache der Geflüchteten.
Franziskus (geboren 1936 in Buenos Aires) ist seit dem 13. März 2013 der 266. Bischof von Rom und damit Papst, Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und Souverän des Vatikanstaats. Jorge Mario Bergoglio wählte Franziskus als seinen päpstlichen Namen zu Ehren des Heiligen Franz von Assisi. Als Argentinier ist er der erste gebürtige Nichteuropäer im Papstamt seit dem im 8. Jahrhundert amtierenden Gregor III. Zudem ist er der erste Papst, der dem Orden der Jesuiten angehört. Franziskus ist bekannt für seine Demut, seine Betonung der Barmherzigkeit Gottes, seine internationale Sichtbarkeit als Papst, seine Sorge um die Armen und sein Engagement für den interreligiösen Dialog. Franziskus hält an den Ansichten der Kirche zu Abtreibung, Zölibat und Frauenordination fest, hat aber einen Dialog über die Möglichkeit von Diakonissen initiiert. Zudem unterstützt er eine etwaige Öffnung der römisch-katholischen Kirche für Mitglieder der LGBT-Gemeinschaft. Franziskus ist ein Kritiker des Kapitalismus und des Wirtschaftsliberalismus. Gleichzeitig befürwortet er Maßnahmen gegen die globale Erwärmung. Während der europäischen und zentralamerikanischen Migrantenkrisen unterstützte er die Sache der Geflüchteten. © imago

Papst Franziskus hat viele Kritiker

Aufschlussreich ist auch der Abschnitt über Bergoglios Zeit im argentinischen Córdoba, 1990 bis 1992. Zuvor hatte er die argentinische Provinz der Jesuiten geleitet, nun schickten ihn die Ordensoberen in die „Verbannung“. „In diesen knapp zwei Jahren“, schreibt der Papst, „dachte ich viel über meine Vergangenheit nach, über meine Zeit als Provinzial, über die Entscheidungen, die ich egoistisch und aus dem Bauch heraus getroffen hatte, über die Irrtümer, die ich wegen meines autoritären Gehabes begangen hatte, sodass man mir schließlich vorgeworfen hatte, ultrakonservativ zu sein.“ Ultrakonservativ, Kommunist, Antichrist? Was nun? Wer ist Franziskus?

Auch heute hat der Papst viele Kritiker, auf allen Seiten. Die Links-Katholiken in Deutschland sind verbittert, dass er die Reformen des Synodalen Wegs ausbremst. Die Traditionalisten in Rom werfen Franziskus vor, das Papsttum zu zerstören. Seine Gegner bereiten sich bereits auf das nächste Konklave vor, mögliche Kandidaten werden geprüft. Doch alle Kritiker wirken machtlos gegenüber diesem scheinbar schwächelnden Papst. Abwarten ist die große Devise. „Die Mao-Tse-Tung-Taktik“, nennt das der Buchautor und Vatikan-Beobachter Marco Politi („Im Auge des Sturms“). „Sie warten am Ufer, bis der Leichnam des Feindes vorübertreibt.“

Der nächste Papst: eine schwere Wahl

Die finale Abrechnung lieferte jüngst ein anonymer Kardinal auf der Webseite der konservativen „Nuova bussola quotidiana“. Dort schimpft er gegen den „autokratischen, zuweilen nachtragend wirkenden Regierungsstil; eine Nachlässigkeit in Fragen des Rechts; eine Intoleranz selbst gegenüber respektvoll geäußerten Differenzen, und – was am schwersten wiegt – ein Muster der Mehrdeutigkeit in Fragen des Glaubens und der Moral“. Auch dieser Affront ließ Franziskus kalt. Er bräuchte „einmal die Woche einen Psychologen (…), wenn ich all dem nachgehen würde, was über mich gesagt und geschrieben wurde!“, schreibt er in der Biografie.

Immer noch bringt Franziskus die Kraft auf für das eine oder andere Revolutiönchen. Die Erklärung Fiducia Supplicans vom Dezember, die die Segnung homosexueller Partner erlaubt, ist ein Beispiel. Undenkbar unter Johannes Paul II. oder Benedikt. Franziskus duldet sogar, dass die afrikanischen Bischöfe die Erklärung beinahe geschlossen ablehnen. Man müsse die Kultur jener Länder verstehen.

Franziskus hat der Kirche viel zugemutet. Sie wird sich wohl erst erholen müssen von jenem Schwung. Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen für das nächste Konklave. Ob es nach vorne gehen wird, zurück oder die Kirche auf der Stelle tritt, ist ungewiss. Einig sind sich die Kenner nur darin, dass es die schwierigste Papst-Wahl seit Langem werden könnte. (Julius Müller-Meiningen)

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