VonGiorgia Grimaldischließen
In Deutschland drücken wir uns ganz schön seltsam aus.
In der 47. Folge des Podcasts „Feelings“, mit dem Kurt Krömer den deutschen Podcastpreis gewann, empfängt der Komiker den Star-Pianisten Igor Levit. Sie sprechen über die AfD, musikalisches Gespür sowie eine berufliche Auszeit und Rückzug von der Bühne.
Kurt Krömer, der nach eigener Aussage seit einem halben Jahr nicht mehr auftrete, sagt „ich muss mich da noch dran gewöhnen.“ Auch Levit hadert mit sich, einerseits möchte er nicht von der Bühne, andererseits sei „Füße hochlegen, wie man in Deutschland sagt“ auch nicht schlecht.
Krömer, der neulich ankündigte, Kandidat beim kommenden LOL-Weihnachtsspecial zu sein, erwidert: „ Ja, mach ma‘, halbes Jahr abwarten und Tee trinken“, was den Künstlern die Idee gibt, sich über deutsche Floskeln zu unterhalten. Scheinbar ein Spezialgebiet Levits, der eine ganze Liste mit deutschen Redewendungen angelegt hat, zumindest „im Kopf“.
Besonders die Ausdrücke, die heute Teil der Alltagssprache sind, aber eigentlich aus dem Kriegsjargon stammen, scheinen ihn zu interessieren. „Ich sammle die und finde die immer ganz furchtbar und dann fällt mir immer was neues auf“, sagt Levit und zählt auf:
1. „Hast du den Schuss nicht gehört“
2. „Schuss in den Ofen“
3. „Im Anmarsch sein“
4. „0815“
Hier wird Krömer hellhörig, denn den Ursprung dieser Redewendung kannte er nicht. Der Pianist erklärt: „Ja, das war ein Massenproduktionsgewehr im Ersten Weltkrieg.“ „Deutschland ist schon strange“, sagt Krömer darauf.
Kriegsvokabular zu verwenden ist nicht etwa eine deutsche Besonderheit, sondern in vielen Sprachen ganz normal, erklärt Experte Rolf-Bernhard Essig im Interview mit der Deutschen Welle. Sie seien „im Laufe der Zeit eingesickert“. Dabei gehen manche Jahrtausende zurück, wie etwa das Trojanische Pferd. Andere Begriffe würden kommen und gehen, so zum Beispiel „Alter Schwede“, aus dem sich „Alter“ entwickelt hat.
„Alter Schwede“ sei demnach im Dreißigjährigen Krieg entstanden, als schwedische Veteranen nicht zurück in ihr Heimatland gingen, sondern „Ausbilder der preußischen Armee wurden“. Diese habe man aufgrund ihrer guten Ausbildung sehr geschätzt und „alte Schweden“ genannt. BuzzFeed News hat weitere Redewendungen für dich gesammelt.
5. „Sich am Riemen reißen“
Diese Floskel soll ebenfalls aus dem Ersten Weltkrieg stammen. Der Riemen bezeichnete den Gürtel der Uniform. Korrekt saß dieser stramm am Körper und in der Mitte. War der Soldat unordentlich gekleidet, musste er „sich am Riemen reißen“.
6. „Flinte ins Korn schmeißen“
Bei einem aussichtslosen Kampf warfen Soldaten ihre Waffen (Flinte) weg – gaben also auf.
7. „Unter dem Radar sein“
8. „Jemanden den Laufpass geben“
Bei ihrer Entlassung bekamen Soldaten im 18. Jahrhundert den sogenannten Laufpass. Mit diesem Dokument konnten sie beweisen, dass sie ihre Pflicht erfüllt haben.
9. „Etwas (Böses) im Schilde führen“
10. „Bei der Stange bleiben“
An der Fahnenstange konnten sich kämpfende Soldaten orientieren. Wer bei der Stange bleibt, ist konzentriert und zielstrebig.
11. „Auf Vordermann bringen“
Beim Militär lernen Soldaten sich in Reih und Glied zu stellen. Dabei steht in der ersten Linie stets der Vordermann. Etwas auf Vordermann bringen heißt, für Ordnung zu sorgen.
13. „Aus dem Staub machen“
Damit war ursprünglich der Staub gemeint, der bei Kampf und Getümmel entsteht und dem Soldaten erlaubt, ungesehen zu fliehen.
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Rubriklistenbild: © MIS, Pop-Eye/Imago. Bearbeitung: BuzzFeed DE

