Brisantes Timing

Kompromiss beim Mindestlohn wirft Schatten auf SPD-Parteitag – Bas begrüßt Beschluss

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Die Mindestlohn-Kommission legt ihre Empfehlung vor. Für die SPD könnte das Timing kaum schlechter sein. Auf dem anstehenden Parteitag droht Zoff.

Update, 15.35 Uhr: Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Yasmin Fahimi hat beim SPD-Parteitag den Kompromiss zum Mindestlohn verteidigt und bei den Sozialdemokraten um Akzeptanz geworben. „Liebe Genossinnen und Genossen, ich kann euch sagen: Das ist ein verdammt hartes Ringen gewesen“, berichtete Fahimi aus den Verhandlungen. Manche Arbeitgeber hätten am liebsten eine Nullrunde gesehen. Letztlich habe man aber einen Einstieg in einen echten, armutsfesten Mindestlohn geschafft.

Update, 11.38 Uhr: Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat die Einigung der Mindestlohnkommission auf die künftige Höhe der Lohnuntergrenze „ausdrücklich“ begrüßt. Der einstimmige Beschluss des Gremiums sei „eine gute Nachricht für circa sechs Millionen Menschen im Land“, sagte Bas am Freitag in Berlin. Sie zollte den Arbeitgebern und Gewerkschaften „Respekt“ und verwies auf harte Verhandlungen in der Kommission.

Die unabhängige Mindestlohnkommission hatte der Bundesregierung kurz zuvor eine Anhebung des Mindestlohns auf 13,90 Euro im Jahr 2026 und auf 14,60 Euro im Jahr 2027 empfohlen. In den vergangenen Wochen waren aus Bas‘ Partei Rufe gekommen, notfalls auch über einen politischen Beschluss eine Mindestlohnhöhe von 15 Euro festzusetzen. Bas erklärte, es sei immer besser, wenn eine solche Festsetzung nicht über die Politik, sondern durch die Sozialpartner geschehe. Sie werde der Bundesregierung vorschlagen, die Empfehlung anzunehmen und diese durch eine Rechtsverordnung verbindlich zu machen.

Sie verwies darauf, dass es sich bei den zwei Erhöhungsschritten prozentual um eine „ordentliche“ Steigerung handele. Zugleich räumte die Ministerin „als Sozialdemokratin“ ein: „Natürlich haben wir uns mehr gewünscht für die Menschen im Land.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Linnemann lobt Entscheidung der Mindestlohnkommission: „gelebte Sozialpartnerschaft“

Update, 10.43 Uhr: CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat die Verständigung der zuständigen Kommission zur Erhöhung des Mindestlohns in Deutschland begrüßt. „Es ist gut, dass die Mindestlohnkommission sich einvernehmlich geeinigt hat“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist gelebte Sozialpartnerschaft und zeigt, dass die Kommission funktioniert. Die Lohnfindung bleibt auch in Zukunft Sache der Tarifpartner.“ 

Update, 10.01: Die Mindestlohnkommission hat den Mindestlohn einstimmig auf 13,90 Euro zum 01. Januar 2026 erhöht. Eine weitere Anpassung des Mindestlohns auf 14,60 Euro soll am 1. Januar 2027 folgen. Für die SPD ist die Entscheidung so kurz vor dem Parteitag eine herbe Niederlage. Im Wahlkampf hatten die Sozialdemokraten eine Erhöhung des Mindestlohns auf 15 Euro bis 2026 versprochen. Daraus wird nun nichts.

Mindestlohn soll steigen – Entscheidung belastet SPD-Parteitag

Erstmeldung: Berlin – Für die SPD ist der Mindestlohn schon seit Jahren eines der wichtigsten Themen. So auch im Wahlkampf zur letzten Bundestagswahl, der den Sozialdemokraten das schlechteste Ergebnis seit der Gründung der BRD eingefahren hat. Hat man eigentlich schon genug zu diskutieren, könnte ausgerechnet das Lieblingsthema für Zündstoff auf dem anstehenden SPD-Parteitag sorgen.

Denn am heutigen Freitag will die Mindestlohn-Kommission ihre heikle Empfehlung für den neuen Betrag vorlegen – für die SPD kommt das zur Unzeit.

Ausgerechnet kurz vor SPD-Parteitag: Mindestlohn-Kommission legt Empfehlung vor

Im Hauptfokus dürften auf dem SPD-Parteitag statt des Mindestlohnes erst einmal tagesaktuelle politische Ereignisse stehen. Denn am Vormittag – kurz vor dem Parteitag – wird in Berlin ein Kernanliegen der SPD verhandelt. Die Mindestlohn-Kommission hat zur Verkündung ihres Verhandlungsergebnisses über die künftige Lohnuntergrenze eingeladen.

Die Bundespressekonferenz hatte den Termin der Mindestlohn-Kommission mit Steffen Kampeter (Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände), Stefan Körzell vom Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) sowie Kommissions-Chefin Christiane Schönefeld auf 10 Uhr vorverlegt. Wenig später, laut offiziellem Programm um 14 Uhr, will die SPD ihren Parteitag starten.

Mindestlohn: Kommission scheint SPD-Forderung nicht nachzukommen

Wie aus Kommissionskreisen verlautete, hatte das für die Lohnuntergrenze in Deutschland verantwortliche Gremium seine Terminplanung längst abgeschlossen, als die SPD ihren Parteitag ansetzte. Gegen politischen Druck rund um den Mindestlohn verwahrte man sich in der Kommission.

Brisant ist das Thema Mindestlohn für die SPD, weil sie den Wählerinnen und Wählern eine Erhöhung auf 15 Euro versprochen hatte. Doch aus den gesetzlichen Grundlagen der Mindestlohn-Kommission und der Wirtschaftslage sind 15 Euro kaum herleitbar, wie es in mit den Debatten der Kommission vertrauten Kreisen heißt. Arbeitgeber und Deutscher Gewerkschaftsbund in dem Gremium waren sich bis zuletzt uneins.

Auf ihrem Parteitag wird sich die SPD auch mit dem Mindestlohn beschäftigen.

SPD forder Mindestlohn von 15 Euro: Rufe nach politischem Beschluss drohen auf Parteitag

Beschließt die Kommission nicht den von der SPD geforderten Mindestlohn, droht beim Parteitag eine hitzige Debatte über einen neuen politischen Beschluss. Einen solchen gab es schon zu Zeiten der Ampel-Koalition; die jetzigen Koalitionspartner CDU und CSU lehnen dieses Vorgehen aber kategorisch ab.

Der Mindestlohn liegt seit Jahresbeginn bei 12,82 Euro. CDU/CSU und SPD halten ihrem Koalitionsvertrag zufolge einen Mindestlohn von 15 Euro im Jahr 2026 für „erreichbar“. (nak/dpa)

Rubriklistenbild: © Montage: Sebastian Kahnert/dpa Jan Woitas/dpa

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