VonFelicitas Breschendorfschließen
In vielen Ländern kannst du sie in der Drogerie kaufen, nicht so in Deutschland. Eine Hormonexpertin rechtfertigt das.
Mist, meine Pille-Packung ist leer, stelle ich genervt fest. Wann gehe ich jetzt am besten zur Frauenärzt:in? Natürlich habe ich vergessen, mir rechtzeitig einen Termin zu machen. Während Männer ganz entspannt sind, weil Forschende immer noch an einem Präparat für sie basteln, erleben Frauen ständig diesen Struggle. Denn die Antibabypille gibt es bei uns nicht einfach rezeptfrei in der Apotheke.
In den USA gibt es die Gestagenpille ab 2024 in Supermärkten – was unterscheidet sie?
In anderen Ländern ist das anders: In Brasilien, Griechenland, Mexiko, Portugal und der Ukraine brauchen Frauen kein Rezept, um sich die Pille zu holen. In Großbritannien sind seit 2021 zwei Gestagenpillen, Hana und Lovima, rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Auch in den USA könnte eine Gestagenpille namens Opille ab 2024 in Drogeriemärkten oder Supermärkten erworben werden, ohne dass dafür zuvor ein Ärzt:in aufgesucht werden müsse, wie die Arzneimittelbehörde FDA am 13. Juli mitteilte.
Eine Gestagenpille enthält als Wirkstoff nur Gestagen, der das Eindringen der Samenzellen in die Gebärmutter verhindert. Nach Angaben des Berufsverbands der Frauenärzte (BVF), haben Gestagenpillen „normalerweise keine schwerwiegenden Nebenwirkungen“. Damit unterscheiden sie sich von der Kombinationspille und der Mikropille, die neben Gestagen auch das Hormon Östrogen enthalten. Östrogen soll stärkere Nebenwirkungen haben, etwa Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Bei der Mikropille ist der Östrogen-Anteil dabei deutlich geringer, als bei der Kombinationspille.
Wenn auch geringer, hat hormonelle Verhütung immer Nebenwirkungen. Wenn du sie weglässt, verändert sich dein Körper.
Warum bekomme ich in Deutschland die Pille nicht rezeptfrei?
In Deutschland ist es nicht geplant, dass die Antibabypille rezeptfrei wird – auch nicht die weniger problematische Gestagenpille. Der BVF, der die Meinung vieler Frauenärzt:innen vertritt, möchte nicht, dass sich daran etwas ändert. Trotz der geringeren Risiken sei bei der Gestagenpille eine „individuelle medizinische Beratung erforderlich“, sagt Kathrin Schaudig, Hormonexpertin des BVF, BuzzFeed News Deutschland.
Warum? „Bei fehlender umfassender Aufklärung und medizinischer Beratung besteht die Gefahr, dass Anwenderinnen sich in einer falschen Sicherheit wähnen und aufgrund von Anwendungsfehler trotzdem schwanger werden können.“ Zum Beispiel muss die Gestagenpille jeden Tag zum gleichen Zeitpunkt eingenommen werden.
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Wenn Frauen auf Verhütung verzichten müssen, weil die Ärzt:in nicht erreichbar ist
Manchmal wird diese Gefahr aber deshalb erhöht, weil es Frauen so schwergemacht wird, die Pille zu bekommen. Auf Twitter berichten Frauen, dass sie auf hormonelle Verhütung verzichten mussten, weil sie ohne Rezept nicht direkt an eine neue Packung kamen. „Muss jetzt Mal ne Woche Pause machen“, schreibt etwa Userin Pfannkucheneule. Ihr Arzt sei nicht erreichbar. Andere machen innerhalb Deutschlands Urlaub und haben nicht daran gedacht, sie mitzunehmen.
Hab vergessen mich um ein neues Rezept für die Pille zu kümmern und muss jetzt mal ne Woche Pause machen. Erreiche meinen Arzt nicht und werd morgen früh dann mal vorbeigehen. Hoffe der ist nicht im Urlaub und ich muss Vertretung hinterherrennen.
— Pfannkucheneule (@civettafrittata) January 17, 2023
Das ist nicht nur gefährlich, wenn die Frauen in der Zeit ungeschützten Geschlechtsverkehr haben. Auch ihr Zyklus kann sich verändern und Komplikationen auftreten.
Profamilia hält rezeptfreie Gestagenpille für einen „interessanten Ansatz“
In Deutschland gibt es deshalb Stimmen, die sich für eine rezeptfreie Antibabypille einsetzten. Zum Beispiel der Verband Profamila, der für die Rechte von Frauen bei Schwangerschaft und Verhütung kämpft. „Eine niedrigschwellige Abgabe der Pille ist ein interessanter Ansatz, der diskutiert werden könnte“, sagt die Sprecherin BuzzFeed News Deutschland. Dem Verband geht es dabei ebenfalls nur um die Gestagenpille. Die notwendige, medizinische Beratung könnten laut Profamilia auch Apotheker:innen übernehmen.
„Wir haben in Deutschland allerdings im Moment eher die Situation, dass immer mehr Frauen der hormonellen Verhütung skeptisch gegenüberstehen. Dies würde sich durch die Aufhebung der Rezeptpflicht vermutlich nicht verändern“, merkt Profamilia an. Tatsächlich gibt es viele Frauen, die die Pille absetzen, weil sie sie nicht gut vertragen. Hier berichten ein paar von ihnen, wie es ihnen dabei ging.
Rubriklistenbild: © IMAGO / BSIP/ Collage BuzzFeed News Deutschland

