„Sie waren nicht so großzügig“

„Mehr Waffen, mehr Munition, mehr Geld“: Polen erhebt im Ukraine-Krieg Vorwürfe gegen Deutschland

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Polens Ministerpräsident Morawiecki (r.) ist der Meinung, dass Deutschland und Kanzler Scholz der Ukraine mehr helfen sollten.
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Deutschland unterstützt die Ukraine im Kampf gegen Russland zu wenig, kritisiert Polen. Die Bevölkerung gibt Berlin sogar eine Mitschuld am Krieg.

Warschau - Olaf Scholz versichert der Ukraine immer wieder uneingeschränkte Unterstützung bei der Verteidigung gegen die russischen Invasoren. An prominenter Stelle etwa bei seinem Treffen mit US-Präsident Joe Biden in Washington. Deutschland sicherte Kiew seit Beginn des Ukraine-Kriegs allein bislang mehr als sechs Milliarden Euro zu. Polens Regierung findet allerdings: Das ist viel zu wenig.

Ukraine-Krieg: Polen fordert mehr Hilfen aus Deutschland für Kiew

Der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki kritisierte Berlin scharf für in seinen Augen unzureichende Hilfen für die Ukraine. Deutschland sollte „mehr Waffen, mehr Munition und mehr Geld an die Ukraine schicken, weil es das mit Abstand reichste und größte Land ist“, sagte Morawiecki am Freitag Politico. „Sie waren nicht so großzügig, wie sie hätten sein sollen“, ergänzte er.

Er wolle sie aber nicht angreifen, er sage „nur das Offensichtliche“. Morawiecki räumte ein, dass Deutschland „politische Änderungen“ vorgenommen habe. Das Tabu, Waffen in Kriegsgebiete zu schicken, sei gefallen, zudem habe sich das Land durchringen können, der Ukraine Leopard-Panzer zu liefern. Am meisten für die militärische Unterstützung tut allerdings Polen, das direkter Nachbar der Ukraine ist.

Polnische Bevölkerung macht Deutschland für Ukraine-Krieg mitverantwortlich

Morawiecki brachte aber auch die frühere deutsche Energiepolitik zur Sprache - und legte den Finger in die Wunde. „Durch ihre sehr falsche Gas- und Ölpolitik gegenüber Russland sind sie mitverantwortlich für das, was passiert, für dieses Chaos auf dem Energiemarkt“, sagte der Regierungschef. Polen habe Deutschland angefleht, sich nicht komplett von Moskau abhängig zu machen.

Teile der polnischen Bevölkerung gehen angeblich noch weiter und geben Deutschland eine Mitschuld am Krieg in der Ukraine. Viele Menschen seien der Ansicht, dass es Berlin verpasst habe, Russland und Präsident Wladimir Putin „rechtzeitig seine Grenzen aufzuzeigen“, sagte Piotr Buras, Leiter des Warschauer Büros des European Council on Foreign Relations, im Podcast „Wirtschaft Welt & Weit“. Das deutsch-polnische Verhältnis sei „definitiv sehr angeschlagen“, sagte er weiter. (mt)

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