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Wiener Würstchen für sechs Euro. Damit will Penny mehr Bewusstsein für Umweltbelastungen schaffen. Aber muss die Aktion beim Discounter laufen?
Zuletzt hatte Penny mit einem kuriosen Aushang über verschwundene Einkaufswagen viele Menschen amüsiert. Nun sorgt der Discounter mit einem anderen Thema für Reaktionen: Seit Montag (31. Juli) verlangt Penny für neun seiner mehr als 3000 Produkte eine Woche lang die „wahren Preise“ – also den Betrag, der bei Berücksichtigung aller durch die Produktion verursachten Umweltschäden entsteht. Vor allem tierische Produkte werden dadurch deutlich teurer.
Mit dieser Aktion will der Supermarkt mehr Bewusstsein für die Umweltbelastungen durch die Lebensmittelproduktion schaffen. „Wir sehen, dass viele unserer Kundinnen und Kunden unter den unverändert hohen Lebensmittelpreisen leiden. Dennoch müssen wir uns der unbequemen Botschaft stellen, dass die Preise unserer Lebensmittel, die entlang der Lieferkette anfallen, die Umweltfolgekosten nicht widerspiegeln“, erklärt Penny-Manager Stefan Görgens. Die Mehreinnahmen will die zur Rewe-Gruppe gehörende Kette für ein Klimaschutzprojekt und zum Erhalt familiengeführter Bauernhöfe im Alpenraum spenden. Wie schwer das Leben als Landwirt:in sein kann, beschreibt eine Bäuerin auf Facebook.
Berechnet wurden die „wahren Preise“, bei denen neben den üblichen Herstellungskosten auch die Auswirkungen der Lebensmittelproduktion auf Boden, Klima, Wasser und Gesundheit einbezogen werden, von der Technischen Hochschule Nürnberg und der Universität Greifswald. Die Wissenschaftler:innen haben dafür konventionell und ökologisch erzeugte Eigenmarken-Produkte sowie ein veganes Lebensmittel verglichen.
1. Wiener Würstchen
Die Hochschulen berechneten den Preis für Wiener Würstchen der Marken Mühlenhof und Bio Naturgut neu. Dabei stiegen die Preise um etwa 88 Prozent.
2. Maasdamer
Bei Milchprodukten wie Käse ist der Preisunterschied ebenfalls enorm.
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3. Mozzarella
Mozzarella-Käse kostet nach der neuen Berechnung 63 Cent mehr.
4. Joghurt
Bio-Produkte schneiden im Vergleich besser ab, weisen aber dennoch eine deutliche Lücke auf.
5. Veganes Schnitzel
Wer dachte, das vegane Schnitzel würde zum korrekten Preis verkauft werden, wird enttäuscht. Allerdings ist die Diskrepanz zwischen dem handelsüblichen Preis und dem unter Berücksichtigung der Umweltfaktoren mit nur fünf Prozent am geringsten.
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Kritik an den neuen Preisen beim Discounter Penny
„Spannendes Experiment“, twittert ein User. Die umweltfreundliche Aktion kommt aber nicht bei allen gut an. Manche Kund:innen beschweren sich: „Firmen sollen ihre Produkte verkaufen und weder Politik machen, noch den Moralhammer benutzen“, schreibt einer auf Twitter.
Bei dem Experiment gehe es allerdings nicht darum, die wahren Kosten für Lebensmittel nun direkt einführen zu wollen, betonte Amelie Michalke, Wissenschaftlerin an der Universität Greifwald in der Pressemitteilung. Dafür fehle es an wissenschaftlichen Grundlagen und Antworten auf Fragen der sozialen Gerechtigkeit.
Vielmehr erhoffe man sich Erkenntnisse über Akzeptanz und Kaufverhalten bei korrekten Preisen. Daraus könne man Handlungsempfehlungen und vor allem sinnvolle politische Maßnahmen gestalten, erklärt Prof. Tobias Gaugler von der Technischen Hochschule Nürnberg.
Warum läuft die Aktion „ausgerechnet“ beim Discounter?
Was mich am meisten nervt: Warum fährt die #REWE-Group ihre "wahre Preise"-Aktion ausgerechnet im Discounter #Penny statt wenigstens bei REWE, wo meist etwas finanzstärkere Kund*innen einkaufen?
— Jan Bühlbecker ⬋⬋⬋ (@jan_buehlbecker) July 30, 2023
Warum aber diese Aktion gerade bei der Discounter-Marke der Rewe Group läuft, die vor allem Käufer:innen mit kleinem Budget locken will, und nicht etwa bei Rewe, fragt sich ein User auf Twitter (s. oben). Auf unsere Anfrage erklärt ein Sprecher der Gruppe: „Penny setzt damit die Aktion aus dem Jahre 2020 fort. Zudem tauschen wir uns über die Erfahrungen mit den Rewe Kollegen umfassend aus.“
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(Mit Material der dpa)
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