Gegenreaktion

Wegen Drohnen: Die NATO berät wohl über mögliche militärische Antworten auf Putins Provokationen

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NATO erwägt offensive Drohnen-Strategie gegen Putin: Verschärfte Einsatzregeln im Ukraine-Krieg-Kontext könnten EU-Luftraum besser schützen.

Brüssel – Belgien, Dänemark und Deutschland, Polen, Estland, Lettland, immer öfter werden Drohnen im Luftraum Europas gesichtet. Im Kontext des anhaltenden Ukraine-Kriegs erwägen die NATO-Verbündeten deshalb eine signifikante Modifikation ihrer Verteidigungsstrategie als Reaktion auf die zunehmend aggressive Haltung Wladimir Putins. Konkrete Maßnahmen, die derzeit diskutiert werden, umfassen die Stationierung bewaffneter Drohnen entlang der russischen Grenze sowie eine Liberalisierung der Einsatzregeln für Kampfpiloten, die ihnen unter bestimmten Umständen den Waffeneinsatz gegen russische Luftfahrzeuge ermöglichen würde.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und NATO-Generalsekretär Mark Rutte blicken besorgt auf russische Drohnenaktivitäten.

Wie vier NATO-Insider gegenüber der Financial Times erklärten, beabsichtige die Verteidigungsallianz, die strategischen Kosten für Moskaus „hybride Kriegsführung“ zu erhöhen und ein kohärentes Reaktionsprotokoll auf die systematischen Luftraumverletzungen durch russische Drohnen und Kampfflugzeuge zu etablieren. Die Initiative soll von den östlichen Grenzstaaten losgetreten worden sein und habe unimittelbar Unterstützung durch Frankreich und Großbritannien erhalten, bevor sie in einem erweiterten Kreis innerhalb der 32 Mitgliedstaaten umfassenden Verteidigungsallianz diskutiert wurde.

NATO-Piloten sollen Drohnen künftig einfacher abschießen dürfen

Die Vorschläge beinhalten neben der Aufrüstung von Überwachungsdrohnen zur Informationsgewinnung über russische Militäraktivitäten auch eine Reduzierung der operativen Schwellenwerte für Piloten, die an der östlichen Peripherie patrouillieren. Ergänzend werden intensivierte NATO-Militärmanöver an strategisch relevanten, bislang wenig gesicherten Grenzabschnitten zu Russland erwogen.

US-Präsident Donald Trump positionierte sich bereits im vergangenen Monat mit der Forderung, „die NATO solle das Feuer auf russische Flugzeuge eröffnen, die in das Gebiet der Verbündeten eindringen“ – eine Aussage, die die aktuelle Debatte zusätzlich politisiert. Die NATO-Repräsentanten betonten jedoch, dass weder ein verbindlicher Zeitplan noch eine definitive Entscheidung für eine Doktrinänderung existiere. Sie wiesen zudem darauf hin, dass potenzielle Modifikationen möglicherweise nicht öffentlich kommuniziert würden.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

EU entwickelt parallel zu NATO-Aufrüstung eine eigene Antwort auf russische Aggression

Parallel zu den NATO-Beratungen entwickelt die Europäische Union ein komplementäres Maßnahmenpaket als Antwort auf russische Provokationen. Dieses umfasst Mobilitätsrestriktionen für russische Diplomaten innerhalb Europas, die von Nachrichtendiensten verdächtigt werden, nachrichtendienstliche Operationen und Sabotageakte außerhalb ihrer offiziellen Einsatzgebiete durchzuführen. Zusätzlich plant die EU die Allokation spezifischer Finanzmittel für die Implementation moderner Drohnenabwehrsysteme zum Schutz kritischer Infrastruktur.

Nach Drohnensichtungen in Deutschland hatte Russland Anfang der Woche Vorwürfe einer Beteiligung erneut zurückgewiesen. „In Europa gibt es viele Politiker, die dazu neigen, derzeit für alles Russland verantwortlich zu machen. Sie tun dies stets unbegründet und pauschal“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. „Die Geschichte mit diesen Drohnen ist in der Tat zumindest seltsam. Aber andererseits gibt es wiederum keinen Grund, Russland dafür verantwortlich zu machen“, sagte er mit Blick auf Äußerungen von Kanzler Friedrich Merz (CDU).

Wladimir Putin beschuldigt Europa, den Ukraine-Krieg anzuheizen

Merz hatte am Sonntag in der ARD-Sendung „Caren Miosga“ nach den Drohnensichtungen in München die „Vermutung“ geäußert, dass „jedenfalls ein wesentlicher Teil davon aus Russland gesteuert“ werde. Merz sagte auch: „Wir wissen, dass Putin uns testen will.“ Machthaber Wladimir Putin hatte am vergangenen Donnerstag erklärt, dass die Anschuldigungen gegen Russland wohl dazu dienen sollen, die Lage weiter anzuheizen und Europa dazu zu bringen, seine Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Zugleich wies er auf einem Forum vor internationalen Gästen auch Vorwürfe als Unsinn zurück, dass Russland ein Nato-Land angreifen wolle. (Quellen: Financial Times, T-Online, dpa) (lm)

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