Rentenstreit: FDP billigt Lindners Fünf-Punkte-Plan - das steht drin
VonBabett Gumbrecht
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Die FDP fordert eine generationengerechte Haushaltspolitik. Vor allem bei der Altersversorgung will die Ampelpartei den Rotstift ansetzen.
Berlin – Mit der Verabschiedung des Fünf-Punkte-Programms derFDP am Montag (13. Mai) dürfte die Distanz zwischen der Ampel-Koalition nur noch größer werden. Denn in dem Papier fordert die Partei unter Finanzminister Christian Lindner neben einer strengeren Sparpolitik auch Abstand von der Rente mit 63 und eine Reform des Bürgergeldes. Zeitgleich will Generalsekretär Bijan Djir-Sarai, dass sich die Koalitionspartner SPD und Grüne endlich mit den Plänen seiner Partei befassen.
FDP beharrt auf Maßnahmen: FDP-Generalsekretär fordert rasche Umsetzung
„Es ist schon die Erwartungshaltung, dass diese Maßnahmen rasch umgesetzt werden“, sagte Djir-Sarai. Für die FDP seien diese Forderungen zur Stärkung von Konjunktur und Haushalt „zentral“ - und sie werde nicht locker lassen, in der Koalition ihre Umsetzung zu fordern. „Die Maßnahmen müssen jetzt kommen“, betonte er. „Das muss jetzt relativ zügig gehen“, berichtet die Deutsche-Presse-Agentur. Insgesamt fordere die FDP eine generationengerechte Haushaltspolitik.
In dem Forderungspapier warnt die FDP vor steigender Staatsverschuldung, explodierenden Sozialbeiträgen und einer anhaltenden Schwäche der deutschen Wirtschaft. Der Staat müsse „im Rahmen der verfügbaren Mittel“ haushalten, heißt es darin. „Alle Staaten, die dies über längere Phasen nicht berücksichtigt haben, sind über kurz oder lang in schwere Krisen gestürzt bis hin zur Staatsinsolvenz.“
Sparpotentiale bei sozialen Leistungen: Bürgergeld und Entwicklungshilfe sollen gekürzt werden
Sparpotenzial sehen die Liberalen vor allem bei Ausgabeposten, die den Koalitionspartnern SPD und Grüne besonders wichtig sind - der abschlagsfreien Rente für langjährig Versicherte und dem Bürgergeld. „Die Rente mit 63 wie das Bürgergeld in seiner jetzigen Ausgestaltung setzen Fehlanreize, die wir uns nicht leisten können“, heißt es in dem Präsidiumsbeschluss. „Wir brauchen jeden und jede am Arbeitsmarkt, damit es in Deutschland für alle wieder aufwärtsgehen kann.“
Die Zahlung von Entwicklungshilfe knüpft die FDP an die Bedingung, dass in Deutschland „neuer Wohlstand“ geschaffen werden könne: „Gelingt uns dies nicht, können wir auch international nicht mehr zu den größten Geldgebern, zum Beispiel bei der Entwicklungshilfe, gehören.“
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Djir-Sarai wies die scharfe Kritik insbesondere der SPD an den Überlegungen seiner Partei zu Änderungen bei der Rente mit 63 zurück. „Wir dürfen die Leistungsfähigkeit der Menschen nicht nur durch explodierende Ausgabensteigerungen vorwiegend in den Sozialsystemen überfordern, wir dürfen aber auch keine falschen Anreize setzen, sich aus dem Arbeitsmarkt zu verabschieden oder die Aufnahme einer Arbeit zu verweigern“, sagte er.
Vizekanzler Habeck versteht Streit nicht: Gemeinsame Politik stehe im Vordergrund
Die Grünen können die Differenzen innerhalb der Ampel-Koalition um das Rentenpaket nach den Worten von Vizekanzler Robert Habeck nicht nachvollziehen. „Kurz gesagt verstehen wir den Streit um das Rentenpaket nicht wirklich“, sagte der Wirtschaftsminister am Montag (13. Mai) in Berlin. „Denn es gibt ja eine Einigung, und zwar der gemeinsame Wille, das Rentenniveau zu stabilisieren bei 48 Prozent.“
Habeck erinnerte daran, dass auf Wunsch der FDP auch Aktien bei der Rente künftig eine Rolle spielen sollen. Nach Reformplänen von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Finanzminister Lindner soll bis Mitte der 2030er Jahre ein neuer Kapitalstock auf dem Aktienmarkt von 200 Milliarden Euro geschaffen werden, um schrittweise eine nachhaltigere Basis für die künftige Finanzierung der Rente zu schaffen. Das Geld soll vom Bund kommen. „Da waren wir am Anfang nicht große Fans davon, aber so wie es gemacht wurde ist es voll okay. Können wir so machen“, sagte Habeck.
Daneben gehe es um die Frage, wie der Staat mehr Anreize zum Arbeiten auch im Alter setzen könne, sagte Habeck, etwa über steuerliche Regelungen. Parteichefin Ricarda Lang warnte vor öffentlichem Streit der Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Am Ende müssten sich die Partner alle bewegen. Die Bürger erwarteten Lösungen (bg/dpa).