Polens Präsident Andrzej Duda hat nach seiner Rückkehr aus Kiew Russland vorgeworfen, in der Ukraine einen «totalen Krieg» zu führen.
Warschau/Mariupol - Die Eindrücke aus dem von Luftangriffen und Raketen zerstörten Ort Borodianka werde er nie vergessen, sagte Duda am Donnerstag im südpolnischen Przemysl. Er hoffe, sein gemeinsamer Besuch mit den Präsidenten Litauens, Lettlands und Estlands bei dem ukrainischen Staatsoberhaupt Wolodymyr Selenskyj sei sichtbares Zeichen der Unterstützung für die Verteidiger der Ukraine. Duda war am Dienstagabend zusammen mit Litauens Präsidenten Gitanas Nauseda, Lettlands Staatschef Egils Levits und Estlands Präsidenten Alar Karis nach Kiew gereist. Ursprünglich hatte Duda angeregt, dass auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an der Reise teilnimmt. Allerdings gab es Signale aus Kiew, dass Steinmeier dort nicht willkommen sei.
Mariupols Bürgermeister: „Mariupol bleibt eine ukrainische Stadt“
Der Bürgermeister der schwer umkämpften ukrainischen Stadt Mariupol hat sich trotz weit vorgerückter russischer Truppen siegessicher gezeigt. «Mariupol war, ist und bleibt eine ukrainische Stadt», sagte Wadym Bojtschenko am Donnerstag im ARD-«Morgenmagazin». Mit Blick auf russische Berichte über die Eroberung des Hafens sowie über die angebliche Kapitulation von mehr als 1000 ukrainischen Kämpfern sprach Bojtschenko von «Falschnachrichten». Der Politiker ist selbst nicht in der Stadt, soll aber noch in der Ukraine sein.
Die Stadt am Asowschen Meer werde weiter vom Regiment Asow sowie von Marineinfanteristen verteidigt, betonte Bojtschenko. Mariupol wird seit Wochen von russischen Truppen und Kämpfern prorussischer Separatisten eingekesselt. Die Stadt ist weitgehend zerstört, die humanitäre Lage der verbliebenen Einwohner ist katastrophal. Das US-Kriegsforschungsinstitut Institute for the Study of War (ISW) geht davon aus, dass die russischen Truppen die strategisch wichtige Stadt «wahrscheinlich» in der kommenden Woche erobern werden. Die Ukraine befürchtet unterdessen weiter eine bevorstehende große Offensive der Russen im Osten des Landes. In den Gebieten Charkiw, Donezk und Saporischschja habe es in der Nacht erneut Bomben- und Raketenangriffe gegeben, heißt es im Bericht des ukrainischen Generalstabs vom Donnerstagmorgen. (dpa)