Papst Franziskus besucht am Freitag in der kommenden Woche die Hafenstadt Marseille in Südfrankreich.
Marseille in Frankreich - Anlass der Visite ist ein einwöchiges Treffen von Bischöfen und jungen Menschen aus verschiedenen Mittelmeer-Anrainerstaaten, die sich mit den Krisen rund ums Mittelmeer befassen. Vor allem das Schicksal der Migranten aus Afrika, die über das Mittelmeer nach Europa flüchten, wobei viele von ihnen ums Leben kommen, liegt dem Papst am Herzen. Er besuche „Marseille, nicht Frankreich“, hatte der Papst betont.
Gleichwohl wird Präsident Emmanuel Macron mit Papst Franziskus unter vier Augen zusammentreffen und auch an der Abschlussmesse am Samstag teilnehmen, wie der Elysée mitteilte. Aber wegen der strengen Trennung von Religion und Staat in Frankreich sorgt die Anwesenheit des Präsidenten bei dem Gottesdienst für Debatten. Die linkspopulistische Partei LFI zeigte sich überzeugt, dass dies nicht mit dem Grundsatz der Laizität vereinbar sei.
„Die Trennung von Kirche und Staat bedeutet nicht, dass der Präsident keine Beziehungen zu den Religionsgemeinschaften unterhält“, hieß es dazu aus dem Elysée. Der Präsident habe auch schon Synagogen besucht und mit Muslimen das Fastenbrechen begangen. Macron werde allerdings nicht die Kommunion empfangen, betonte der Elysée. Katholiken erinnern in der Messe an das letzte Abendmahl Jesu und sehen in dem Brot dessen Präsenz.
Macron, ein ehemaliger Jesuitenschüler, hatte sich im Alter von zwölf Jahren auf eigenen Wunsch taufen lassen, bezeichnet sich heute aber als Agnostiker, der also eine Existenz Gottes für nicht beweisbar hält. In der Vergangenheit hatte er mehrfach an Gottesdiensten teilgenommen, ohne dass dies Kritik hervorgerufen hätte, unter anderem an einer Trauerfeier für den Sänger Johnny Hallyday.
Der Erzbischof von Marseille, Jean-Marc Aveline, sagte im Gespräch mit AFP, der Papst komme nicht nach Frankreich, „damit wir auf ihn schauen, sondern damit wir zusammen auf das Mittelmeer schauen“. Zum Auftakt seines Besuchs will sich Franziskus zu einer Gedenkstele für die im Mittelmeer ertrunkenen Migranten am Fuß der Basilika Notre-Dame-de-la-Garde begeben.
„Mich besorgt das Problem des Mittelmeers“, hatte der Papst erklärt. „Die Ausbeutung der Migranten ist ein Verbrechen. Das Mittelmeer ist zu einem Friedhof geworden.“
Ein Abstecher nach Paris ist nicht geplant. Nach Informationen der Zeitung „La Croix“ hatte sich Macron vergeblich um ein gemeinsames Mittagessen mit dem Papst bemüht. Der Vatikan habe jedoch darauf verwiesen, dass Franziskus keine offiziellen Vertreter zum Essen treffen wolle.
Bei dem nun vorgesehenen Treffen unter vier Augen würden internationale Themen wie die Lage in der Ukraine und im Sahel angesprochen werden, aber auch Migrationsfragen und der Kampf gegen den Klimawandel, hieß es aus dem Elysée. Frankreich sieht sich in seinem Bemühen, die Migrationspolitik zunehmend auf die EU-Ebene zu verlagern, von Franziskus unterstützt.
Es ist das erste Mal seit dem 16. Jahrhundert, dass ein Papst Marseille besucht. Benedikt XVI. hatte 2008 Paris und Lourdes besucht. Damals hatte der Premierminister François Fillon, ein praktizierender Katholik, an der Messe teilgenommen. Johannes Paul II. war acht Mal nach Frankreich gereist. „Frankreich, älteste Tochter der Kirche, bist Du Deinem Taufversprechen treu?“ hatte der Papst die französischen Katholiken damals gemahnt.
Macron steht eine Woche mit großem Protokoll bevor. Zwei Tage vor dem Papst hat sich er britische König Charles III. mit seiner Frau Camilla angesagt, um seinen im März verschobenen Staatsbesuch nachzuholen. Damals hatten gewaltsame Ausschreitungen wegen der umstrittenen Rentenreform die Absage des königlichen Besuchs zur Folge gehabt. kol/ju