Rätsel um Putin-Besuch gelöst? Kreml-Chef angeblich in der Ukraine – Video teils widerlegt
VonLucas Maier
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Es wäre der erste Besuch von Wladimir Putin in der Region Cherson. Der genannte Zeitpunkt der Reise wurde widerlegt.
Update vom 19. April 2023, 10.15 Uhr: Mittlerweile hat auch der britische Nachrichtensender BBC verifizieren können, dass Putin in der Stadt Henitschesk zu Besuch war. Der russische Präsident soll auf dem Gelände des ehemaligen Brigantina-Erholungszentrums gewesen sein, wie die unabhängige russische Nachrichtenplattform Astra schreibt.
Unklar ist allerdings noch, wann der Besuch des Kremlchefs stattgefunden hat. Während Kremlsprecher Dmitri Peskow gesagt haben soll, dass der Besuch am 17. April 2023 stattgefunden habe, wiedersprach dies jedoch dem Videomaterial des Besuchs, wie BBC schreibt. In einer ersten Version des Videos, das dem Sender vorliegt, soll Putin von den bevorstehenden Osterfeierlichkeiten gesprochen haben. Jedoch wird das orthodoxe Osterfest bereits am 16. April gefeiert. Die russischen Nachrichtenagenturen haben das Video kurz nach der Veröffentlichung nachbearbeitet und diesen Teil der Ansprach entfernt.
Die Stadt Henitschesk liegt zwar in der Region Cherson, befindet sich allerdings rund 200 Kilometer von der Stadt Cherson entfernt. Wie bereits zuvor geschrieben (siehe Erstmeldung), liegt die Stadt weit von dem eigentlichen Frontverlauf entfernt.
Rätsel um Putin-Besuch: Kreml-Chef reist angeblich ins Kriegsgebiet - Video lässt Fragen offen
Erstmeldung vom Dienstag, den 18. April 2023: Moskau - Nach über einem Jahr Krieg in der Ukraine soll der Präsident des Aggressors Russland in die Gebiete Luhansk und Cherson gereist sein. Die staatliche Nachrichtenagentur veröffentlichte am Dienstag (18. April) Videomaterial, das den Besuch von Wladimir Putin belegen soll.
In dem Video soll zuerst der Besuch in der Region Cherson zu sehen sein. Zu Beginn wird gezeigt, wie Putin aus einem Militärhubschrauber auf einer Wiese steigt, anschließend wird auf einem Auto herauf gefilmt, wie in die Stadt Henitschesk gefahren wird. Im nächsten Schnitt wird gezeigt, dass der russische Präsident aus dem Wagen steigt.
Putin in Cherson: Britischer Geheimdienst spricht von „vorübergehenden Hauptstadt“ der Besatzer
Es ist nicht erkenntlich, an welchem Ort Putin tatsächlich aussteigt, die Umgebung ähnelt einer Dorfstraße. Er wird von einem Militär in Empfang genommen, der keinerlei ersichtliche Abzeichen oder Hoheitszeichen an seiner Jacke trägt. Putin selbst trägt ein weißes Hemd mit Krawatte und darüber eine blaue Jacke.
Anschließend zeigt das Video Putin im Gespräch mit verschiedenen Militärs. In den Gesprächen soll es laut RIA Novosti vor allem um die Lage in Cherson und die Situation in Richtung Saporischja gegangen sein.
Die Stadt Henitschesk liegt am südöstlichen Rand der Region Cherson. Bereits im November (2022) meldete der britische Geheimdienst, dass Russland die Stadt zur „vorübergehenden Hauptstadt“ der besetzten Region gemacht habe. Aufgrund ihrer Lage soll die Stadt als besonders sicher vor der ukrainischen Artillerie und möglichen Angriffen sein.
Putin in der Ukraine: Video soll seine Anwesenheit belegen
Anschließend soll Wladimir Putin noch das Hauptquartier in der Region Luhansk besucht haben. Im Video ist hier ebenfalls zu sehen, wie der Präsident aus einem Hubschrauber steigt. Außerdem wird die Fahrt über einen militärischen Stützpunkt mit verschiedenem Equipment, wie Flugzeugen und Hubschraubern gezeigt. Anschließend betritt Putin den vermeintlichen Stützpunkt.
Hierbei sind zwei Dinge auffällig: Zum einen hat sich das Outfit des russischen Präsidenten geändert, jetzt trägt er einen schwarzen Rollkragenpullover unter seinem Sakko. Mit dem Hubschrauber dürfte Putin von Henitschesk in die Region Luhansk lediglich rund zwei Stunden gebraucht haben. Wo genau und ob sich Putin wirklich in Luhansk aufgehalten hat, wird aus dem Video nicht ersichtlich.
Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern
War Putin wirklich in Cherson: Video kann nicht verifiziert werden
Zum anderen fällt auf, dass Putin sehr wenig Abstand zu den Anwesenden hält. Laut einem früheren Verbündeten ist dies ein Zeichen dafür, dass es sich um einen Doppelgänger handelt. Zum Vergleich: An Weihnachten hielten sogar Priester mehr als 20 Meter Abstand von dem Kremlchef. Außerdem fällt in dem Video auf, dass die Perspektive stets so gewählt wird, dass Putin niemals mit markanten Bauten oder Landschaften in einer Aufnahme zu sehen ist. Dies macht eine Verifizierung des Materials quasi unmöglich.
Ob es sich also tatsächlich um einen Besuch des russischen Präsidenten in der Ukraine gehandelt hat oder ob das ganze nur ein geschickter Propaganda-Streich ist, muss an dieser Stelle ungeklärt bleiben. (Lucas Maier)