Ukraine-Krieg

Wer folgt auf Wladimir Putin? Was nach einem Sturz passieren könnte

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Wladimir Putin könnte wegen des Ukraine-Kriegs weiter an Rückhalt verlieren. Ein Sturz des Kremlchefs könnte dann wahrscheinlicher werden. (Symbolbild)
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Wladimir Putins Position gilt als gefährdet – sogar ein Sturz ist möglich. Ein Experte zweifelt das an und warnt zugleich vor einem Nachfolger.

Moskau – Gescheiterte Offensiven, Bodenverluste und meuternde Soldaten: Der Ukraine-Krieg hat sich für Wladimir Putin knapp zehn Monate nach Ausbruch gegen den Kreml-Herrscher gedreht. Seit Wochen gerät Russlands Präsident wegen der jüngsten Entwicklungen auch innenpolitisch unter Druck. Kritiker beschwören deshalb einen Sturz Putins und sehen die Zeit reif für einen Nachfolger. Doch nun machte ein Experte klar, dass eben dieser wohl nicht die beste Lösung für den Westen wäre.

Sturz Putins unwahrscheinlich: Experte vermutet weitere Probleme wegen des Ukraine-Kriegs für Kremlchef

Politikwissenschaftler Gerhard Mangott erklärte gegenüber ntv, dass die Position von Putin nicht gefährdet oder gar ein Sturz aktuell unwahrscheinlich sei, der Verlauf des Ukraine-Kriegs allerdings inzwischen für zunehmend Unmut bei der russischen Bevölkerung sorgen würde. „Für Putin läuft nicht alles nach Plan“, stellte der Experte klar. Angesichts des kommenden Kriegswinters, der auch über ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs entscheiden könnte, könnte sich die Lage allerdings zunehmend verschlechtern.

Ein Sturz Putins sei aber noch unwahrscheinlich. Denn: Durch die Gebietsverluste im Ukraine-Krieg und der russischen Außenpolitik der vergangenen Monate würden immer mehr Fragen aufkommen, die auf lange Sicht die Position von Wladimir Putin in der russischen Politik gefährden könnten. Die Möglichkeit, dass Russland den Krieg in der Ukraine, oder genau genommen die Spezialoperation, verlieren könnte, scheint mittlerweile in den Köpfen vieler Russen ein drohendes Szenario zu werden.

Derzeit noch kein Sturz Putins: Weiterer Kriegsverlauf und Ende des Ukraine-Kriegs könnten entscheidend sein

Dass Wladimir Putin derzeit dennoch kein Sturz befürchten muss, begründet Mangott damit, dass erst durch eine desaströse Kriegsniederlage im Ukraine-Krieg die Position des Kremlchefs ernsthaft gefährdet sein könnte. Wie gefährlich es allerdings dadurch für die westliche Welt werden könnte, ist vermutlich vielen Menschen in Europa gar nicht bewusst: Sollte Putin an Macht verlieren und sein Sturz bevorstehen, könnte ein möglicher Nachfolger noch radikaler agieren, als es derzeit der russische Präsident tut. Derweil wird auch immer wieder berichtet, dass Wladimir Putin krank sei und es einen „Treppensturz“ gegeben habe.

Wer auf Putin folgen könnte: mögliche Nachfolger des russischen Präsidenten im Überblick

  • Dmitri Patruschew: Sohn des Sicherheits-Sekretärs Nikolai Patruschew, der zu den wichtigsten Ideologen des Regimes in Russland gehört. Patruschew junior war bereits als Landwirtschaftsminister tätig, er könnte aufgrund seines jungen Alters von 45 Jahren als frischer Wind angesehen werden.
  • Sergej Kirijenko: War im Alter von 35 Jahren von April bis August 1998 bereits Ministerpräsident von Russland. In der Regierung von Boris Jelzin galt Kirijenko als „junger Reformer“. Im Oktober 2016 wurde er von Putin zum stellvertretenden Leiter der Präsidialverwaltung ernannt.
  • Sergei Sobjanin: Ist seit Oktober 2010 Bürgermeister von Moskau. War unter anderem Chef der Präsidialverwaltung unter Wladimir Putin und Vize-Ministerpräsident in der Regierung der Russischen Föderation. Sobjanin gilt als enger Vertrauter von Putin, der seinen Einfluss in Moskau laut Beobachtern durch die Ernennung Sobjanins zum Bürgermeister kontinuierlich gestärkt hat.
  • Michail Mischustin: Seit Januar 2020 Ministerpräsident der Russischen Föderation. War zehn Jahre lang Chef der russischen Steuerbehörde. Durch den russischen Oppositionsführer Alexej Nawalny wurde Mischustin Korruption unterstellt.

Wer könnte auf Putin nach einem Sturz folgen? Zwar gilt auch Nikolai Patruschew, der auch im Zusammenhang mit Putins wahren Motiven für den Ukraine-Krieg eine Rolle spielt, als logischer Nachfolger, allerdings hält es Mangott für wahrscheinlich, dass sich ebendieser nicht lange an der Spitze Russlands halten würde. Wahrscheinlicher sei es, dass die russischen Geheimdienste die politische Spitze des Landes umgehend durch jemanden ersetzen würden, der einen radikalen Weg einschlagen würde. Denn: Eine russische Niederlage im Ukraine-Krieg müsse nach den Doktrinen des Landes abgewandt werden. Im schlimmsten Fall würde das bedeuten, dass Russland auch auf den Einsatz von Atomwaffen zurückgreifen würde, um eine bessere Ausgangslage für Verhandlungen zu erreichen.

Ukraine-Krieg aktuell: Weitere Entwicklung für Putin ungewiss

Auch wenn ein Sturz Putins noch in weiter Ferne zu sein scheint, eins ist klar: Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs könnten in nächster Folge dafür sorgen, dass die Stimmung in Russland weiter kippen könnte. Denn nicht nur die allgemeine Bevölkerung sieht sich immer weiter mit den Kriegsfolgen konfrontiert, sondern auch die russische Elite, die dank Putins Kriegs auf den Sanktionslisten des Westens stehen und mittlerweile große Teile ihres Vermögens verloren haben. Wie sich die Macht im Kreml in den kommenden Wochen entwickeln könnte, bleibt also abzuwarten.

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