Ukraine-Krieg

Scheitert die Gegenoffensive der Ukraine? Prigoschin widerspricht Moskau und Minsk

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Russland und Belarus melden, die ukrainische Gegenoffensive sei bei Saporischschja zurückgeschlagen worden. Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin zweifelt das jedoch an.

München/Moskau/Saporischschja - Die ukrainische Gegenoffensive sei unter erheblichen Verlusten bei Saporischschja gestoppt worden. Das behaupteten Russland und sein Verbündeter Belarus im Ukraine-Krieg an diesem Donnerstag (8. Juni) unisono.

Ukraine-Krieg: Russland und Belarus behaupten Rückschlag ukrainischer Gegenoffensive

Die angeblichen Zahlen, die Moskau und Minsk verbreiten, lesen sich immens. Doch sie sind wohl stark anzuzweifeln. Einerseits decken sie sich nicht mit westlichen Einschätzungen über den Verlauf der Gegenoffensive der ukrainischen Streitkräfte.

Andererseits hat Söldner-Chef Jewgeni Prigoschin öffentlich über die angeblichen Verluste Kiews gespottet, die seitens der Russen kolportiert wurden. Und der Wagner-Boss hat einmal mehr die russische Armee sowie das Verteidigungsministerium scharf attackiert.

Russland und Belarus melden, die ukrainische Gegenoffensive sei bei Saporischschja zurückgeschlagen worden. Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin zweifelt das jedoch an.

„Heute um 1.30 Uhr morgens hat der Feind in der Region Saporischschja versucht, unsere Verteidigung mit ihrer 47. Brigade zu durchbrechen, mit bis zu 1500 Soldaten und bis zu 150 gepanzerten Fahrzeugen“, hieß es am Donnerstagmorgen in einer öffentlichen Erklärung von Verteidigungsminister Sergei Schoigu. Er sagte weiter: „In allen vier Richtungen ist der Feind gestoppt und dreht sich unter schweren Verlusten zurück.“ Nach einer zweistündigen Schlacht habe „der Feind 30 Panzer, elf Kampffahrzeuge und bis zu 350 Mann verloren“.

Alexander Lukaschenko: Belarus-Machthaber behauptet schwere ukrainische Verluste

Minsk-Autokrat Alexander Lukaschenko, Verbündeter von Moskau-Machthaber Wladimir Putin, ging bei seinen Zahlen noch weiter. „Die drei Tage der ‚Gegenoffensive‘: Was wir beobachten und die Informationen, die wir vom russischen Präsidenten erhalten haben, stimmen völlig überein. Innerhalb von drei Tagen waren etwa drei Dutzend vorrückende ukrainische Panzer und 120 bis 130 Infanterie-Kampffahrzeuge im Einsatz eliminiert, und was am schrecklichsten ist, mehr als 2.100 Ukrainer wurden getötet“, sagte er bei einem Treffen in Minsk mit Mitgliedern der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS).

Er habe immer gesagt, erklärte Lukaschenko laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass, die Gegenoffensive sei „eine große Desinformation. Es gibt keine Gegenoffensive und kann auch keine Gegenoffensive sein. Aber wenn es eine gibt, dann ist das das Ergebnis über drei Tage“. Prigoschin wiederum glaubt das alles nicht. Der russische Wagner-Chef teilte im Onlinedienst Telegram mit, er halte die angeblichen Neuigkeiten aus Moskau und Minsk für unglaubwürdig.

„Ich denke, Baron Münchhausen kann sich wieder setzen“, kommentierte Prigoschin mit Verweis auf den gleichnamigen Lügenbaron und Geschichtenerzähler. Er bezeichnete die Berichte aus Moskau als „wilde Fantasie. Eigentlich sollte jemand alle Zahlen, die Konaschenkow liefert, zusammenzählen. Ich glaube, wir haben gerade den gesamten Planeten Erde fünfmal zerstört“, wird Prigoschin zitiert. Er spielte damit auf Generalleutnant Igor Jewgenjewitsch Konaschenkow an. Dieser ist beim russischen Verteidigungsministerium verantwortlich für die Abteilung für Massenkommunikation. „1500 Menschen an nur einem Tag (...) zu vernichten, wäre ein solches Massaker“, meinte Prigoschin in seinem Spott weiter.

Ukrainische Gegenoffensive: Ziehen sich Russen nach Staudamm-Bruch zurück?

Die ukrainischen Angaben weichen von denen Moskaus indes ordentlich ab - was nicht unüblich ist. So seien die russischen Truppen durch die durch den Bruch des Kachowka-Staudamms in der Südukraine verursachten Überschwemmungen zu einem größeren Rückzug gezwungen. Die russischen Streitkräfte hätten sich wegen der Wassermassen in der Region Cherson um fünf bis 15 Kilometer zurückziehen müssen, sagte eine ukrainische Militärsprecherin laut n-tv. Laut Tagesspiegel verbreitete sich zudem ein wohl von ukrainischen Soldaten aufgenommenes Video, in dem vier nach Kampfhandlungen verlassene russische Panzerfahrzeuge zu sehen sind. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Lev Borodin

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