Zahlreiche Personalrochaden

Historischer Umbau: So stark krempelt Pistorius die Bundeswehr wirklich um

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Boris Pistorius plant offenbar weitreichende Umstrukturierungen bei Bundeswehr und Verteidigungsministerium.
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Einige Schlüsselposition bei der Bundeswehr und im Verteidigungsministerium sind schon neu besetzt. Doch Boris Pistorius plant wohl einen Rundumschlag.

Berlin - Zwei Monate lang hat Boris Pistorius die Strukturen in der Bundeswehr und dem Verteidigungsministerium studiert. Dann vollzog er erste personelle Änderungen in Führungspositionen. Doch der neue Minister plant offenbar Großes. Einem Medienbericht zufolge soll es zahlreiche weitere Personalrochaden geben.

Zuletzt hatte Pistorius bereits drei Führungskräfte entlassen: Gehen mussten die für den Haushalt zuständige Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, Margaretha Sudhof, die Chefin des Beschaffungsamtes, Gabriele Korb, sowie der langjährige Bundeswehr-Generalinspekteur Eberhard Zorn. Dessen Nachfolger ist Generalmajor Carsten Breuer.

Boris Pistorius will Bundeswehr-Führung stärker verändern als bislang angenommen

Korb soll ihre bisherige Stellvertreterin Annette Lehnigk-Emden beerben, Sudhof wird durch Pistorius‘ engen Vertrauten Nils Hilmer ersetzt. Doch es wackeln wohl noch fünf weitere wichtige Posten, die bislang nicht bekannt waren. Business Insider schreibt von „historisch beispiellosen Veränderungen“. Erst kürzlich machte die Nachrichtenseite eine eklatante Fehlplanung im Bundeswehr-Haushalt publik.

Demnach soll der für das Beschaffungswesen zuständige Staatssekretär Benedikt Zimmer vor dem Aus stehen. Ihn soll spätestens im August General Christian Badia ersetzen, der aktuell als stellvertretender Supreme Allied Commander Transformation verantwortlich für die Weiterentwicklung der Nato-Strukturen zeichnet.

Verteidigungsminister Pistorius plant neuen Planungs- und Führungsstab

Ebenfalls zur Disposition steht Business Insider zufolge Vizeadmiral Carsten Stawitzki, der Abteilungsleiter Ausrüstung bei der Bundeswehr ist. Als Nachfolger im Gespräch ist Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz. Abteilungsleiter Personal ist noch Klaus von Heimendahl. Doch es gibt Anzeichen, dass der Generalleutnant von der Vizepräsidentin des Personalamtes der Bundeswehr, Nicole Schilling, abgelöst wird. Auch der Stuhl von Amtschefin Sabine Grohmann wackelt angeblich.

Während auch Barbara Wießalla, Chefin der Abteilung Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen, um ihren Posten bangen muss, will Pistorius offenbar auch einen Planungs- und Führungsstab etablieren. Die Mitglieder sollen sich mit militärpolitischen und strategischen Angelegenheiten befassen und dem SPD-Minister unterstellt sein. Chef des Stabs könnte der bisherige Leiter des Ukraine-Krisenstabes Christian Freuding werden.

Wehrbeauftragte hält angestrebtes Personalziel des Bundesverteidigungsministeriums für nicht erreichbar

Der Umbau der Führungspositionen ist nur ein erster Schritt, den Pistorius beim Umkrempeln der Bundeswehr geht. Denn aufgrund von steigenden Nato-Anforderungen und Zusagen Deutschlands an das Verteidigungsbündnis benötigt die Truppe neben Ausrüstung und Material dringend Personal. „Das Verteidigungsministerium verfolgt das Ziel, dass die Bundeswehr von aktuell rund 183.000 Soldatinnen und Soldaten auf 203.000 bis zum Jahr 2031 wächst“, sagte die Wehrbeauftragte Eva Högl den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Doch das könnte schwierig werden. „Ich halte das für nicht erreichbar“, sagte die SPD-Politikerin. Die Herausforderung beim Personal sei bei der Bundeswehr angesichts zurückgehender Bewerbungen und einer hohen Abbrecherquote bei den Rekruten „noch größer als beim Material“. (mt)

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