Präsidentschaftswahl 2025 in Polen: Alle Informationen im Überblick
VonChristian Stör
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Polen wählt ein neues Staatsoberhaupt. Der Amtsinhaber kann aber nicht noch einmal antreten. Was Sie zur Präsidentschaftswahl 2025 wissen müssen.
Warschau – Die Menschen in Polen sind zum achten Mal seit 1989 zur Wahl ihres Staatsoberhaupts aufgerufen. Der amtierende Präsident Andrzej Duda kann nach zwei vollendeten Amtszeiten nicht noch ein weiteres Mal antreten. Bei der Präsidentschaftswahl in Polen wird sein Nachfolger gesucht.
Präsidentschaftswahl in Polen
Erster Wahltag
18. Mai 2025
Zweiter Wahltag (Stichwahl)
1. Juni 2025
Präsident vor der Wahl
Andrzej Duda
Amtszeit
5 Jahre (Wiederwahl einmal möglich)
Letzte Wahl
12. Juli 2020
Präsidentschaftswahl in Polen findet im Mai statt
Im Januar gab Parlamentspräsident Szymon Holownia den Termin für die Präsidentschaftswahl in Polen bekannt. „Die Wahl des nächsten Präsidenten Polens findet am 18. Mai statt“, erklärte er damals vor der Presse. Falls nötig, werde es am 1. Juni eine Stichwahl geben. Mit der Wahl des Präsidenten werde auch der Oberbefehlshaber der Streitkräfte gewählt und „jemand, der den Staat in diesen sehr schwierigen Zeiten die nächsten fünf Jahre führen wird“, betonte Holownia.
Die Ausgangslage vor der Präsidentschaftswahl in Polen
Derzeit gestaltet sich in Polen die Zusammenarbeit zwischen Regierungschef Donald Tusk und dem seit 2015 amtierenden Präsidenten Duda schwierig: Tusk gehört der pro-europäischen Bürgerplattform an, Duda steht der nationalkonservativen PiS nahe. Duda hat seit Tusks Regierungsantritt im Dezember 2023 die meisten Vorhaben der Regierung blockiert. Die zweite und letzte Amtszeit von Präsident Duda endet im August.
Wer bei der Präsidentschaftswahl in Polen kandidiert
Drei Männer gelten als aussichtsreiche Kandidaten für Andrzej Dudas Nachfolge. Der Warschauer Oberbürgermeister Rafal Trzaskowski geht für die Bürgerkoalition von Regierungschef Tusk ins Rennen. Der jugendlich wirkende Politiker ist seit 2018 Stadtoberhaupt von Warschau. In den Umfragen zur Präsidentschaftswahl in Polen liegt Trzaskowski derzeit klar an der Spitze.
Die Partei PiS schickt Karol Nawrocki an den Start. Der parteilose Historiker leitet seit 2021 das Institut für Nationales Gedenken, das sich schwerpunktmäßig mit der Auswertung und Verwaltung der Akten der Geheimdienste aus kommunistischer Zeit befasst. In der Politik hat Nawrocki keine Erfahrung, er hat weder Ämter bekleidet noch sich um solche beworben. Die Umfragen sehen ihn deutlich hinter Trzaskowski.
Dritter aussichtsreicher Bewerber ist Sławomir Mentzen. Er ist einer der Vorsitzenden des als rechtsextrem geltenden Parteienbündnisses Konfederacja. Seine bekannteste Losung stammt aus dem Jahr 2019: „Wir wollen keine Juden, Schwule, Abtreibung, Steuern und EU.“ Seit Februar sind seine Umfragewerte um etwas das Doppelte gestiegen.
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Präsidenten der Republik Polen (Dritte Republik seit 1989)
Wojciech Jaruzelski (31. Dezember 1989 bis 21. Dezember 1990)
Lech Wałęsa (22. Dezember 1990 bis 22. Dezember 1995)
Aleksander Kwaśniewski (23. Dezember 1995 bis 23. Dezember 2005)
Lech Kaczyński (23. Dezember 2005 bis 10. April 2010, im Amt tödlich verunglückt)
Bronisław Komorowski (kommissarisch: 10. April 2010 bis 8. Juli 2010)
Bogdan Borusewicz (kommissarisch: 8. Juli 2010)
Grzegorz Schetyna (kommissarisch: 8. Juli 2010 bis 6. August 2010)
Bronisław Komorowski (6. August 2010 bis 6. August 2015)
Andrzej Duda (seit 6. August 2015)
Tusk braucht den Sieg von Trzaskowski bei der Präsidentschaftswahl in Polen
Für Regierungschef Tusk ist es entscheidend, dass Trzaskowski die Wahl gewinnt und der nächste Präsident damit aus seinem politischen Lager stammt. Der jetzige Präsident Duda hat aus seiner Nähe zur PiS nie einen Hehl gemacht und Tusks Regierung so viele Steine in den Weg gelegt wie möglich.
Um die Wahl zu gewinnen, muss ein Kandidat beim ersten Wahlgang am 18. Mai mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommen. Erhält keiner ausreichend viele Stimmen, kommt es am 1. Juni zu einer Stichwahl.
Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl in Polen fällt mit EU-Ratspräsidentschaft zusammen
In Polen beträgt die Amtszeit des Präsidenten fünf Jahre. Das Staatsoberhaupt repräsentiert das Land nicht nur nach außen. Der Präsident kann Gesetze mit einem Veto blockieren und hat Einfluss auf die Außenpolitik. Er ernennt den Ministerpräsidenten sowie das Kabinett und ist im Kriegsfall Oberkommandierender der polnischen Streitkräfte.
Der Wahlkampf fällt mit der EU-Ratspräsidentschaft Polens zusammen, die das Land noch bis Ende Juni innehat. (cs/dpa)