Mutmaßliches Attentat

Video aus Prigoschin-Jet geleakt: Heikler Bericht über Reparatur – USA hegen Verdacht

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Spekulationen um Flugzeugabsturz: In den USA geht man fest von einem Attentat auf Prigoschin aus. Ein jetzt aufgetauchtes Video stützt die These von Manipulation.

Moskau – Neue Details zum Flugzeugabsturz: Nach dem mutmaßlichen Tod von Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin geht die Ursachenforschung weiter. So sollen kurz vor Abflug noch das Kühlsystem an dem Jet ausgetauscht und dem Söldner-Boss geheime Sonderflugrechte entzogen worden sein. Das berichtet die russische Investigativplattform rucriminal.info, die zusätzlich noch ein Video aus dem Innenleben des Flugzeugs veröffentlichte. Der Bericht nährte zusätzlich die andauernden Spekulationen, dass der Absturz nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte. US-Geheimdienste gehen ebenfalls von einem Attentat aus.

Flugzeugabsturz von Prigoschin: Spekulation um Tod von Wagner-Boss geht weiter

Seit Mittwoch sorgt der Flugzeugabsturz über Russland international für großen Wirbel. Aus bislang ungeklärter Ursache war eine Privatmaschine vom Typ Embraer Legacy 600 auf dem Weg von St. Petersburg nach Moskau abgestürzt. Alle zehn Insassen sollen dabei ums Leben gekommen sein. An Bord waren laut Passagierliste auch der Eigentümer der Maschine, Wagner-Boss Jewgeni Prigoschin, und dessen Wagner-Stellvertreter Dimitri Utkin. Zwar meldeten die russischen Luftfahrtbehörden und auch Russlands Präsident Wladimir Putin den Tod der beiden, eine offizielle unabhängige Bestätigung liegt nicht vor. Derzeit werden alle Leichen noch identifiziert.

Welche Rolle spielte Russlands Präsident Wladimir Putin beim Flugzeugabsturz von Prigoschin? Die Spekulationen schießen ins Kraut.

Tod von Prigoschin: Rache von Putin mit einer Boden-Luft-Rakete?

Seit dem Flugzeugabsturz von Prigoschin gibt es viele Spekulationen um die Hintergründe, in den sozialen Medien ebenso wie von internationalen Politikern und Wissenschaftlern. Da sich der Wagner-Boss mit seinem Aufstand gegen den Kreml zwei Monate zuvor viele Feinde im Machtapparat von Wladimir Putin gemacht hatte, halten viele Beobachter einen gezielten Anschlag aus Rache für möglich. Eine Theorie besagt, dass die Maschine mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden sein könnte.

Bombe an Bord: USA hegen Verdacht bei Prigoschins Flugzeugabsturz

Auch in den USA geht man offenbar fest von einem Anschlag aus. Allerdings schließt man eine Attacke mit einem Lenkflugkörper aus. Das bestätigte ein hochrangiger Geheimdienstmitarbeiter dem Wall Street Journal. In diesem Fall hätten amerikanische Satelliten die Hitzesignatur einer Rakete aufgezeichnet, sagte er dem Blatt. Dies sei aber nicht der Fall gewesen. Stattdessen äußerte der Beamte den Verdacht, dass sich eine Bombe an Bord von Prigoschins Privatjet befunden haben könnte.

War die Bombe etwa am Kühlsystem platziert worden? Die Hinweise sind weiterhin nur Spekulationen und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Doch zu den jüngsten Berichten passt, dass die Flugbegleiterin Kristina Raspopowa kurz vor Abflug noch an ihre Familie geschrieben hatte, dass sich der Flug wegen einer ungeplanten Reparatur verzögern werde. Über den genauen Schaden teilte sie aber nichts mit. War es vielleicht der Austausch des Kühlsystems?

Video aufgetaucht: Reparatur am Flugzeug von Prigoschin

Jedenfalls verwundert es, dass vor Abflug der Wagner-Doppelspitze der Jet noch in fremde Handwerkerhände gegeben wurde. Aber offensichtlich maß der Söldner-Chef der Maschine auch nicht mehr die ganz hohe Bedeutung zu. Wie rucriminal.info berichtet, soll das Privatflugzeug zum Verkauf gestanden haben. Deswegen sei noch kurz vor Abflug ein Video aus dem Innenraum gedreht worden. Nachdem Prigoschin offenbar jahrelang mit geheimen Sonderrechten unerkannt durch das Land fliegen durfte, sei dem Söldner-Boss dieses Privileg zuletzt entzogen worden, heißt es in dem jetzt aufgetauchten Video, das auch der deutsche Nachrichtensender ntv veröffentlicht hat.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Hatte der Kremlchef am Ende also doch irgendwie seine Finger im Spiel. Laut US-Präsident Joe Biden lautet die Antwort: ja. Zumindest zeigte sich Biden nach dem Absturz von Prigoschins Flugzeug „nicht überrascht“ vom zunächst möglichen Tod des Wagner-Chefs. „Es gibt nicht viel, was in Russland passiert, hinter dem nicht Putin steckt“, hatte er bereits am Mittwoch gesagt. „Aber ich weiß nicht genug, um die Antwort zu kennen“, fügte er hinzu. Spekulationen um eine Kreml-Verantwortung für Prigoschins Tod bezeichnete Moskau unterdessen als „absolute Lüge“. Regierungssprecher Dmitri Peskow erklärte weiter, die Untersuchungen der Absturzursache des Flugzeugs liefen.

Aufstand der Wagner-Gruppe: Für Putin war das Verrat

Wie groß der Bruch zwischen Putin und seinem Koch am Ende waren, wird sich wahrscheinlich nicht mehr aufklären lassen. Bis zum Aufstand waren sie enge Vertraute. Doch die Meuterei kritisierte Putin als Verrat. Umgekehrt war die Treue allerdings offenbar weiterhin gegeben. So findet sich in dem jetzt veröffentlichten Video eine bizarre Szene: An einer der Wände des Flugzeugs hing offenbar bis zum Schluss ein Bild von Putin. (jkf)

Rubriklistenbild: © Kristina Kormilitsyna/dpa/Montage

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